Sudan: inmitten massiver Kriegsdrohungen aus Khartoum haben Christen Angst

Am 09. Juli 2011 trennten sich der islamische Norden und der christlich-animistische Süden des Sudan friedlich nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg. Aber einige Themen blieben bislang ungeklärt und seit Monaten versucht nun die Regierung in Khartoum, Fakten zu schaffen.

Liebe Leser, an dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich die Angriffe der Luftwaffe des Nordsudan auf die Nuba-Berge und die Region des sog. „Heglig“-Ölfeldes bislang hier nicht aufgegriffen habe, da es sich dabei weitgehend um einen politischen oder zumindest wirtschaftlich motivierten Konflikt zu handeln schien. Politik ist nicht das Thema dieses Blogs und selbst wenn bestimmte Schnittmengen bei vielen Themen offensichtlich sind, habe ich immer versucht, die politischen und die geistlichen Dimensionen bewusst auszudifferenzieren, wenn ich über die Situation von Christen in bestimmten Ländern schrieb.

Nun werde ich möglicherweise gegen diese „goldene Regel“ verstossen, wenn ich versuche, den andauernden Konflikt zwischen den „beiden Sudans“ zu beschreiben. Fakt ist folgendes: seit Monaten greift die Luftwaffe des Nordens Ziele in der umstrittenen Grenzregion zwischen beiden Staaten an, um sich dadurch Gebietsvorteile zu verschaffen und seinen Anspruch auf bestimmte, vorrangig rohstoffreiche, Gebiete zu unterstreichen. Dabei wurden auch christliche Schulen, Flüchtlingslager u. ä. „soft targets“ getroffen. Wer erinnert sich nicht an den bekannten US-Schauspieler George Clooney, der sich selbst in der umstrittenen Region aufhielt und unter Raketenbeschuss geriet. Wenige Tage später protestierte er dann in Washington gegen die Regierung in Khartoum und ihre Handlungsweise. Dabei wurde er sogar kurzzeitig festgenommen. So wurde kurzfristig etwas „Licht der Weltöffentlichkeit“ auf die Vorgänge zwischen den „beiden Sudans“ geworfen. (Beispiele: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/anti-sudan-protest-george-clooney-festgenommen-11687727.html und auch http://www.bild.de/politik/ausland/george-clooney/kaempfe-im-sudan-clooney-entkommt-luftangriff-23163448.bild.html)

Die Tatsache, dass Christen im Nordsudan von Seiten der Regierung vorgeschrieben wurde, sich in den Südsudan oder anderswohin zu begeben, habe ich ebenfalls bislang nicht thematisiert. Die Ultimaten sind bereits herausgegangen und abgelaufen. Offensichtlich strebt Khartoum eine „religiöse Reinigung“ (religious cleansing) ihres Landes an. Sie verstehen die Trennung beider Staaten tatsächlich als religiöse Separation, die nun konsequent in die Tat umgesetzt werden soll.

Heute habe ich dann zwei sehr besorgniserregende Nachrichten gelesen: Zum Ersten hat das Parlament in Khartoum den Südsudan offiziell zum „Feindesland“ erklärt. Zwar darf nach der Verfassung nur der Präsident tatsächlich einen Krieg erklären, aber die Absicht liegt auf der Hand. (Wen erinnert das nicht an Ägypten, wo die Parlamentarier auch ein Land, nämlich Israel, zum ersten Feind der Nation erklärt haben ? Oder Tunesien, wo das Parlament auch nix besseres zu tun hatte, als zu erklären, dass das Land „niemals“ normale Beziehungen zu Israel haben will ?) Eine ganz offizielle Militärintervention in den südlichen Nachbarn scheint bevorzustehen, da Sprecher bereits ankündigten, die Truppen des Südsudan im Heglig „heraustreiben“ zu wollen und ebenso „tief in den Süden vordringen“ zu wollen. Die Regierung des Südsudan solle so abgesetzt werden und der Nordsudan werde „alle Ressourcen“ dafür einsetzen, bis dies erreicht sei, so Parlamentspräsident Ahmed Ibrahim al-Taher. Eine bedrohliche Rhetorik, der in den vergangenen Wochen auch massive Angriffe vor allem aus der Luft vorausgingen. Die Truppen des Südsudan besetzten das Heglig-Ölfeld, nachdem der Nordsudan in die sog. „Abyei“-Region mit Truppen vorgedrungen war. Eine simple „wie du mir – so ich dir“ Logik, die vom Süden mit Taten und vom Norden mit Raketen und Drohungen, inzwischen auch von Nordsudans Präsident Bashir („Wir werden nicht im Heglig haltmachen !“), angeheizt wird.

Die zweite Nachricht betrifft letztlich die Christen in beiden „Sudans“. Den Geschwistern im Norden wurde bereits kurz nach der Trennung beider Staaten ihre Staatsbürgerschaft aberkannt und ihnen bis zum 08. April 2012 Zeit gegeben,  ihre Papiere zu ordnen und auszureisen. Nun ist diese Frist abgelaufen und die Christen des Nordsudan leben nun als „Ausländer“ illegal in ihrer Heimat. De facto sind sie sogar staatenlos, da der Südsudan bislang keine eigenen Personalpapiere herausgibt, auf die Christen aus dem Norden Anspruch erheben könnten. Sie haben auch keine Arbeitserlaubnis mehr und können so im Norden legal kein Geld mehr verdienen. Viele von ihnen vegetieren in und um Khartoum herum, weil ihnen die Mittel zur Ausreise in den Süden fehlen.

So haben also die ungeklärten Fragen von Staatsangehörigkeit, der Gleichsetzung von religiöser und staatlicher Identität, der Besitzrechte von ökonomisch wertvollen Regionen an der Grenze und der Durchleitung von geförderten Bodenschätzen einen Boden für die Drohungen aus Khartoum gelegt. Die mit der Teilung des Landes beabsichtigte, dauerhafte Befriedung der Region ist jedenfalls nicht eingetreten, ganz im Gegenteil: momentan sieht es nach einem Angriff der Truppen Nordsudans auf den Süden aus.

Patrick Sookhdeo von der christlichen Hilfsorganisation „Barnabas Fund“ sagte folgendes dazu:

Eine Rückkehr in den Kriegszustand wäre tragisch, besonders für die Christen in beiden Territorien, die während des langen Bürgerkrieges besondere Ziele von Khartoums Aggression waren. Christen im Sudan leiden bereits jetzt massiv als Resultat der ungeklärten Spannungen zwischen beiden Ländern. Viele sind obdachlos und befinden sich in großer Not. Die humanitäre Situation wird sich nur noch verschlimmern, wenn sich der aktuelle Konflikt intensiviert.

BITTE BETEN SIE DOCH AUCH FÜR DIE LAGE AN DER GRENZE „BEIDER SUDANS“, DAMIT EIN OFFENER KONFLIKT NICHT AUSBRICHT. BITTEN SIE DEN VATER IM HIMMEL AUCH UM VERSORGUNG UND SICHTBAREN SEGEN FÜR DIE ENTWURZELTEN CHRISTEN DES SUDANESISCHEN NORDENS.

(Quellen: diverse, darunter „worthy news“, fidesdienst, barnabas fund und vor allem „assist news service“ vom 16. April 2012)

UPDATE:
Am 19. April 2012 hat der Nordsudanesische Präsident Omar Al Bashir, übrigens ein Mann, der mit internationalem Haftbefehl wegen diverser Kriegsverbrechen im Darfur-Konflikt gesucht wird, dem Südsudan offiziell den Krieg erklärt. Ziel sei es, die Regierung in Juba zu entmachten. Den Resolutionen der Parlamentes hat Al Bashir also entsprochen.
(Quelle: „Ya Libnan“ vom 19. April 2012)

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