Indonesien: Abgeordnete sehen Nötigung der Yasmin-Gemeinde

Wie oft müssen wir wohl noch vom Fall der „Yasmin-Gemeinde“ in Bogor berichten, der es von einem Ortsbürgermeister verwehrt wird, ein ihr gehörendes Grundstück als Kirche und Versammlungsstätte zu nutzen ?

Indonesien

Der Fall hat auch innerhalb Indonesiens bereits Kreise gezogen. So haben sich die örtlichen „Abteilungen“ des sog.  Muslim Communication Forum (Forkami) und des  Islamic Reform Movement (Garis) auf die Seite des renitenten Bürgermeisters Diani Budiarto geschlagen, der ein Urteil des Obersten Gerichtshofes Indonesiens ignoriert und damit dem Rechtsstaatsprinzip ins Gesicht schlägt. Selbst die Parteifreunde Budiartos haben mittlerweile, wie aus dem Land zu hören war, Bauchschmerzen bei dem Verhalten ihres Mitgliedes.

Nun sind zwei Abgeordnete des Repräsentantenhauses von Indonesien am 15. Januar 2012 bei der Yasmin-Kirche gewesen, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen. Sie bekamen den passenden Eindruck. Die Abgeordneten Eva Kusuma Sundari von der Indonesian Democratic Party of Struggle (PDI-P) und  Lily Wahid von der islamischen National Awakening Party (PKB) sahen mit eigenen Augen wie die Mitglieder der Yasmin-Gemeinde vom tobenden Mob bedrängt, verspottet und vertrieben wurden, als sie ihren Gottesdienst abhalten wollten.

Da sie weder auf ihrem Grundstück in Bogor noch davor, wie in so vielen Wochen, Gottesdienst feiern konnten, da ihnen Sicherheitsbeamte im Auftrage Bürgermeister Budiartos mittlerweile beides verweigern, wichen sie auf den Parkplatz eines Supermarktes als Versammlungsort aus. Aber auch dort wurden sie von einem wütenden, aufgehetzten Mob aus Anhängern der Forkami und Garis belästigt, verspottet und körperlich angegangen. Unter den unvermeidlichen „Allahu Akbar“ – Rufen wurde ihre Versammlung gestört und musste schließlich in das Privathaus eines Kirchenmitgliedes verlegt werden.

Aber auch dorthin folgte ihnen der Mob und störte den Gottesdienst dermaßen, dass er unterbrochen werden musste, bis sich der Pöbel zerstreut hatte. Auffällig dabei ist wie immer, dass die Polizei, die wohl auf Budiartos Anweisung handelt, diesem Treiben keinen Einhalt gebietet. Immerhin bekamen so die beiden Abgeordneten, denen nun von der Forkami „Einmischung in lokale Angelegenheiten“ vorgeworfen wird, einen realistischen Eindruck davon, was Christen in Bogor so alles aushalten müssen, wenn sie auf ihrem mittlerweile bestätigen Recht bestehen.

Ein Sprecher der Kirche, Bona Singalinging, wird in der indonesischen Presse folgendermaßen zitiert:

Das war Nötigung von Seiten der Forkami und Garis, zum Haus eines Gemeindemitgliedes zu kommen und den Versuch zu machen, den Gottesdienst zu unterbrechen.

Die Abgeordnete Eva Kusuma Sundari äußerte sich so:

Beim Fall der Yasmin – Kirche geht es nicht nur um die Gemeinde sondern um die nationale Integrität und die Herrschaft des Rechts.
Ich sehe diese Leute (Forkami und Garis, Anm. d. Übers.) als Marionetten des Bürgermeisters, die sich willentlich benutzen lassen, um das Gesetz zu verspotten.

Und die Abgeordnete Lily Wahid vermutet hinter dem Offensichtlichen Religionskonflikt sogar noch mehr. Sie glaubt, dass der Bürgermeister auch wirtschaftlichen Interessen Vorschub leistet, da es mittlerweile ein Angebot von unbekannter Seite für das Grundstück der Kirche gäbe. Sie sagte dazu:

Es kann nicht sein, dass der Bürgermeister zuerst die Erlaubnis erteilt (was er nie getan hat, Anm. d. Übers.) und sie dann wieder zurückzieht, ohne, dass es dabei um irgendwelchen, materiellen Gewinn gehen sollte. Aber wir brauchen mehr Beweise, um diesen Gedanken zu untermauern.

Die Abgeordnete Wahid äußerte auch den dringenden Wunsch, die Zentralregierung möge sich mehr in diesen Konflikt einschalten und dem geltenden Recht damit Geltung verschaffen.  Dadurch, dass bisher kein Ende des Konfliktes absehbar sei, werde die Wahrscheinlichkeit von gewalttätigen Zusammenstößen immer größer.

Dazu ist anzumerken, dass diese Gewalt, wie in ähnlich gelagerten Konflikten weltweit, zumeist nicht von den christlichen Kirchen ausgeht und selbst nach ihrem Ausbrechen diese zumeist auf Selbstschutzmaßnahmen verzichten.  Auch Bona Singalinging bestätigte allerdings mittlerweile, dass ein möglicher Grundstücksdeal ein verdeckter Teil der Situation sein könne.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR DIE YASMIN-GEMEINDE IN BOGOR. BETEN SIE DAFÜR, DASS DAS RECHT WIEDER EINZUG HÄLT IN BOGOR UND DASS ES KEINE GEWALTSAMEN AUSEINANDERSETZUNGEN GEBEN WIRD.

(Quelle: „Jakarta Globe“ vom 15. Januar 2012)

Advertisements

Ein Gedanke zu “Indonesien: Abgeordnete sehen Nötigung der Yasmin-Gemeinde

  1. Pingback: Moslembrüder tauchen in Holland auf! « kopten ohne grenzen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s