Kommentar: Was hat ein brennendes Buch mit Pastor Youcef zu tun ?

Nun, Koranverteilungen in Deutschland haben medial und politisch in den vergangenen Wochen für einiges Aufsehen gesorgt. Da kommt die Nachricht aus Florida, dass der berühmt-berüchtigte Pastor Terry Jones mal wieder ein paar dieser Druckwerke dem Feuer übergeben hat, auch nicht mehr sonderlich überraschend.

Terry Jones

Terry Jones

Eigentlich hatte mich weder die eine noch die andere Aktion sonderlich emotional berührt. Ob die bärtigen Ewig(vor-, vor-, vor-)gestrigen von der Salafisten-Truppe oder der mit geradezu selbstgerechter Freude von Zeit zu Zeit zündelnde pyromane Pastor Terry Jones vom Dove World outreach Center, beide haben mir bislang wenig Interesse oder gar Respekt abgenötigt. Aber von Freunden wurde ich auf die Relevanz des jüngsten „Kaminfeuers“ von Terry Jones für die Welt der verfolgten Christen aufmerksam gemacht. Denn der streitbare Gottesmann begründete seine vor wenigen Tagen ausgelebte pyromane Obsession jetzt mit dem Fall des iranischen Pastors Youcef Nadarkhani, dessen Schicksal allen Menschenrechtlern und gegen die Verfolgung einstehenden Christen nahegeht.

Nein, ich will und werde nicht in das allgemeine „Terry-Jones-Bashing“ einstimmen, das von der Weltweiten Evangelischen Allianz bis zur EKD jetzt allerorten einsetzt. Denn vor allem ist es ja die Untätigkeit der US-Regierung und der UN, die den Fall Nadarkhani nicht nachhaltig genug „pushen“, die Terry Jones auf die Barrikade brachte. DAS kann ich voll und ganz nachvollziehen. Die Halbherzigkeit, die Kirchen, Medien und Politiker im Umgang mit dem wegen „Abfalls vom Islam“ inhaftierten Pastor an den Tag legen, straft ihr sonstiges Engagement für Religionsfreiheit in der Welt Lügen. Dies kann frustrieren und wirkliche Gläubige an den Rand des Zorns bringen. Zumindest muss man die allgemeine Leisetreterei nicht verstehen, da der Iran als kommende Atommacht derzeit ohnehin gerade in der Kritik steht. Da könnte man mit etwas Einsatz für Behnam Irani, Farshid Fathi oder eben Youcef Nadarkhani auch kein zusätzliches Porzellan mehr zerschlagen, da es bereits zerstört ist.

Andererseits lässt mir Pastor Jones Fixierung auf den Islam und dessen Kernschrift, den Koran, auch gelegentlich den ein oder anderen kalten Schauer über den Rücken laufen. Wer immer nur wie ein Kaninchen auf die Schlange auf den Islam starrt und diesen als Teufelswerk brandmarkt, übersieht vielleicht viele andere Probleme, welche die uns von Gott anvertraute Welt und auch das Evangelium haben und die ebenso wichtig sind wie die geistliche Auseinandersetzung mit dem Islam. Ich persönlich will mir meine Agenda und meine Gebets- und sonstigen Pläne jedenfalls nicht von diesem Druckwerk voller Aufrufe zur Gewalt und religiösem Suprematismus vorschreiben lassen. Nicht einmal indirekt und sozusagen „spiegelverkehrt“. Da würde ich dem Koran und dessen fanatischen Lesern viel zu viel Macht über mein Leben geben. Macht, die einzig und allein Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist hat. Hier liegt meines Erachtens nach Pastor Jones Hauptproblem und nicht in der „mangelnden Toleranz“ o. ä. die ihm immer wieder vorgeworfen werden.

Und da wären wir auch schon wieder bei den Kritikern von Terry Jones und ihren Argumenten. Die voraussehbaren Proteste aus der islamischen Welt und die verletzten Gefühle der Muslime werden sogar von Vertretern der „World Evangelical Alliance“ als Gründe angeführt, warum diese krude Aktion von Terry Jones sinnlos oder gar kontraproduktiv sei. Das ist zwar ein überlegenswerter Gedanke, aber wenn es jedoch nach diesem Standard ginge, dürfte ich auch öffentlich nicht mehr bekennen, Christ zu sein, weil ich ja radikale „Dawkinsianer“ zu Protesten anregen könnte. England ist ja bekanntlich bereits soweit, christliche Symbole aus der Berufswelt und der Öffentlichkeit zu verbannen. Diesem Weg zu folgen hieße also, die Straße zum Untergrundchristentum, also zurück in die Katakomben zu ebnen. Wenn wir dies wollen, dann sollten wir provokative Christen nur immer schön öffentlich kritisieren und uns keinerlei Gedanken darüber machen, mit wem wir uns in diesem öffentlichen „Bashing“ alles sperrigen Gedankengutes gemein machen.  Für ihre Reaktionen auf bestimmte Fakten und Ereignisse sind Menschen immer noch selbst verantwortlich und nicht um jeden Preis derjenige, der ein Thema aufgreift, so wie es jetzt versucht wird, uns zu erklären.

Ob Jones nun mit Bücherverbrennungen, die in Deutschland aus sehr guten Gründen seit vielen Jahrzehnten verpönt sind, dem großen Dulder, Pastor Youcef Nadarkhani (eigentlich einem „Kollegen“) einen Gefallen getan hat, darf man dennoch getrost in Zweifel ziehen. Der Fall Nadarkhani wird jetzt in der ohnehin bereits für das Leid der Christen extrem unempfänglichen Medien- (und leider auch Kirchen- !!!) Landschaft der freien Welt auch noch mit Terry Jones und seinem „Pyro-Fimmel“ in Verbindung gebracht werden. Das wird Antipathien wecken und allen Menschenrechtlern und engagierten Christen die Arbeit noch weiter erschweren, auch wenn man ihm zu Gute halten muss, dass das eben nicht Terry Jones Absicht war. Dennoch: Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht, Pastor Jones !

Ich selbst habe bereits an mehreren Mahnwachen zu Gunsten des iranischen Dulders teilgenommen, habe Petitionen gezeichnet usw. Natürlich haben all diese Aktionen nicht annähernd die Aufmerksamkeit der Welt-Medien-Landschaft erregt, wie die jüngste Koranverbrennung durch Terry Jones. Aber nur, um den Medien ein (allerdings tatsächlich dringliches und wichtiges) Thema vor die Füsse zu werfen, muss man vermutlich nicht gleich einen Scheiterhaufen anzünden wie zu Zeiten der Hexenprozesse. Außerdem sind US-Bürger ja auch sonst meiner Erfahrung nach extrem phantasievoll, wenn es um das Protestieren, Aufmerksamkeit erregen und das Kontaktieren von diversen Medien geht.

Da soll Pastor Terry Jones und seiner kleinen Gemeinde tatsächlich nix besseres eingefallen sein, als „schon wieder“ einen Koran abzufackeln, wie sie es nach dem Schauprozess gegen den Koran im letzten Jahr getan haben ? Das erscheint mir doch kaum denkbar. Ich gestehe, dass ich zwar lieber ein Buch brennen sehe, als Menschen, wie dies in Nigeria derzeit des öfteren im Namen des brennenden Buches geschieht, aber am liebsten wäre es mir, keins von beidem registrieren zu müssen.

Soweit, so merkwürdig. Sowohl der schon „automatisch ablaufende Protest“ gegen Terry Jones, als auch die geradezu halsstarrige Phantasielosigkeit dieses Pastors erscheinen mir beide wenig glaubwürdig, wenn es um den Einsatz für die verfolgten Christen geht. Weder die übliche Leisetreterei („Pst, pst, nicht die Wut der islamischen Welt wecken…“) noch die geradezu erschreckend beratungsresistente „Bockigkeit“ des Pastors aus Gainesville, Florida scheinen mir dazu geeignet, den Nöten unserer Geschwister gerecht zu werden. Lassen wir uns doch etwas Besseres einfallen.

Artikel zu der Aktion von Terry Jones:

Ihr

Martin Clemens Kurz

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3 Gedanken zu “Kommentar: Was hat ein brennendes Buch mit Pastor Youcef zu tun ?

  1. Pingback: Was hat ein brennendes Buch mit Pastor Youcef zu tun? « kopten ohne grenzen

  2. Hallo!

    Ich sehe das ähnlich wie Du.
    Man könnte auch der Auffassung sein, egal was man macht, Hauptsache der Sache dienlich, aber da würde ich auch an das gute Buch von W. Plock erinnern; Gott ist nicht pragmatisch.

    Es ist ja nicht zweitrangig, welche „Methode“ (Weg) man wählt, um die Aufmerksamkeit (auch) auf eine notwendige Angelegenheit zu lenken.

    Zwar haben wir früher die esoterische Literatur auch den Flammen preisgegeben, als man zum Glauben kam, das hier soll aber doch medienwirksam sein und etwas mehr bewirken, als diabolische Zeilen der Vernichtung anheimzustellen.

    Wenn ich gefragt werde, was ich davon halte, sage ich allerdings auch, dass unzählige Bibeln verbrannt werden und wurden und dass das bislang niemand auf die Barrikaden brachte.

    • Danke für den Hinweis. Ja, mir ist ebenfalls durch den Kopf gegangen, was ein bekannter Islam-Analyst (ich glaube es war David Wood von „Acts 17“) mal gesagt hat: „Wer den Koran verbrennt, verbrennt Beweismittel.“ Eine freche, aber nicht ganz unzutreffende These, wenn ich nach Nigeria, Pakistan, Iran, Ägypten oder Saudi-Arabien gucke.
      Ansonsten volle Zustimmung: Der Zweck „heiligt“ eben nicht unter allen Umständen die Mittel. Wir wollen ja nicht ins „finstere Mittelalter“ mit Inquisition, Hexenverbrennungen, Ketzerprozessen etc. zurück.
      P.S.: Meine Eso-Literatur landete damals, nach der Bekehrung, einfach ungeprüft im Schredder. Vielleicht hätte ich auch ein Grillfest machen sollen ? 😉 Gottes Segen.

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