Meinung: Worte sind wichtig, Begriffe haben Macht.

Liebe Leser dieses Blogs, die schon etwas länger oder gar von Anfang an meine Artikel gelesen haben: Sicher ist Ihnen bereits aufgefallen, dass mir Begriffe wichtig sind. Worte haben Macht, sie prägen sich ins Gedächtnis ein und bekommen oftmals leider gar ein „Eigenleben“.

Kreuz mit Horizont.

das Kreuz

In mehreren Artikeln habe ich auf die Bedeutung von Begriffen im Ringen um die Aufmerksamkeit für die verfolgten Christen dieser Erde  hingewiesen. Wenn wir vor Phänomenen stehen, die es in dieser Form seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben hat, müssen wir z. Bsp. auf sehr alte Begriffe zurückgreifen, die inzwischen leider ihre Bedeutung sehr gewandelt haben. Erinnern Sie sich an meine Ausführungen zum Wort „Märtyrer“ ? Hier sind noch einmal die links zu drei Artikeln, in denen ich mich mit der Thematik befasst habe und deren Relevanz ich noch heute als gegeben ansehe.

Begriffe steuern Emotionen, wenn man sie im Kopf mit Bildern kombinieren kann. Emotionen sind aber sehr wichtig, wenn man viele Menschen für die verfolgten Christen mobilisieren will. Bei den bisherigen Mahnwachen für Youcef Nadarkhani oder auch beim Solidaritätsmarsch zum Gedenken an die ermordeten Kopten von Kairo war es unter den Anwesenden ein offenes Geheimnis, dass die Botschaft vom bedrohten Evangelium die breite Öffentlichkeit und selbst die Kirchen noch nicht wirklich erreicht hat. Emotional noch weniger als intellektuell. Wäre es anders, würden Tausende in ganz Deutschland zu Gunsten von Youcef Nadarkhani, Asia Bibi, Giti Hakimpour, Tohar Haydarow, Mehdi Foroutan oder Gao Zhisheng auf die Straße gehen.

Es stellt sich im Zusammenhang mit diesem bedauerlichen Zustand auch die Frage, ob wir die richtigen Begriffe haben. Bereits in einem der oben erwähnten Artikel habe ich ausgeführt, dass der Überbegriff  „Christenverfolgung“ kaum noch Assoziationen im Zuhörer weckt. Bestenfalls hat derjenige, dem der Begriff entgegentritt eben noch Bilder aus dem Film „Quo vadis“ im Kopf und hält die Märtyrerperiode unseres Glaubens für lange vorbei und abgeschlossen. Die Christen im Nordsudan, in Ägypten, China, Nordkorea, Laos und in vielen anderen Ländern dürften dies aber anders sehen. Und wenn wir diese Tatsache ignorieren, dann werden auch unsere Kinder und Enkel es aus eigener Erfahrung anders sehen.

Denn der Boden für antichristliche Ausschreitungen ist ja auch hierzulande bereits gelegt. Atheisten und Islamisten haben in einer wahrhaft „unheiligen Allianz“ dafür gesorgt. In der Rubrik „Wehret den Anfängen“ versuche ich, entsprechende Entwicklungen zu dokumentieren, weshalb ich jetzt nicht näher auf diese Thematik eingehe. Deshalb jetzt zurück zu den Begriffen. Es ist höchste Zeit, nicht nur über die um sich greifende

  • „Christianophobie“ zu sprechen, deren erste Auswirkungen jeder, der schon einmal an einer Anti-Abtreibungs-Demo teilnahm, kennt. Sicher kennt sie auch jeder, der in seinem Bekanntenkreis eine biblische Wahrheit laut ausgesprochen hat oder sich dazu bekennt, öfters in der Bibel zu lesen. Die „Berührungsangst“ mit dem Evangelium ist heutzutage bereits derartiger „mainstream“, dass eine „irrationale Furcht“ (Definition von Phobie) vor Jesus vorausgesetzt werden kann. Wer heute noch über seinen Glauben spricht, muss gegen derartig dicke Mauern aus Vorurteilen und Ignoranz anarbeiten, dass der Erfolg, ein gutes und von Respekt geprägtes Gespräch, praktisch niemals eintritt. Aber es gibt noch einen weiteren Begriff, mit dem wir Christen arbeiten müssen, um uns selbst gegenüber ehrlich zu sein und die Opfer der verfolgten Kirchen zu ehren:
  • „Christozid“. Was derzeit im Nordsudan, dem Irak oder Nord-Nigeria passiert, kann man nur als einen religiös begründeten Genozid an Christen bezeichnen, einen Christozid. Einen Christozid, den schlecht informierte Journalisten, wenn sie ihn überhaupt wahrnehmen (wie gelegentlich im Falle Nigerias), grundsätzlich hinter einer Nebelwand aus „sozialen, regionalen oder ethnischen Konflikten“ tarnen, damit wir Christen im „freien“ Westen auch ja nie die wahre Dimension des geistlichen Konfliktes wahrnehmen, der sich hier in seiner grausamsten und widerlichsten Form offenbart.

Wie auch immer. Liebe Leser, mein Appell geht heute an Sie alle, mit dem Beschönigen der Christenverfolgung aufzuhören und den „Relativierern“ solcher Konflikte nicht mehr zuzuhören. Sprechen wir ruhig von Christophobie, Christozid und Massakern an Glaubensbrüdern, wenn wir von ihnen hören. Werden wir unsere weniger gut informierten Brüder und Schwestern in der Kirche damit schockieren ? Das ist gut möglich, aber vielleicht erleben wir auch ungewohnte Momente der Solidarität, wie ich sie mit lieben, iranischen Christen erlebt habe.

BITTE BETEN SIE FÜR VIELE OFFENE OHREN FÜR DIE SACHE DER VERFOLGTEN CHRISTEN IN UNSEREN GEMEINDEN. WENN WIR NICHT BALD EINE MASSENBEWEGUNG AUSLÖSEN, DIE DRUCK AUF MEDIEN UND POLITIK AUSÜBT, SICH NOCH STÄRKER MIT DER THEMATIK AUSEINANDERZUSETZEN, DANN WERDEN WIR DIE NÄCHSTEN SEIN, ÜBER DIE „KEINER MEHR REDET“.

Gott segne Sie

Martin Clemens Kurz

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