Pakistan: Christin im Gefängnis – keine legale Basis

Pakistan ist ja aufgrund der Anzahl der Vorkommnisse, bei denen Christen benachteiligt, diskriminiert, körperlich angegangen, verleumdet und getötet werden, ohnehin kein guter Ort. Als ob es noch des Beweises bedurft hätte, dass auch die Rechtsstaatlichkeit dort nicht gegeben ist, hat „compass direct news“ die folgende Geschichte dokumentiert:

Pakistan

Die 26-jährige Shamim Bibi, 26, Mutter eines 6-monatigen Mädchens aus dem Distrikt Bahawalpur, wurde am 28. Februar 2012 unter Verdacht des Verstosses gegen Paragraph 295 des pakistanischen Strafrechts in Polizeigewahrsam genommen. Dieser Paragraph, auch als „Blasphemieparagraph“ international berüchtigt und von Menschenrechtsgruppen immer wieder beklagt, wird im Land üblicherweise dazu gebraucht, um alle Nichtmuslime zu einzuschüchtern, zu diskriminieren und ihnen die üblichen Staatsbürgerrechte vorzuenthalten.

Dies geschieht im „Normalfall“ in der Form, dass ein beliebiger Arbeitskollege, Nachbar, Geschäftspartner oder sonstiger Bekannter den betroffenen Nichtmuslim (z. Bsp. Christen) der „Blasphemie“ bezichtigt. Also der Beleidigung des „Propheten“ Mohammed oder des islamischen Buches „Koran“. Wichtig hierbei ist nur, dass derjenige, der dieses „Verbrechen“ zur Anzeige bringt, Muslim sein muss. Wenn er dann noch eine Gruppe muslimischer „Zeugen“ für diese Tat rekrutieren kann, dann ist eine Haft für das Opfer ihres Komplottes praktisch garantiert. Unzählige Fälle von Nachbarschaftsstreitigkeiten, Besitz-Konflikte u. ä. wurden auf diese Art und Weise „bereinigt“, indem der beteiligte Nichtmuslim einfach als „Blasphemiker“ aus dem Weg geschafft wurde.

Soweit zur „Rechtspraxis“ in Pakistan, bitte verzeihen Sie mir die lange Vorrede, liebe Leser, aber jetzt komme ich auf den Fall der Shamim Bibi zurück. Im Verfahrensrecht Pakistans gibt es aber auch eine Vorschrift, nach der ein in Gewahrsam befindlicher Verdächtiger sich innerhalb von 14 Tagen einer konkreten Anklageschrift gegenüber sehen muss. Konkret: bis dahin müssen die polizeilichen Ermittlungen den Anfangsverdacht bestätigt haben, oder eben nicht, woraufhin der Verdächtige freizulassen ist. Im Falle der Shamim Bibi gilt aber scheinbar diese Regelung nicht, denn ihr konnte nichts Konkretes nachgewiesen werden, aber sie ist noch immer in Haft. Tja, sie hat wohl den „falschen“ Glauben, um als Staatsbürgerin behandelt zu werden.

Was wird ihr nun eigentlich vorgeworfen ? Sie soll „böse Anmerkungen“ über Muhammad gemacht haben, auch wenn in keinem offiziellen Dokument darauf eingegangen wird, was genau Shamim Bibi geäußert haben soll.   Mittlerweile hat sogar einer der zwei in der Anzeige genannten „Zeugen“ ihrer „Straftat“ namens Abdul Quayyum bestritten, die betreffenden Äußerungen gehört zu haben. Ebenso wird von Bekannten und Nachbarn bestritten, dass der andere in der Anzeige genannte Zeuge überhaupt in der Nähe des Hauses von Shamim und Bashir gewesen sein könne.  Der ganze „Fall“ Shamim Bibi basiert also auf Luft, wie auch ihr Ehemann, Bashir Masih, bekräftigt:

 Shamim ist in einen komplett grundlosen Fall verwickelt worden. Ich war bei ihr, als die fraglichen Dinge passiert sein sollen, nichts von alldem ist wirklich passiert. Die Muslime haben eine falsche Geschichte zusammengebastelt, obwohl bislang nicht klar ist, wer sie dazu angestiftet hat, diese Anschuldigungen zu äußern.

Nach einem Besuch im Gefängnis bei seiner Frau äußerte sich Bashir Masih wieder recht zuversichtlich. Seine Frau habe festes Gottvetrauen, dass sich die falschen Vorwürfe wieder in das auflösen würden, was sie in Wahrheit sind: heisse Luft. Nur vermisse seine Frau ihr Kind, sagte Bashir den Medien. Auch ihr Anwalt sei noch zuversichtlich, seine Mandantin bald wieder in Freiheit zu sehen. Ein Antrag auf Kautionsfreilassung, den ihr Anwalt Mabub Khan am 17. März 2012 gestellt hat, ist jedoch bislang noch nicht bearbeitet.

Wie aber auch immer die juristischen Verzögerungstaktiken und Winkelzüge sein mögen, die Hintergründe der ursprünglichen Anzeige bleiben spekulativ. Beobachter schätzen, dass es sich bei der Anzeige wegen angeblicher „Blasphemie“ um einen Racheakt von Verwandten Shamims handeln könne, die vor kurzem zum Islam übergetreten sind und auch Shamim dazu bringen wollten, es ihnen gleichzutun. Vier Tage nachdem diese unmissverständlich ihre Zugehörigkeit zum Leib Christi erklärt hatte, begann ihr Ärger mit dem Gesetz. Zufall ?

BITTE SCHLIESSEN SIE DOCH AUCH SHAMIM BIBI IN IHRE GEBETE MIT EIN, BITTEN SIE UNSEREN VATER IM HIMMEL UM DEREN FREILASSUNG UND RÜCKKEHR ZU IHREM BABY UND IHREM MANN.

(Quelle: „compass direct news“ vom 10. April 2012)

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