Deutschland/Wehret den Anfängen: Gleichsetzung von Evangelikalen und Salafisten im „Wort zum Sonntag“.

Wir sind vieles gewohnt vom „Wort zum Sonntag“. Da kann schon mal ein evangelischer Pfarrer die kulturelle Gleichartigkeit von nahöstlicher und europäischer Kultur postulieren, da darf ein katholischer Mönch seine sehr privaten, aber für uns Zuschauer dennoch unwichtigen, Einsichten präsentieren etc. Und politisiert wird ohnehin immer reichlich. Hm.

Stift zu Kommentaren.

Kommentar

Ich gebe zu, dass ich selbst das „Wort zum Sonntag“ in der ARD am Samstagabend seit Jahren mehr oder minder absichtlich ausblende. Die Belanglosigkeiten, die dort in geistlicher Hinsicht in komprimierter Form abgesondert werden, sind mir persönlich die Zeit nicht mehr wert, um sie bewusst wahrzunehmen. Ich verstehe aber, wenn jemand das ganz anders sieht und gerne vor dem spätabendlichen Boxkampf oder Spielfilm noch einmal ein paar nachdenkliche und geistliche Gedanken präsentiert bekommen mag. Dafür ist das WzS da und das darf man als GEZ-Gebührenzahler gerne in Anspruch nehmen.

Was nun aber, möglicherweise sogar in guter Absicht, dem katholischen Geistlichen Wolfgang Beck da am 14. April 2012 herausgerutscht ist, finde ich, vorsichtig ausgedrückt, doch schon mehr als grenzwertig.  Na klar, die Republik hat in den letzten Tagen über die Koranverteile der Salafisten gerätselt, gemutmasst und gequatscht. Da durfte wohl auch das WzS nicht fehlen, obwohl ich persönlich eher der Meinung bin, dass man diese Radikalen lieber totschweigen sollte, da wir ja auch nicht über jeden NPD-Infostand in unserer Republik solch ein Aufhebens machen.

Aber diese Gruppierung, die Kirchenverbrennungen in Ägypten und Nigeria gutheisst und den Staat Israel sowie seine Bewohner abgrundtief hasst, mit evangelikalen Christen und den zwar umstrittenen, aber nicht verfassungswidrigen, katholischen Pius-Brüdern zu vergleichen sprengt den Rahmen des Erträglichen gewaltig. Was wurde wörtlich gesagt ?

 Egal, ob Piusbrüder, ob evangelikale Gruppierungen oder muslimische Salafisten, denen wir in diesen Wochen in den Fußgängerzonen begegnen können: Sie alle haben mehr gemeinsam, als ihnen wahrscheinlich lieb ist. Vor allem dieses Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit. Alle Kraft wird da hinein gesetzt, dass das Leben völlig übereinstimmt mit dem, was gepredigt wird. Das beeindruckt mich manchmal, und daneben sehe ich mit meinen Kompromissen meist recht schwach aus.

Nun, das Gutgemeinte ist oftmals der Feind des Guten, lieber Herr Wolfgang Beck, und hier ist mal Ende mit dem Spass. An dieser Stelle „oute“ ich mich mal für meine Leser: Ja, ich gestehe, nach meiner Bekehrung mich einige Zeit lang in evangelikalen Kreisen bewegt zu haben und bereue dies nicht. Immerhin habe ich in all den Jahren dort niemanden getroffen, der das Steinigen von Ehebrecherinnen, die Todesstrafe für „Apostaten“ oder die „Auslöschung“ des Staates Israel befürwortet hätte. Soviel zum Salafisten-Vergleich, Herr Beck. Dieser trifft nicht und ist nicht einmal witzig; das sage ich sehr wohl in dem Bewusstsein, dass mir Bösgesinnte jetzt Humorlosigkeit vorwerfen werden. Und über die Pius-Brüder enthalte ich mich jeden Kommentars, da mir deren Motivateion und Gedankengut nicht geläufig genug sind, um fundierte Aussagen über sie zu machen.

Generell sehe ich hier eine gefährliche Gleichmacherei am Werk, die notwendigen Differenzierungen den Boden entziehen will. Immerhin hat die Deutsche Evangelische Allianz, der organisatorische Zusammenschluss evangelikaler Christen und Gemeinden aus Landes- und Freikirchen, sich ebenfalls deutlich gegen diese Gleichsetzung verwahrt. Deren Generalsekretär Hartmut Steeb hat in einer offiziellen Programmbeschwerde an den NDR-Intendanten Lutz Marmor mittlerweile auch seiner Sicht der Dinge Ausdruck verliehen. „Idea.de“ schreibt dazu:

  Auch wenn Beck besonders das „Bemühen um größtmögliche Eindeutigkeit“ hervorgehoben habe, werde in seinem Beitrag so getan, als ob es „eine objektiv nicht vorhandene Gemeinsamkeit“ geben würde…
Nach den für den NDR geltenden journalistisch-ethischen Grundsätzen dürfte es sicherlich nicht zulässig sein, dass alleine wegen dem ‚Tun, was man sagt‘ freiheitsliebende und freiheitszerstörende Menschen, Verfassungsfreunde und Verfassungsfeinde, miteinander in einem Atemzug zu nennen…

Und weiter:

„Während für die Salafisten zu Recht die Beobachtung durch den Verfassungsschutz ansteht, stehen wir als sogenannte evangelikale Gruppierung ohne Wenn und Aber zu unserer Verfassung und der sie tragenden Werte, wie zum Beispiel der Freiheit der Religionsausübung.“ Der Fortgang des Vortrags suggeriere zudem, so die Allianz, dass es sich bei diesen drei Gruppierungen um solche Fundamentalisten handele, die „in der Regel“ keine Fragen zuließen. Auch dies könne man nur als unzutreffend zurückweisen.

Auch der Vorsitzende der DEA, Präses Michael Diener, nannte diesen Vergleich wörtlich „stillos und demagogisch, weil sie in der Gesellschaft nachvollziehbare Ängste vor islamischem Extremismus ungebrochen auf Christinnen und Christen, die unter anderem in der Deutschen Evangelischen Allianz beheimatet sind“, übertrage. Meines Erachtens nach ein wahres Wort. Michael Diener fordert Wolfgang Beck dazu auf, sich öffentlich von seinen Äußerungen zu distanzieren.

Wie auch immer: Wer solch ein gefährliches Gedankengut mit sich herumträgt wie Herr Beck, sollte vielleicht nicht mehr im WzS auftreten oder gar sein eigenes Christsein kritisch hinterfragen. Wer ernstlich behauptet, bibelorientierte und entschiedene Christen wären mit Salafisten vergleichbar, der wird immer wieder meinen Widerspruch zu hören bekommen.

BITTE BETEN SIE DOCH MIT MIR FÜR EIN ENDE DER VERWELTLICHUNG UND GEISTLICHEN VERWÄSSERUNG UNSERER KIRCHEN. GANZ GLEICH OB KATHOLISCH, EVANGELISCH ODER ORTHODOX. WENN SCHON „GESCHWISTER“ SO ÜBER IHRE MITCHRISTEN DENKEN, DANN MÜSSEN WIR UNS ÜBER DEN ZUSTAND DER KIRCHEN IN DEUTSCHLAND NICHT WUNDERN.

(Quelle: „idea.de“ vom 16. April 2012)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s