Syrien: Patriarch kritisiert „Westen“

Der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche Syriens, Ignatius Joseph III. , hat in einem Interview mit der dpa den „Westen“ angesichts der politischen Umwälzungen in Nahost scharf kritisiert. Die westliche Wertegemeinschaft opfere die Christen in Nahost ihren geopolitischen Interessen.

Das Haupt der mit der römisch-katholischen Kirche voll vereinigten syrisch-katholischen Kirche äußerte sich in klaren Worten über seine Erwartungen und Beobachtungen angesichts steigender Christenverfolgungen in der Region und der auch in seinem Land kritischer werdenden Situation der Nachfolger Jesu.

Patriarch:
Wir nahöstlichen Christen sind enttäuscht von der Politik, die von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten verfolgt wird, weil wir feststellen, dass die Europäer und Amerikaner die Probleme in Nahost nur aus einem politischen oder wirtschaftlichen Standpunkt sehen.  Sie sind zu dem Schluss gelangt, dass die Machtübernahme islamistischer, religiöser Fanatiker in diesen Ländern unvermeidlich ist und haben aufgegeben. Wir fühlen uns von ihnen betrogen.

Auf die Frage, was er über die von der syrischen Opposition geäußerte (und auch in deutschen Medien auftauchende !) Behauptung halte, die syrischen Christen würden sich auf die Seite des Assad-Regimes schlagen, äußerte der Kleriker dies:

Ja, wir werden beschuldigt, auf der Seite des Regimes zu stehen, aber was wir am Ende wirklich wollen ist nur, dass unsere Gemeinschaften in Frieden leben können. Wir haben dabei immer das negative Beispiel des Irak vor Augen, wo so viele unserer Mitchristen fliehen mussten.

Ein weiser und sinnvoller Hinweis. Der Massenexodus und die nichtendende Kette von Verbrechen an irakischen Christen sollten allen Christen, vor allem denen in Nahost, eine Mahnung sein. Immerhin leben viele der Geflohenen ja auch in Syrien, ob legal oder illegal.
Auf die Frage, ob Patriarch Ignatius Joseph III. mit Vertretern „westlicher“ Regierungen, die schon auf den Fall Assads setzten, gesprochen habe, um die Situation der Christen zu schildern, gab er folgendes zu Protokoll:

Im Mai traf ich den französischen Außenminister Alain Juppé in Paris und ich stellte fest, dass Frankreich und die EU eine vorgefasste Meinung über das Baath-Regime in Syrien haben. Sie denken es sei ein monströses Regime, dass sein eigenes Volk tötet.

Auch die Äußerungen der Karmeliterinnen-Oberin von Qara in Syrien, Mutter Agnes-Mariam de la Croix, die wir erst kürzlich hier im Blog erwähnt haben, mahnen uns dazu, die Schwarz-Weiss-Malerei im Bezug auf die syrischen Aufstände nicht weiterzuführen.

BITTE BETEN SIE DOCH AUCH WEITERHIN FÜR FRIEDEN IN SYRIEN UND FÜR DIE DORTIGE, CHRISTLICHE MINDERHEIT, DIE NUR CA. 6 % DER BEVÖLKERUNG AUSMACHEN SOLL. MÖGE GOTT BEHÜTEN, DASS IHNEN DAS GLEICHE SCHICKSAL WIE DEN IRAKISCHEN CHRISTEN DROHT.

(Quelle: „bikya masr“ vom 11. Januar 2012)

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3 Gedanken zu “Syrien: Patriarch kritisiert „Westen“

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