Indonesien: Behörden schliessen drei Kirchen

Indonesien galt bis vor wenigen Jahren noch als Musterbeispiel für ein Land, in dem der Islam liberal und das Zusammenleben der Religionen respektvoll und pragmatisch war. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Indonesien

Unter dem Einfluss radikaler, islamischer Prediger, die in arabischen Ländern geschult wurden, und arabischer Zuwanderung hat sich der indonesische Staat, in dessen Verfassung einst die „Pancasila“ festgeschrieben wurde, verändert. Die Pancasila als Staatsdoktrin sagt in Kürze: der indonesische Staat gilt als „Einheit in Diversität“. Ethnischer und religiöser Diversität vor allem. Dieses Prinzip wird nun seit Jahren schrittweise in verschiedenen Regionen Indonesiens abgeschafft. Christen und andere von der sunnitischen Mehrheit als „Nichtmuslime“ angesehene Religionsgemeinschaften erleiden juristische Diskriminierung, Vertreibung und brutale Gewalt. Vor allem die christlichen Kirchen und die Ahmadiya-Gemeinschaft sind davon betroffen.

Bisher hatten sich „offizielle“, staatliche Behörden immer aus dieser Entwicklung herausgehalten und „ihre Hände in Unschuld“ gewaschen. Aber ein Dammbruch war der Fall der Yasmin-Kirche von Bogor, wo sich ein lokaler Amtsträger (der Ortsbürgermeister Dani Budiarto, ein Muslim) offen gegen einen höchstrichterlichen Entscheid der Gerichte Indonesiens stellt, indem er einer Gemeinde ihr Grundstück vorenthält, und damit durchkommt ! Er hätte längst schon seines Amtes enthoben werden müssen, aber durch die Unterstützung, die er noch innerhalb seiner eigenen Partei besitzt und die Rückendeckung, die er von radikalislamischen Gruppen erhält, kann er sich dem Nachtwächterstaat Indonesien widersetzen.

Dieser Dammbruch in Sachen „einvernehmliches Zusammenleben“ und Rechtsstaatsprinzip im Land hat Konsequenzen. Eine davon müssen wir heute hier berichten: in der mehrheitlich von Muslimen bewohnten Provinz Aceh wurden kürzlich drei Kirchen von den lokalen Behörden geschlossen. Aceh ist die einzige, indonesische Provinz, in der bereits das islamische Recht, die Scharia, offiziell neben den Landesgesetzen in Kraft ist. Jedoch hatte es bis vor kurzem keinerlei interreligiöse Konflikte gegeben. Eines der drei betroffenen Gotteshäuser, eine katholische Kapelle in Sapagaluh, bestand bereits seit 1974 und nach Berichten aus dem Land gab es bislang niemals irgendwelche Konflikte um dieses oder eines der beiden anderen, nun geschlossenen, Gotteshäuser.

Aber einer wachsenden, intoleranten, islamischen Bewegung in der Provinz sind alle Gebetsstätten anderer Glaubensrichtungen ein Dorn im Auge. Unter diesen Gruppen befindet sich beispielsweise das „Singkil Muslim Forum“, das sich den Kampf gegen die „Verbreitung“ christlicher Kirchen auf die Fahnen geschrieben hat. Sie kämpfen damit gegen ein erst im Jahre 2001 erreichtes Abkommen der lokalen Relgionsführer, die den christlichen Gemeinschaften bis zu 27 Gebetsstätten zugestanden hatte. Nun haben das Muslim-Forum und andere Gruppen die örtlichen Regierungsvertreter der Singkil – Region so lange unter Druck gesetzt, bis diese nachgaben und symbolisch die zwei katholischen und die eine protestantische Kirche unter dem Vorwand der „fehlenden Baugenehmigung“ versiegelten.

BITTE BETEN SIE FÜR EINE RÜCKKEHR DER RELIGIONSFREIHEIT IN INDONESIEN. BEDFORD-STROHM, ÜBERNEHMEN SIE !

(Quelle: „asia news.it“ vom 07. Mai 2012)

update:
Die Aktivitäten der radikalen Muslime gegen Kirchen und christliche Gebetsstätten gehen weiter. In der zentraljavanischen Provinz Yogjakarta wurden am Sonntag, den 06. Mai 2012, katholische Gläubige daran gehindert, den Schrein der „Maria von Sengon Kerep“ zu besuchen. Ein fanatischer Mob blockierte die Zugänge zu der beliebten Kultstätte. Nur ein Großeinsatz von Polizei und Armee konnte den Katholiken, die dort beten wollten, den Zugang zum Schrein verschaffen.

(Quelle: „asia news.it“ vom 08. Mai 2012)

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