Medien: „Sterben sollst du für dein Glück“ von Sabatina James

Zugegeben: Dies Buch hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und ist keine „druckfrische“ Empfehlung mehr. Aber dennoch haben die an sich sehr persönlichen Eindrücke einer jungen, pakistanischen Frau in Europa noch immer eine Aktualität, die eher noch zu- als abnimmt. Da sie mittlerweile seit Jahren eine katholische Christin ist, besitzen ihre An- und Einsichten auch für unser Thema eine gewisse Relevanz. Deshalb sei ihr Buch hier kurz vorgestellt.

sabatina_james_lookupSabatina James, die mittlerweile aus TV und Net bekannte Frauenrechtlerin, beschreibt in ihrem ersten Buch eigentlich einen ganz individuellen, aber an sich unspektakulären Lebensweg. In klaren, gut verständlichen Worten fasst sie kurz und knapp ihr Leben vor und nach der Umsiedlung ihrer Familie von Pakistan nach Österreich zusammen. Der anfängliche „Kulturschock“ zwischen den beiden Ländern weicht in ihrem Leben unmerklich und langsam dem durchaus nicht ungewöhnlichen Pubertätskonflikt der heranwachsenden Sabatina mit ihren gestrengen Eltern. Das kann man nachvollziehen, man lächelt ab und zu über ihre scheinbare Naivität, aber dieser kurze Lebensrückblick offenbart die Tiefe eines Kulturkonfliktes anfänglich fast nur zwischen den Zeilen. Etwa, wenn Sabatina James beschreibt, wie ihre Mutter das Geschirr dreifach spült und dabei islamische Gebete spricht, sobald „Ungläubige“ diese Teller oder Töpfe berührt haben. Der Leser wird also ganz sachte, häppchenweise und fast unmerklich an das eigentliche Thema ihres Buches herangeführt: die Unvereinbarkeit des islamischen Welt- und Menschenbildes mit der modernen, westlichen Gesellschaft.

Und hier liegt auch der „Hund begraben“: dieser Konflikt, den vor allem Mädchen aus dem islamischen Kulturkreis in Europa tagtäglich am eigenen Leib erfahren, zumindest solange sie noch schulpflichtig sind und die Wohnung der Eltern verlassen dürfen, ist das wirkliche Spannungsfeld des Buches von Sabatina James. Hier wird erstmalig offen und ohne falsche, „politisch korrekte“ Rücksichten aus der Perspektive eines potentiellen Gewalt-Opfers der Spagat gläubiger, von integrationsunfähigen Eltern erzogener, muslimischer Jugendlicher in ihrem „westlich-liberalen“ Umfeld beschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger oder unverständliches Soziologen-Geschwafel dem breiten Publikum dargestellt. Das macht dieses Buch wertvoll.

Aber Sabatinas Geschichte geht noch weiter. Als sie in den Augen ihrer Eltern eine Frau zu werden beginnt, beginnen auch die Repressionen. Ihre Bewegungsfreiheit, die man ihr als Kind noch weitgehend gelassen hatte, wird eingeschränkt, die Kleiderordnung wieder strenger gehandhabt und die Überwachung durch die Familie intensiviert. Als schließlich eine kleine Teenager-Liebelei Sabatinas zu einem Mitschüler „auffliegt“ und ihre Mutter das offenherzige Tagebuch findet, explodiert sie in ungeahnter Weise. Ab dann ist eine brutale, körperliche Züchtigung der Tochter wegen vermeintlicher Verstöße gegen die „pakistanischen Sitten“ und die „Familienehre“ an der Tagesordnung. Aufgeplatzte Lippen und diverse Blaue Flecken stumpfen das Mädchen gegenüber den Plänen ihrer Eltern ab.  Erstaunlicherweise geschieht die Prügel üblicherweise durch Sabatinas Mutter, aber das sei nur am Rande erwähnt. Ebenso wie die völlige Gleichgültigkeit ihrer Brüder gegenüber den Vorkommnissen. Zu dieser Zeit kommt auch das Thema der Zwangsheirat mit einem Cousin mütterlicherseits in Pakistan wieder öfter ins Gespräch.

Als die 16-jährige es nicht mehr aushält, flieht sie in eine Notunterkunft und vertraut sich den dortigen Mitarbeitern an. Dort wird sie von ihren Eltern unter falschen Versprechungen von mehr Freiheiten wieder herausgelockt, aber natürlich dachten die Eltern nicht im Traum daran, diese im Beisein „Ungläubiger“ Dritter gemachten Versprechungen auch zu halten, denn jetzt wird eine Reise nach Pakistan und die Verlobung mit dem Cousin geplant. Weitere Details aus dem Buch erspare ich mir an dieser Stelle, damit noch genügend Stoff übrigbleibt, den Sie, liebe Leser, selbst Sabatinas Buch entnehmen können.

Wie bereits erwähnt, besitzt dieses nüchtern geschilderte Lebensschicksal eine exemplarische, beispielhafte Qualität, die uns „Außenstehenden“ viele Probleme und Konflikte muslimischer Mädchen, die in der freien Welt aufwachsen, verständlicher macht. Den permanenten Spagat zwischen den für uns selbstverständlichen, kleinen Freiheiten, für die wir schon keinerlei Wertschätzung mehr haben, und der klaren, einengenden Erwartungshaltung selbst nur mäßig streng religiöser, islamischer Familien ist für die Kinder kaum auszuhalten. Schließlich haben Mädchen in diesem Alter ganz andere Probleme mit Pickeln, Cliquen-Bildung und Selbstfindung. (Auch Jungen aus dieser Kultur haben oft Probleme mit der für sie zugedachten Rolle, aber dies sei angesichts des Themas dieses Artikels hier nicht weiter ausgeführt.) Den offenen Konflikt mit den Eltern riskiert man zwar in der Pubertät leichter, als in anderen Lebensphasen, aber gerade Mädchen scheuen diesen dann doch, wenn sie registrieren, was sie aufgeben müssen, sobald sie ihre Freiheiten konsequent einfordern.

In jedem Falle lohnt es sich, dieses Buch in Ruhe mit offenem Geist zu lesen und gerade die kleinen Hinweise auf den großen, den Erfahrungen Sabatina James zugrunde liegenden Konflikt sind es wert, bei der Lektüre genauer reflektiert und auch in geistlicher Hinsicht durchdacht zu werden. Ein gutes Buch, das in überschaubarer Zeit gelesen werden kann und dass man gerne seinen Freunden und Freundinnen weiterempfiehlt. Das an Eindeutigkeit nicht mangelnde Engagement von Sabatina James für Frauen, die in ähnlichen Lebensumständen versuchen, ihren eigenen Weg zu finden, ist in jedem Falle besser zu verstehen wenn man diese Geschichte gelesen hat. Ihr „Sabatina e.V.“ leistet in dieser Hinsicht sehr viel.

P.S.: Sabatinas Eltern haben in einem vor österreichischen Gerichten geführten Rechtsstreit versucht, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern und später die Glaubwürdigkeit der darin getätigten Aussagen in Zweifel zu ziehen. Sie wurden in ihrem Ansinnen nicht bestätigt. Das bedeutet, die Geschichte besitzt also auch eine „juristisch bestätigte“ Glaubwürdigkeit. Die Absicht ihrer Eltern, im Sinne des islamischen „Ehrbegriffs“ einen Gesichtsverlust zu vermeiden, schlug also fehl. Wir dürfen aber nicht glauben, dass dies auch vor einem Scharia-Gericht so passiert wäre…

P.P.S.: Sabatina ist auch im TV zu sehen. Bis auf weiteres Sonntags, um 15.45 Uhr auf Bibel TV.
Auch auf „http://www.alhayattv.net/“ infos mit Sabatina.

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