Erfahrungen: das schwierige Klima. Betrachtungen…

Sie erinnern sich, liebe Leser, ich hatte Sie um Ihre Erfahrungen, Ihre Eindrücke gebeten, was die Beschäftigung mit dem Thema Christenverfolgung angeht. 

Stift schreibt Linie vor gelbem Hintergrund.

Schreibaktion !

Bei den bisher eingegangenen „Blitzlichtern“ fallen ermutigende ebenso wie deprimierende Dinge auf, die Christen beobachtet haben. Ich werde nicht explizit die einzelnen Beiträge einstellen, aber auf verschiedene Punkte kurz eingehen, um auch Sie, liebe Leser, zu ermutigen, mir von Ihren Begegnungen mit den Kirchen in Not zu berichten und zum Dialog darüber aufzufordern.

Zunächst einmal hatte ich selbst mehrfach in Kommentaren darauf hingewiesen, dass es mittlerweile zum „Guten Ton“ in diversen deutschen Kirchengemeinden gehört, einmal im Jahr oder alle zwei bis drei Jahre einen Referenten von „open doors“ oder anderen Hilfsorganisationen einzuladen. Dieser Eindruck bestätigt sich aus Ihren Impressionen, die Sie mir aus den Gemeinden geschickt haben. Das Thema der Christen in Not spielt offensichtlich in vielen Gemeinden eine Rolle, wenn auch zumeist nur eine Nebenrolle. So schrieb mir ein eifriger Kommentator, den ich wie alle anderen zunächst einmal nicht namenlich nennen will:

Einmal im Jahr versichern wir uns unserer eigenen, bequemen Situation als Christen in Europa indem wir „open doors“ einladen, uns von der Not der Christen in weit entfernten Ländern zu erzählen. Wir fühlen uns dann zwar betroffen, aber auch zufrieden, dass es nicht uns betrifft.

Die Ambivalenz dieser Aussagen ist förmlich mit Händen zu greifen. Einerseits wollen wir innerchristliche Solidarität an den Tag legen, um unsere „Pflicht“ zu erfüllen. Andererseits hat die folgende Betroffenheit kaum dauerhafte Wirkung auf die Zuhörer und Kirchen, weil Gemeinden und Gemeindemitglieder mit vielen anderen, scheinbar wichtigeren Problemen befasst sind. Dies fasste ein anderer, sehr aufmerksamer Beobachter des Christentums in unserem Land so zusammen:

  Alles in allem leben wir in einer lauwarmen Christenheit, die sich nicht viel für andere interessiert, das ist mein Eindruck. Man ist dankbar, nicht verfolgt zu werden, will aber auch nicht viel dazu beitragen, dass sich das ändert. Eine Konfliktvermeidungstheologie nenne ich das. Konsequent zu Ende gedacht sind die Verfolgten vielleicht sogar selber schuld…

Autsch. „Lauwarme Konfliktvermeidungstheologie“. Exzellent formuliert und auch nach meinen Erfahrungen nicht falsch, wobei der Autor sich, das weiss ich von ihm, natürlich keinesfalls eine stärkere Verfolgung wünscht, aber ein stärkeres Bekenntnis der Christen, das zu Konflikten unweigerlich führen wird. Vor allem der letzte Satz des Zitats sollte uns zu denken geben, da hier zum ersten Mal ein Gedanke laut ausgesprochen wird, der viele, diesem Thema gegenüber ignorante Christen sicher bewusst oder unbewusst bewegt: „Wenn die Christen in Ägypten (oder anderswo, Beispiel willkürlich gewählt) verfolgt werden, dann sollen sie halt Muslime werden oder zumindest die Klappe halten, damit es nicht noch schlimmer kommt.“ Ich gebe zu, dass mir diese Sicht der Dinge völlig fremd ist und ich deshalb noch nie in Erwägung gezogen habe, die vielen, an der Verfolgung desinteressierten Christen vor dem Hintergrund dieser Herzenskälte zu betrachten.

Es stellte sich nämlich, falls tatsächlich solche Gedanken in unseren Kirchen umgingen (und ich fürchte, das tun sie) die Frage, ob diejenigen, die so denken und argumentieren, wirklich im Glauben gefestigt sind und das Evangelium und das Wort Gottes auch nur rudimentär verstanden haben. Aber es gibt eben auch Gegenbeispiele von Gläubigen, die das Thema beobachten und nicht aus den Augen verlieren, wie dieser Kommentar bezeugt:

 Mit den verfolgten Christen setze ich mich schon länger auseinander. Nicht so konsequent wie andere, aber zeitweilig etwas mehr.
Vor längerer Zeit schrieb ich ja hier einmal, dass wir einen Glaubensbruder haben, der ein Missionswerk hat und neuerdings regelmäßig nach Pakistan reist.
Der berichtet natürlich dann davon und er hat viel erlebt.
Für Yuocef Nardakhani bete ich seitdem ich das weiß.

Und zu mehr als Gebet habe ich bislang ja auch selten aufgerufen. Im Gebet zeigt sich unsere Herzenshaltung, was uns wichtig ist und was nicht. Ich möchte mich deshalb noch einmal an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Mitbetern bedanken, die auch die in diesem Blog publizierten Gebetsaufrufe nutzen, um unseren Schöpfer um Beistand für Christen in Not zu bitten. Alle, die z. Bsp. unablässig für Bruder Youcef Nadarkhani im Iran beten, haben meines Erachtens dazu beigetragen, dass er sich standhaft zeigt und unter dem Druck seiner Befrager nicht zusammenbricht. Gott sendet ihm Frieden unter schwerstem Druck und üblen Anfechtungen.

Wer sich jedoch über die anhaltende Christenverfolgung informiert und sich Gedanken über deren Ursachen, in geistlicher wie materieller Hinsicht, macht, der kommt irgendwann an einen Punkt, an dem er Konsequenzen für seinen Alltag, auch für den Glaubensalltag, ziehen will. Das wird aus folgender Zuschrift deutlich:

  Auch steigt das Bewusstsein für Verfolgung, je mehr wir hier mit dem Islam konfrontiert werden. Langsam aber sicher gilt es, Farbe bzw. Jesus Christus zu bekennen. Einige verstehen das und mein Gefühl ist, es geht in die richtige Richtung.

Ein gutes, verbindliches Fazit, wie ich finde, deshalb endet mein erster Bericht von IHREN Erfahrungen hier. Wenn Sie selbst etwas über Ihre Erfahrungen zur Diskussion gestellt sehen mögen, dann mailen Sie bitte an stefanus1@gmx.de . Wenn Sie diesen Beitrag kommentieren und damit einen Dialog anregen möchten, dann wissen Sie, was zu tun ist, :-).

Ihr

Martin Clemens Kurz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s