Ägypten: „Rechtsprechung“ im Islam

Es ist eine Errungenschaft der westlichen Welt, dass jedem vor einem ordentlichen Gericht Angeklagten ein Rechtsbeistand zur Seite stehen kann. Ein alter Grundsatz, der aus der römischen Rechtsprechung abgeleitet ist. 

Ägypten

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Das ist eine gute Sache, denn die Jurisprudenz ist eben ein derartig kompliziertes „Ding“, dass nur Fachleute, eben Anwälte, sich noch annähernd darin auskennen und ihre Mandanten nach bestem Wissen und Gewissen beraten können. Wer aber den Unterschied zwischen „unserer“ Art der Rechtsprechung und dem, was das neue Ägypten der Muslimbrüder darunter versteht noch nicht begriffen hat, dem sei die folgende Geschichte aus dem südägyptischen Assiut ans Herz gelegt.

Makram Diab, ein Christ und Sekretär einer Schule, wurde vor zwei Wochen wegen „Verunglimpfung des Propheten Mohammed“ (erinnert das nicht fatal an den unseligen Paragraphen 295 des pakistanischen Strafrechts ?) zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Schon damals wurde sein Anwalt,  Ahmad Sayed Gabali, daran gehindert, bei der Verhandlung anwesend zu sein. Wütende, muslimische „Berufskollegen“ hinderten ihn daran.

Am heutigen Tage fand die Berufungsverhandlung statt. Makram Diab hatte sich mittlerweile ein neues Anwaltsteam aus Muslimen besorgt, in der Hoffnung, dass diese eine Chance hätten, auch in den Gerichtssaal zu gelangen und ihn dort vertreten zu können. Diese Anwälte,  Adel Ramadam und Ahmad Mohamad Hossam, berichten nun von den Auseinandersetzungen vor dem Gericht:

 Sie (ihre muslimischen Kollegen) griffen uns in tierischer und merkwürdiger Art und Weise an, nur weil wir einen Bürger verteidigen wollten, der nun einmal ein Christ ist.

Die beiden Juristen mussten in einem Polizeifahrzeug abgeholt und zur nächsten Polizeiwache eskortiert werden, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Daran sehen wir, wie aufgeheizt und hasserfüllt die Stimmung gewesen sein muss. Auch der vorsitzende Richter wurde attackiert und musste den Gerichtssaal durch die Hintertür verlassen. Dies tat er allerdings nicht, ohne die Sitzung des Gerichts zu vertagen, da dem Angeklagten keine Verteidiger zur Seite standen.

Die Angreifer hinderten also zunächst das Verteidigungsteam am Betreten des Gebäudes, da „kein Muslim einen Christen verteidigen soll“  und auch nachdem sich zwei koptische Anwälte freiwillig meldeten, die eine improvisierte Verteidigung aufbauen wollten, gab die durchgedrehte Menge aus muslimischen „Anwälten“ nicht nach. Der Angeklagte wurde „selbstverständlich“ im Verlaufe dieser Aktionen massiv körperlich attackiert und musste ebenfalls unter Polizeischutz aus dem Gebäude eskortiert werden.

Anwalt Adel Ramadam äußerte sich zu den Vorgängen inzwischen im TV folgendermaßen:

 Ich ging heute vor Gericht, weil ich glaube, dass dieser Bürger aller seiner Rechte beraubt worden ist. Er hatte einen Streit mit einem salafistischen Kollegen in der Schule und erst 11 Tage später entschlossen sich die Muslime, dies zur Anzeige zu bringen. Er wurde von der Staatsanwaltschaft vier Tage lang in Haft gehalten und dann zwei Tage später in einem zehnminütigen Verfahren, ohne einen anwesenden Verteidiger, zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt, was weit über dem Höchstmass für ein „geringfügiges Vergehen“ ist.

Wer sagte doch gleich, dass Salafisten und Muslimbrüder nur eine Art „islamischer CDU“ seien ? War das nicht Herr Westerwelle und die sonstige, liberale und völlig uninformierte „Qualitätspresse“ ? Hm. Habe noch nie gehört, dass Frau Merkel es gut findet, wenn Angeklagte hierzulande keine Verteidiger mehr haben oder CDU-Mitglieder vor Gerichtsgebäuden randalieren.

BITTE BETEN SIE FÜR EIN FAIRES UND SACHLICHES VERFAHREN FÜR MAKRAM DIAB.

(Quelle: „aina.org“ vom 16. März 2012)

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