Sudan: Christenverfolgungen beginnen

Nachdem sich im vergangenen Jahr der vorwiegend von Christen und Anhängern der Naturreligionen bewohnte Süden des Landes nach einer Volksabstimmung vom mehrheitlich muslimischen Norden losgesagt hatte, war von Beobachtern befürchtet worden, dass es dort zu religiösen Verfolgungen und „Säuberungen“ kommen würde. 

Die nord-sudanesische Regierung unter dem wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen mit internationalem Haftbefehl gesuchten Präsidenten Al-Bashir hatte unmittelbar nach der Separation der Südprovinzen angekündigt, in Zukunft noch stärker auf die Scharia als Quelle der alltäglichen Rechtsprechung und der gesellschaftlichen Normen zu setzen. Was dies für die im „Norden“ verbliebenen, religiösen Minderheiten bedeutet, wird in den letzten Tagen klarer.

Da kamen Nachrichten aus dem Nord-Sudan über eine stärkere Kontrolle der verbliebenen Kirchen und ihrer Leiter. Nachrichten über „Listen“ von Kirchenmitgliedern, die erstellt werden sollten, „plötzlich“ auftretende Konflikte um Kirchenimmobilien und ähnliches. Als Beispiel dafür sei ein Schreiben des „Ministeriums für Leitung und religiöse Sinnstiftung“ vom 03. Januar 2012 genannt, dass die Kirchen der  Sudan Presbyterian Evangelical Church (SPEC) erhalten haben. In diesem werden den Kirchen „evangelistische Aktivitäten“ verboten und außerdem von ihnen verlangt, von allen Leitern die genauen Kontaktinformationen aufzulisten und auszuhändigen.

Dazu schrieb der verantwortliche Unterstaatssekretär des o. g. Ministeriums, Hamid Yousif Adam, die aufschlussreichen Worte:

Wir werden Verfahren gegen Pastoren einleiten, die predigen (sic !) oder evangelistische Aktivitäten entfalten. Wir haben alles Recht, sie vor Gericht zu bringen.

Rev. Yousif Matar, Generalsekretär der SPEC, sagte dazu:

Dies ist eine kritische Situation vor die sich unsere Kirche im Sudan derzeit gestellt sieht.

Beobachter gehen davon aus, dass durch die weitgehende Kontrolle aller kirchlichen Aktivitäten im Sudan vor allem die evangelistische Tätigkeit süd-sudanesischer Prediger unterbunden werden soll.

Seit dem 09. Juli 2011, der Staatsgründung des Südsudan sollen mehr als 350.000 Menschen, vor allem Christen, vom Norden in den Süden ausgewandert sein. Die noch verbliebenen Christen im Nord-Sudan sollen, so berichten es kirchliche Leiter vor Ort, auch noch so weit unter Druck gesetzt werden, dass sie „freiwillig“ das Land verlassen. Im Vorfeld der Weihnachtsfeiern 2011 hatte es bereits massive Drohungen gegen Christen gegeben und am 23. Dezember 2011 wurden Yasir Musa von der  „Sudanese Church of Christ“ (SCOC) und zwei weitere Christen in Khartoum „aus Sicherheitsgründen“  inhaftiert. Obwohl sie nach kurzer Zeit wieder entlassen wurden, schwebt die Drohung weiterer Inhaftierungen, die ihnen gegenüber ausgesprochen wurde, weiter über den Kirchen des Sudan.

Ein weiterer Fall ist der des Evangelisten James Kat von der Evangelical Church of Sudan, der am 17. Januar 2012 in Khartoum verhaftet und im Polizeigewahrsam verprügelt wurde. Auf Kaution wurde er inzwischen wieder freigelassen, aber der Fall stellt natürlich eine massive Gewaltandrohung gegen die Christen im Sudan dar. Ein weiteres Blitzlicht auf die Lage im Sudan wirft der Fall Gabro Haile Selassie, der sich bislang weigert, seinen Wohnsitz auf einem illegal durch den Staat enteigneten Kirchengrundstück aufzugeben und deshalb am 16. Januar 2012 verhaftet wurde. Er wohnt auf dem Grundstück einer der zur SPEC gehörenden Kirchen und sollte bereits am 15. Januar 2012 durch die Polizei vom Gelände entfernt werden. Er weigerte sich jedoch, ohne ein offizielles Dokument über die Enteignung gesehen zu haben, diesem Drängen nachzugeben.

So ist die Lage im Sudan. Einer massiven Islamisierung folgen jetzt die „legalen“ Maßnahmen gegen die verbliebenen Christen und bald, dessen dürfen wir sicher sein, werden handgreiflichere Aktionen bekannt werden. Schließlich soll der Sudan ja „christenrein“ gemacht werden.

BITTE GEDENKEN SIE DOCH IN IHREN GEBETEN AUCH DER CHRISTEN IM SUDAN. NICHT FÜR JEDEN IST ES EINE SINNVOLLE ALTERNATIVE, IN DEN SÜDEN ZU EMIGRIEREN. BITTEN SIE DOCH GOTT DARUM, DASS WIE SO OFT AUCH IM SUDAN DIE KIRCHE IN DER VERFOLGUNG STÄRKER WIRD UND WÄCHST.

(Quellen: „assist news service“ vom 20. Januar 2012 und „compass direct news“ 18. Januar 2012)

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