Indien: Straßenevangelisten verhaftet

Eigentlich ist die Meldung, die dem nun folgenden Artikel zugrunde liegt, eher eine Bagatelle im Bereich der Benachteiligung und Diskriminierung von Christen weltweit. Aber da ich in ihr eine „Menetekel-„Qualität erkenne, möchte ich dennoch kurz auf diese Angelegenheit eingehen.

Karte von Indien

Indien

Liebe Leser, dass es in Indien kein „Zuckerschlecken“ ist, unseren Glauben zu leben oder gar auch noch evangelistisch und publizistisch tätig zu sein, ist wohl mittlerweile unter den „wachen und interessierten“ Christen zum Allgemeingut geworden. Angriffe auf christliche Versammlungen, auf Pastoren und Kirchen sind in verschiedenen Bundesstaaten des gewaltigen Subkontinents beinahe schon an der Tagesordnung und ich kann gar nicht soviele Artikel verfassen, wie es schändliche Verbrechen gegen die Menschenrechte und vor allem die freie Religionsausübung dort gibt.

Was aber auffällt, ist, ähnlich wie im benachbarten Pakistan, eine gewisse Lustlosigkeit der indischen Behörden, solchen Straftaten nachzugehen. Stattdessen macht sich die mehrheitlich hinduistische Gesellschaft Indiens eher Sorgen darüber, ob wohl Christen „Zwangsbekehrungen“ und „-taufen“ durchführen würden (was natürlich Unsinn ist, da die Bekehrung immer eine individuelle Entscheidung ist und die Zeiten der kolonialistischen „Revolver-Evangelisationen“ lange vorüber sind). Aber auch die gesetzliche Regelungswut, die in Indien ebenso um sich greift wie hier in Europa, macht das Teilen des Evangeliums nach den Anweisungen Christi aus dem Missionsbefehl (Matthäus 28, 19+20) oftmals mehr als kompliziert. Diese Haltungen führen zu absurden Situationen, die sonst eigentlich nur aus islamischen Ländern bekannt waren.

So wurden unlängst zwei Christen, die auf dem Marktplatz von Bandipura (Bundesstaat „Jammu und Kaschmir“) Flugblätter mir christlichem Inhalt verteilten, verhaftet. Den von ihren Mitbürgern aus lauter bitterer Ablehnung des Evangeliums daraufhin veranstalteten Aufruhr nutzte die Polizei nicht etwa dafür, die Randalierer und mit Gewalt gegen die Evangelisten drohenden Scharfmacher, sondern stattdessen die Christen zu verhaften.  Anklagepunkt ? „Aufruf zum Hass“ nach Art. 153a des indischen Strafgesetzbuches (der die strafrechtliche Verfolgung von Personen vorsieht, die Feindseligkeiten zwischen verschiedenen Gruppen wegen Religion, Rasse, Herkunft oder Wohnort provozieren). Die fraglichen Traktate wurden ebenfalls von der Polizei einkassiert, die beiden Inhaftierten

Das „Global Council of Indian Christians“ (GCIC), das in den vergangenen Jahren immer wieder die diversen Verletzungen der verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit Indiens anprangerte und öffentlich machte, hat auch in diesem Fall erklärt, dass die Handlungen der Sicherheitsorgane „verfassungswidrig und unrechtmäßig“ seien. Deshalb hat der GCIC auch die sofortige Freilassung der Evangelisten gefordert.

Hier mein persönlicher Eindruck, den ich mit Ihnen, liebe Leser teilen möchte, schon bevor es in die „Kommentar“-Rubrik geht: ein derartiges Rechtsverständnis schleicht sich auch in die Rechtsprechung Europas und der beiden Amerikas immer mehr ein. Nicht mehr die Menschenrechte oder die tatsächliche, strafrechtliche Relevanz von Äußerungen der persönlichen Überzeugung (sei sie religiös, politisch oder in irgendeiner anderen Art und Weise weltanschaulich) scheint für die Justiz relevant zu sein, sondern nur noch das Abwägen, ob sich irgendeine soziale Gruppe dadurch angegriffen fühlen und/oder möglicherweise zu gewaltsamen Protesten herausgefordert sehen könnte. Was bedeutet das für die Christen, für Missionare und Evangelisten, nicht nur in Indien ?

Alle Äußerungen unseres Glaubens, seien es Wallfahrten, Straßenevangelisationen (nie Mt. 28, 19 vergessen !), Prozessionen an Feiertagen, Kirchengeläut, Gespräche am Arbeitsplatz, ein Kreuzanhänger ein einer Halskette, ein Bibel, die man in öffentlichen Verkehrsmitteln liest, ein „worship-festival“ etc. können langsam aber sicher nach diesen Kriterien als Provokation angesehen werden (nein, ich rede noch nicht von „Aufruf zum Hass“ wie die indische Polizei). Es wird sich ganz sicher immer eine gesellschaftliche Gruppe finden, die sich durch solche Dinge herausgefordert, ja „provoziert“ sieht und staatliche „Gegenmaßnahmen“ fordern wird. Wohin das führen kann, sehen wir ja bereits  in Großbritannien, wo praktisch jeder offen bekennende Christ im entsprechenden Alltagskontext bereits eine Zielscheibe auf der Stirn trägt.

Homosexuellen-Vereinigungen, Atheisten-Clubs, Islamverbände u. a. werden immer Gelegenheiten suchen, uns Christen herauszufordern und den Einfluss des Evangeliums auf die gesellschaftlich bindenden Normen zurückzudrängen, zu negieren und durch eigene Wertvorstellungen abzulösen, falls vorhanden. Regelungen wie dieser Paragraph 153a in Indien oder ähnliche Vorschriften, die den gesellschaftlichen „Frieden“ per Gesetz herbeizwingen wollen, könnten dann im Umkehrschluss auch zu Knebeln der freien Meinungsäußerung und zu Knüppeln in der Hand der Christenverfolger werden. NICHT NUR IN WEIT ENTFERNTEN LÄNDERN !

BITTE BETEN SIE FÜR DIE FREIHEIT DES EVANGELIUMS IN ZENTRAL- UND SÜDOSTASIEN. DORT WIRD MIT „LEGALEN“ MITTELN IMMER MEHR VERSUCHT, DIE GUTE NACHRICHT VON DER ERLÖSUNG DURCH CHRISTUS AN DER AUSBREITUNG ZU HINDERN.

(Quelle: „fidesdienst“ vom 20. April 2012)

Advertisements

Ein Gedanke zu “Indien: Straßenevangelisten verhaftet

  1. Pingback: Bibel, Fahrrad und One-Way-Ticket « kopten ohne grenzen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s