Ägypten: zwei koptische Priester vor Untersuchungsrichter

Wir erinnern uns ungern: am 09. Oktober 2011 war eine friedliche Demonstration der koptischen Minderheit in Kairo gewaltsam durch Polizei- und Militäreinheiten gestoppt worden. Die Bilder von gepanzerten Fahrzeugen, die in voller Absicht über am Boden liegende Demonstranten hinwegrasen, sollten uns noch allen in Erinnerung sein !

Ägypten

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Vor dem Masbiro, dem zentralen TV – Gebäude in Kairo, war der Umzug der Christen, der u. a. von der sog. “ Maspero Coptic Youth Union“ organisiert worden war, gewaltsam beendet worden. Die Verantwortung für die Brutalität des Vorgehens gegen die Demonstranten wurde seitdem in unschöner Art und Weise immer hin und her geschoben. Die Behörden und islamistische Scharfmacher behaupten, die Demonstranten hätten Waffen mit sich geführt und Agenten der Polizei attackiert. Die koptischen Kreise wiederum sagen aus, dass ihr Zug aus am Rande der Demonstration gelegenen Häusern angegriffen und von Provokateuren aus Seitenstraßen beschossen worden sei.

Wer die Situation in nahöstlichen Ländern kennt, dem wird sicher schnell klar sein, wer hier bewusst lügt und damit wieder einmal eine religiöse Minderheit ihrer Rechte berauben will. Immerhin hatten in mehreren deutschen Städten am 16. Oktober 2011 Solidaritätsdemos mit den niedergemähten Christen stattgefunden, die aber leider oft nur sehr spärlich besucht wurden.

Nun wird aber aus dem bösartigen Trauerspiel endgültig eine Farce, denn jetzt sind zwei Initiatoren der „Maspero Coptic Youth Union“, die koptischen Geistlichen Vater Mattias Nasr von der St. Mary’s Church in Ezbet el-Nakhl im Großraum Kairo und Vater Filopateer Gameel von der St. Mary’s Church in Gizeh, vor einen Untersuchungsrichter bestellt worden, weil ihnen die Verantwortung für die Gewalt des Masbiro-Massakers zugeschoben werden soll. Als vermeintliches Beweismaterial wurde ihnen dort am 09. Februar 2012 Video-Material vorgeführt, dass die Behörden sich von islamistischen, radikalen Webseiten zusammengesucht haben. In einem der Beiträge ruft ein Scheich Vater Filopateer dazu auf, zum Islam zu konvertieren.

Vater Mattias Nasr wird vor diesem Hintergrund auf einem koptischen Blog folgendermaßen zitiert:

 Ich mache mir Sorgen über die Verhältnisse, die sich hier in Ägypten gerade durchsetzen. Wo die Opfer unter Verdacht gestellt und angeklagt werden während die wahren Täter das Land regieren  und mit den Verbrechen gegen das ägyptische Volk fortfahren sowie gegen friedliche Demonstranten überall.

Aber anders als viele andere Politiker, Kirchenfürsten und Medienleute in Europa werden die Kopten, die immerhin zu einer der ältesten, christlichen Kirchen der Welt zählen, nicht wirklich eingeschüchtert vom Muslimbruder-Salafisten-Kartell, dass in Zukunft das Land am Nil in den wirtschaftlichen und sozialen Ruin führen wird. Vater Nasr sagt dazu:

Wir haben alle gesehen, wer über die Demonstranten hinweggerollt ist und wer auf sie geschossen hat. Alle Ägypter haben dies auf Video und auf Fotos gesehen. Diese Untersuchungen werden uns nicht einschüchtern oder davon abhalten, unsere Rechte einzufordern.

Bei diesem Kampf um ihre Rechte und damit im Kern auch um ihr Überleben im Post-Mubarrak-Salafistensumpf sollten alle wahren Christen weltweit die koptisch-orthodoxe Kirche unterstützen. Im Gebet, in gezeigter Solidarität mit koptischen Gemeinden in unserem Land und in der Bereitschaft, ein offenes Herz und offene Ohren für die Anliegen aller nahöstlichen Christen zu entwickeln.

Wer noch mehr Details über dieses Verfahren lesen will, der kann dies unter dem u. a. link gerne tun (Englisch).

BITTE BETEN SIE FÜR EINE ZUKUNFT DER KOPTISCHEN ÄGYPTER IN IHRER HEIMAT. DERZEIT SIEHT ES DAFÜR NÄMLICH EHER FINSTER AUS.

(Quelle: „aina.org“ vom 10. Februar 2012)

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3 Gedanken zu “Ägypten: zwei koptische Priester vor Untersuchungsrichter

  1. Es ist wahrlich das Gebet das uns allen, Christen, helfen kann. Den Himmel bestürmen damit das Morden in Ägypten aufhört. Ich finde es schändlich dass man diese Nachrichten nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Ist es Feigheit? Ist es Berechnung? Sicher ist, dass der Diabolo, der Lügner, der Verwirrer und Durcheinaderwirbler am Werk ist.

    • Bin absolut Ihrer Ansicht, lieber Kurt Steil. Wo die Prinzipien des Rechtstaates mit Füssen getreten werden, wo „richtig und falsch“ nur noch von wandelbaren, menschlichen Prinzipien abhängt, da ist der Verderber zweifellos am Werk. Auch da, wo man die Wahrheit verschweigt und die Lüge zur Wahrheit erklären will, hat das Böse seine Finger im Spiel.
      Für die Kopten, die syrisch-orthodoxen Christen, oder die Maroniten im Libanon brechen harte Zeiten an. Beten wir für sie. Viel mehr können wir momentan noch nicht tun.

  2. Pingback: Zwei koptische Priester vor Untersuchungsrichter « kopten ohne grenzen

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