Iran: Bruder Youcef bekommt keinen Besuch aus Deutschland

Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hatte, wie naiv und unbedarft viele Angehörige der deutschen, politischen „Eliten“ sind, dann hat der Besuch des Bundestagsabgeordneten Tom Königs (B90/Grüne) im Iran mal wieder alle Vorurteile gefestigt. 

Iran

Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für „Menschenrechte und humanitäre Hilfe“ hatte unlängst, vom 03. – 07. Januar 2012,  die islamische Republik Iran besucht, um sich vor allem dem Schicksal zweier dort Inhaftierter anzunehmen. Er wollte den Menschenrechtsanwalt  Abdolfatah Soltani und den unseren Lesern bestens bekannten Hauskirchen-Pastor Youcef Nadarkhani in der Haft besuchen. Seine Bemühungen in allen Ehren, aber offensichtlich war die ganze Initiative derart stümperhaft (oder gar nicht) vorbereitet, dass Königs unverrichteter Dinge wieder abziehen musste.

Aus dem Umfeld des wegen „Apostasie“ (Abfalls vom Islam) angeklagten Pastors wird außerdem bekannt, dass ihm wiederholt Angebote gemacht worden seien, ihn freizulassen, wenn er vorher seinem christlichen Glauben abschwören würde oder zumindest den von Muslimen als „Propheten“ angesehenen Mohammed ebenfalls als Botschafter Gottes bekennen würde. Unter der Androhung der Todesstrafe weigert sich Youcef Nadarkhani bis heute, einen dieser Wege zur „Freiheit“ zu gehen. Kennen Sie einen Pastor, Bischof oder sonstigen Geistlichen in Deutschland, der diese tun würde ? Würden sie dies tun ? Wenn sie eine Ehefrau und zwei Kinder hätten, um die Sie sich gerne kümmern möchten ?

Wie auch immer: mein Respekt gilt dieser edlen Seele, die, ganz gleich wie der ganze Fall am Ende ausgeht, allen Christen auf diesem Planeten ein Beispiel in der Nachfolge Christi gegeben hat.  Und nun wollte eben auch ein namhafter, deutscher Politiker ihm Tribut zollen und ein direktes Gespräch führen, so dass der Fall auch hierzulande weiter an Prominenz gewinnt.

Derweil hat der Vorsitzende der pfingstkirchlichen Vereinigung „assemblies of god“ in Springfield (Missouri), George O. Wood, an die iranische Staatsführung geschrieben (Ahmadinedschad und Khamenei) und ihnen wiederholt die Freilassung inhaftierter Christen nahegelegt. Er bete auch viel für das iranische Volk, liess Wood verlauten. Ob sein Schreiben beantwortet wurde, ist bislang nicht bekannt. Auch im britischen Unterhaus wurde am 11. Januar 2012 über die Lage der Minderheiten im Iran diskutiert. Wer also gehofft hatte, der Fall Nadarkhani und andere würden mit der Zeit „in Vergessenheit geraten“, sieht sich glücklicherweise getäuscht.

Was nun den Ausgang der Reise von Tom Königs angeht, so hat dieser in einer inzwischen publizierten Stellungnahme dazu folgendes gesagt:

 Der Iran selbst hätte auch ein Interesse daran haben müssen, mir den Zugang zu den beiden Angeklagten zu ermöglichen. In einem Staat, der stolz darauf ist, dass er die Würde des Menschen hoch hält und den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet und ratifiziert hat, hätte es kein Problem sein dürfen, Inhaftierte zu besuchen. So bleibe ich trotz oder gerade wegen meiner Reise in den Iran weiterhin sehr besorgt um die Situation von Abdolfattah Soltani und Youcef Nadarkhani.

Das ist ja nicht schlecht. Besser wäre es gewesen, sich mit den Anwälten Nadarkhanis, mit den Kirchen und Menschenrechtsaktivisten vor Ort im Vorfeld des Besuches zu beraten, um auszuloten, ob überhaupt eine Chance für diesen Besuch bestand, dass die Inhaftierten kontaktiert werden können. So wirkt die ganze Reise in etwa so konstruktiv wie die vielen Besuche des letzten deutschen Kaisers im Ausland, die auch von den Besuchten eher „ertragen“ als wirklich erwünscht wurden. Das naiv-gutmenschliche ist ja uns Christen allen ein wenig zu eigen, weshalb man es schlecht verdammen kann, aber in diesen Fragen von „Leben und Tod“ für Gottesmänner und -frauen gehört etwas mehr Recherche und Verstand, ebenso wie Fingerspitzengefühl zum Handgepäck, Herr Königs.

Dennoch freue ich mich, dass in mehreren, deutschen Parteien sich Menschen für die Religionsfreiheit auch der Christen in muslimischen Ländern einsetzen. Bitte, Herr Bundestagsabgeordneter Königs, machen Sie nur weiter, informieren Sie ihre Fraktionskollegen und beim nächsten Mal rufen Sie doch im Vorfeld mal bei „open doors“ oder ähnlichen Gruppen an, um sich über Sinn und Zweck eines derartigen Blitzbesuches zu informieren.

IN DIESEM SINNE: BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR YOUCEF NADARKHANI. BITTEN SIE DEN VATER, DASS ER IHN WEITERHIN IN SEINER STANDHAFTIGKEIT HÄLT UND BITTEN SIE IHN AUCH UM TROST FÜR SEINE FAMILIE. SOLANGE DIESER DULDER LEBT, DÜRFEN WIR NOCH AUF SEINE FREILASSUNG HOFFEN !

(Quellen: „mohabat news“ vom 14. Januar 2012 ,  „idea nachrichten“ vom 14. Januar 2012 und „the christian post“ vom 14. Januar 2012)

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4 Gedanken zu “Iran: Bruder Youcef bekommt keinen Besuch aus Deutschland

  1. Tom Koenigs hat wenigstens einen Versuch unternommen und die Richter und Henker in Teheran wissen lassen, dass der Deutsche Bundestag Pfarrer Josef nicht vergessen hat. Vielleicht wurden im Iran ja auch Hoffnungen auf einen Freikauf-Deal geweckt. Wie viele Christen beten für Pfarrer Josef? Wie viele haben dem iranischen Botschafter in Berlin diesbezüglich geschrieben. Lassen wir Tom Koenigs tun, was er am besten kann – und wir tun, was wir können. Den Rest macht Gott.
    http://bei-gott-ist-alles-moeglich.blogspot.com/2012/01/tom-koenigs-geschaft-mit.html

    • Wohl gesprochen. Wir tun, was wir tun können, leider tun die Politiker nicht alles, was sie können. Die Idee, mal vor Ort „auf den Busch zu klopfen“ vom Abgeordneten Königs finde ich auch aller Ehren wert, nur an der Durchführung hapert es bei unseren Volksvertretern gerne mal. Mir wäre auch lieber gewesen, dass sich dieser Reise noch mehr besorgte Mitglieder seines Ausschusses angeschlossen hätten, so wirkt das Ganze wie ein innenpolitisch motiviertes Wahlkampfmanöver der Grünen, selbst wenn dies nicht die ganze Motivation gewesen sein mag.
      Aber wie auch immer, das Fazit bleibt: die CDU/CSU und die Grünen sind im Bundestag allem Anschein nach die einzigen, die das Thema der weltweiten Religionsfreiheit überhaupt dauerhaft auf dem Schirm haben und darüber kann man schon froh sein.

  2. Pingback: Moslembrüder tauchen in Holland auf! « kopten ohne grenzen

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