Kommentar: Wider die Leisetreterei und den Kleinmut !

Fragen wir uns einmal: Ist Christus für uns gestorben, damit wir kleinmütig sind ? Hat er das letzte Opfer für die Menschheit gebracht, damit seine Anhänger und Nachfolger schön leise und passiv sind ?

Stift zu Kommentaren.

Kommentar

Wer diese Frage mit einem deutlichen und selbstüberzeugten „JA“ beantwortet, kann diesen Beitrag ab …. HIER beenden. Bitte lesen Sie nicht weiter, Sie verstehen sicher ohnehin nicht, von welchen persönlichen Erfahrungen ich Ihnen hier berichten möchte, liebe Leser.  Denn meine berüchtigten „Worte zum Sonntag“, die leider zu den am wenigsten gelesenen Beiträgen hier im Blog gehören (ja, ich kann die Statistiken lesen !), werden so sicher kommen wie das „Amen“ im Gotteshaus Ihrer Wahl. Dessen können Sie sicher sein.

In letzter Zeit bekomme ich öfter so kleine Hinweise, dass Verfolgung uns ja prophezeit ist und wohl bis zum Tage der Rückkehr Christi als Pantokrator (Weltenrichter) auch leider erhalten bleiben wird. Dies kann und will ich gar nicht erst bestreiten. Und dies nicht nur, weil ich mich ganz sicher nicht zu den erfahrensten oder allerbelesensten Theologen zählen kann, sondern auch weil ich es als richtig erkannt habe. Nur die Häufigkeit dieser Hinweise, die ich per mail, im persönlichen Gespräch oder auch als Kommentar erhalte, hat mich nachdenklich gemacht. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hinter diesen „gutgemeinten“ Hinweisen noch etwas anderes steckt.

Dieses Logo benutze ich seit diesem Jahr.Denn wenn man Christenverfolgung (Diskriminierung, Gewalt, Vertreibung und Mord) als „gegeben“ ansieht, kann das als willkommene Ausrede dafür herhalten, die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun. Dem schlechten Gewissen derer, die um die Verfolgungen wissen und keinen Finger rühren, wäre  durch die „Permanenz“ der Verfolgung sozusagen „Dispens erteilt“. Und genauso geht es in vielen Gemeinden, Kirchenbünden und Leitungsgremien auch zu. Da wir ja „immer“ Verfolgung erleiden werden, müssen wir uns erst gar nicht mit dem Einzelfall, so traurig er auch sein mag, auseinandersetzten; so denkt man dort. Schweigen und sich mit Anderem befassen, so lautet wohl das Motto.

Damit wird das Engagement, werden die Opfer an Zeit, Geld, Blut, Schweiss und Tränen der Mitarbeiter von „open doors“, dem „HMK e. V.“,  des BGVK etc. relativiert, um nicht zu sagen, diminuiert. Für solch entmutigendes Gedankengut und derartige, selbstgerechte Ignoranz habe ich aber kein Verständnis.  Ebensowenig wie für die mir inoffiziell jüngst zugespielte Nachricht, dass Blogs wie meiner und der manch anderen, privaten „whistleblowers“ in Sachen Christenverfolgung, selbst von Evangelikalen und christlich-konservativen Kreisen in unserem Lande mit Argwohn betrachtet werden, da eine allzu offene Kritik beispielsweise an der islamischen Christenverfolgung nur „die falschen Leute anziehen“ würde, nämlich rassistische Rechtsextremisten.

Liebe Kirchen, liebe Bischöfe, Theologieprofessoren, Synodalen etc. , eines schreibt euch hinter die Löffel:  Wer immer in der Geschichte unseres Glaubens eine Veränderung, sprich: eine Verbesserung von Umständen hervorrufen wollte, musste anecken, provozieren und Aufsehen erregen. Bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt. Ein paar überzeugende Beispiele seien hier genannt.

  • Dr. Martin Luther hat den Glauben nicht auf die Schrift („sola scriptura“) zurückgeführt, weil er so still und andächtig in einem Kloster herumsaß und meditierte. Er hat nicht das weltweite Christentum in einen Umdenkungs- und Neudefinierungsprozess geführt, weil er seine Gedanken für sich behielt und eine unbesiegbare Angst vor den Autoritäten seiner Zeit hatte.
  • Der Apostel Paulus hat die „Gute Nachricht“ nicht in weiten Teilen des antiken Mittelmeerraumes verbreitet, weil er jede Kontroverse scheute und Angst hatte, den „falschen“ (gibt es die überhaupt ? Als Christen müssen wir uns allen Menschen zuwenden…) Menschen zu predigen oder im Gefängnis zu landen.
  • Und zu guter Letzt der „Anfänger und Beender unseres Glaubens“, der Herr Jesus Christus selbst, als er auf der Welt weilte. Seine Wirkung entfaltete sich nicht, weil er auf mythische Art und Weise per Gedankenübertragung anderen den Willen Gottes „aufzwang“, sondern weil er hinausging, redete und ganz gewaltig bei den Mächtigen seiner Zeit aneckte. Ob er die Händler aus dem Tempel peitschte oder über Jerusalem klagte: niemand, der etwas „auf sich hielt“, hörte seine Botschaft gerne.

Anders gesagt: Dr. Martin Luther, der Apostel Paulus und das „Alpha und Omega“ unseres Glaubens, der Herr Jesus Christus selbst, waren „Provokateure“, eckten an und regten ihre Umwelt, ihre Zeitgenossen auf. Sie erschütterten eingefahrene Gedanken und träge Bequemlichkeiten ihrer Mitmenschen. Und nur dem Reformator Luther dürfen wir zu Gute halten, dass er sich der Tragweite seiner Initiative und seiner Gedanken anfänglich nicht bewusst war und seine Wirkung nicht vorhersah. Sowohl der Apostel als auch unser Erlöser hingegen wussten sehr gut, was sie taten und taten somit willentlich und wissentlich den Willen des Vaters im Himmel. Keiner von ihnen war ein Leisetreter oder mutloser Relativierer. Sie hatten Mut und festes Gottvertrauen. Können die Kirchenfunktionäre und christlichen Bedenkenträger unserer Tage das auch von sich sagen ?
Unlängst prägte ein lieber Bruder in Christus hier in diesem Zusammenhang das Wort von der „Konfliktvermeidungstheologie“, die in unseren Kirchen seit Jahrzehnten gepflegt werde. Es wird Zeit, diese zu überwinden, denke ich.

Was folgt daraus für uns ? Nein, nicht jede Provokation im sozialen oder geistlichen Bereich ist gottgewollt, das weiss ich sehr gut. Aber christliche (Basis-) Initiativen mit wohlwollenden Argumenten zu ersticken, um nur ja nicht „anzuecken“ oder mit den falschen Leuten assoziiert zu werden, entspricht nicht den maßgeblichen Vorbildern unseres Glaubens oder der Bibel. Christus begab sich oft und gern zu den „falschen Leuten“.  Ehebrecherinnen, Zolleintreiber und sonstige Verbrecher, Sünder, geistig und sozial Schwache waren sein Urpublikum und sie kümmerten ihn. Besinnen wir uns darauf, wenn wir mal wieder mitgeteilt bekommen, warum wir die Wahrheit „so nicht sagen dürfen“ oder sie irgendjemand „nicht predigen sollen“.

Gott segne Sie, liebe Leser und einen schönen Sonntag

Ihr Martin Clemens Kurz

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4 Gedanken zu “Kommentar: Wider die Leisetreterei und den Kleinmut !

  1. Bravo, lieber Martin, ganz aus meinem Herzen gesprochen.
    Getroffene werden nun ein „Haar in der Suppe“ suchen und manche von denen Ihnen vielleicht vorwerfen, sich hoffärtig mit dem anderen Martin verglichen zu haben.
    Der guten Sache wegen lassen Sie derartiges Gewäsch – das zudem noch mit dem Hinweis auf Luthers latenten Antisemitismus kontaminiert sein kann – bitte an sich abperlen.

    • Vielen Dank für die Ermutigung. Nur wenige trauen sich, solches noch deutlich zu sagen. Bin noch immer für positive Aufnahme der Worte dankbar.
      Und an die Kritikaster folgendes: Ich vergleiche mich nicht mit Dr. Luther ! Ich führe ihn nur als Beispiel an für einen der „hier stand und nicht anders konnte“ (auch wenn er dies wohl nie so gesagt hat). Eine Besinnung auf Luther, seine Schriften, seine Grundgedanken und seinen streitbaren Charakter, hätten viele Gemeinden und Kirchen dringend nötig. Seinen verbalen Antisemitismus (ich kann mich nicht erinnern, gelesen zu haben, dass er jemals einem anderen Menschen wirklich etwas angetan hätte) haben wir echten Christen schon lange überwunden und hinter uns gelassen, alles andere sollten wir jedoch sorgsam prüfen und notfalls wieder „in Kraft setzen“ in den Gemeinden.

  2. Na, wir brauchen da ja nur einmal die Stelle des Matthäusschen Weltgerichts in 25, 31 ff. anschauen. „Gefangen, und ihr seid zu mir (oder eben nicht) gekommen. Das sind die Kriterien, die den Weg des Himmels weisen. Jesus hat die Schriftgelehrten mächtig angegangen.

    Ja, Ihr Artikel, werter Blogbetreiber ist genau das Salz, was der Christenheit gut tun würde und viele christlichen Gemeinschaften eben nicht erkennen. Der gutmenschliche Einheitsbrei in diesen Gemeinschaften nach dem Motto: „Du bist mir gut, so bin ich auch Dir gut“ ist zwar notwendig, begrüßenswert und sollte nicht unterlassen werden; aber was tun Christen „da Besonderes“? Ich bin zwar Katholik, aber ich erkenne gleiche Vorgehensweise auch in unserer Kirche. Nur niemandem auf die Füße treten, bloß niemanden wach machen für Problematiken, für die Sie sich, werter Herr Kurz, so vehement und auch wahrlich christlich einsetzen. Ich denke, die Problematik ist leicht erkannt und der christliche Umgang mit dieser ist leicht zu händeln. Herbe, aber sachliche Kritik an Religionsideologien wie Islam und Hinduismus mit seinem Kastensystem in ihren ausgrenzenden Teilen und Ideologien wie Kommunismus, Sozialismus und Faschismus muss erlaubt sein, nein, er muss sogar geboten sein. Jedoch ist es nicht christlich, die dahinter stehenden Menschen, die diesen ideologien anhängen, zu diskriminieren und zu drangsalieren. Das würde der Liebe widersprechen. Die grausamen Menschen verachtende Ideologie ist in der Regel, wenn auch manches Mal nur punktuell, leicht zu entlarven durch Jesu Wort, dass wir falsche Propheten (auch Ideologen) an ihren Früchten erkennen werden.

    Im islam ergibt sich im Grunde die Schwierigkeit, das Charakteristikum des Gottesbildes des Islam und den Propheten persönlich sachlich zu kritisieren, da viele Muslime ihren Propheten und dessen Gott aus ganzem Herzen lieben. Da tun sich schon Schwierigkeiten auf und diese Kritik, auch wenn sie sachlich vorgetragen wird, kann Beleidigungsreaktionen bei Muslimen auslösen. Jedoch kann und darf ich, wenn ich die Ursache im islamisch überlieferten Verhalten dieses Propheten und in diesem heiligen Buch der Muslime als ursächlichen Irrweg für jede Menschenseele erkenne, schweigen?

    Das ist das Dilemma, was sich hier auftut und was auch im Grunde die Kirchenführer scheuen. Es wäre so einfach, Klarheiten auszudrücken. Mit Rücksicht auf Muslime, die aus welchen Gründen auch immer, diesen Menschen, gemeint ist der Prophet, so lieben, wie wir Jesus lieben, werden diese irrigen, weil ausgrenzenden Ansichten, die sein eigen waren, wenn überhaupt, so schwächlich vorgetragen.

    Wer den Islam und insbesondere seine Größen kritisiert, kann eine Welle der Brutalität auslösen. Soll deshalb jedoch die Wahrheit auf der Strecke bleiben?

    • Danke, Bazillus, für diese klaren und differenzierten Worte.
      Ein Problem unseres Glaubens ist es, dass die verschiedenen Konfessionen und Denominationen sich lieber im diskursiven Konflikt miteinander abarbeiten, anstatt die Lage in der „größeren Perspektive“ zu sehen. Wenn ich noch einmal höre, lese oder sehe, wie ein ansonsten seriöser, kirchlicher Leiter sozusagen „mit dem Finger auf die (hier bitte wahlweise „Katholiken“, „Protestanten“ oder „Orthodoxen“ einsetzen) zeigt“ dreht sich mir der Magen um. Während in Nigeria katholische und protestantische Kirchen zeitgleich brennen, diskutieren diese „Geistesgrößen“ ihr Verständnis von Dr. Luther oder der Jungfrau Maria. Ich vermute, Sie werden verstehen, was ich damit meine, wenn ich sage, dass wir uns über bestimmte Grundwahrheiten des Evangeliums doch völlig einig sind und im Kontext bestimmter, immer drängender werdender Probleme für das Christentum uns auf diese Schnittmengen konzentrieren sollten, ohne deshalb die Unterschiede in einer süsslich-klebrigen, wenig zielgerichteten „Ökumene“ aufzulösen.
      Das von Ihnen sehr präzise beschriebene Dilemma ist „liebt den Sünder, nicht die Sünde“, anders gesagt: als Christen sind wir den anderen, nach Gottes Ebenbild geschaffenen Wesen in Liebe verpflichtet, MÜSSEN aber der Sünde (Irrlehre, Antichrist etc.) eine eindeutige, unmissverständliche Absage erteilen. Nur erkenne ich den vermeintlichen „Spagat“ darin nicht. Klare Sprache, klare Beziehung zu Gott und klarer Bezug auf das Wort Gottes müssen ausreichend sein, um diesem eigenen Anspruch gerecht werden zu können. Dass die „Welt“ und die verweltlichten Kirchen (-leiter) uns nicht verstehen, damit leben wir entschiedenen, bibelorientierten Christen ja schon seit Jahrzehnten. Das war in den 60er Jahren so und hat sich bis heute nur verschlimmert, jedoch nicht in der Grundausrichtung unserer Gesellschaft verändert. Anders gesagt: echte Christen werden immer missverstanden, das gehört zum Glauben dazu. Wenn wir davor Angst haben, oder davor, mit den sog. „Rechtspopulisten“ in einen Topf geworfen zu werden, nur weil wir auch über die systemimmanente Christenverfolgung in den islamischen Staaten reden, dann werden wir dem Vorbild der großen Verkündiger und den Leitlinien des Evangeliums nicht gerecht. Offen gestanden: ich bin es fast schon gewohnt, ein „Reaktionär“ oder „Rechtsaussen“ genannt zu werden. Es tut noch etwas weh, wenn es von Mitchristen kommt, aber dennoch weiss ich, wer solche Dinge äußert, kennt weder mich, noch meine Motivation oder hat Lust sich damit auseinanderzusetzen. Da muss es ausreichen, wenn ich mein Gewissen und meine Motive erforsche und zulasse, dass Gott mich ganz erkennt und von Schuld und Sünde freispricht. Auf „Menschen zu vertrauen“ bringt da ohnehin nichts, wie wir Bibelleser ja wissen.

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