Türkei/Deutschland: Aramäer wehren sich gegen staatliche Diskriminierung im Bildungswesen.

Die „Föderation der Aramäer in Deutschland“ (FASD) hat in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin und den Deutschen Bundestag die Diskriminierung der Aramäer in türkischen Schulbüchern angeprangert.

Türkei

Erst vor wenigen Tagen berichteten wir über den Protest des christlichen, türkischen Parlamentsabgeordneten Erol Dora, der genau dieselbe Thematik offen ansprach. Die im Jahre 2009 in den Schulunterricht der 10. Klassen eingebauten, türkischen Geschichtsbücher stellen die Aramäer als Landesverräter dar, die ins Ausland geflohen seien, um der Türkei propagandistischen Schaden zuzufügen. Eine populäre Lüge, die in den Medien des Landes am Bosporus aber ebenso transportiert und somit tradiert wird.

Nun hat die FASD, die nach eigenen Angaben ca. 100.000 aramäische Christen aus dem nordwestlichen Irak und der südöstlichen Türkei vertritt, ebenfalls in einem offenen Brief vom 16. Dezember 2011 diese Miss-Stände angeprangert und Deutschland dazu aufgefordert, gegenüber der türkischen Regierung eindeutig Stellung zu beziehen. An die Adresse des Bundestages und der Bundeskanzlerin gerichtet, formulierten sie dabei:

 Während Erdogan der Bundesrepublik Deutschland vorwirft Menschenrechte zu verletzten, erreichen die Verstöße gegen Minderheiten- und Menschenrechte, die Diskriminierungen und Agitationen des türkischen Staates gegenüber der urchristlichen Gemeinschaft der Aramäer, eine gefährliche und sehr besorgniserregende Qualität.

Die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte, die Bezeichnung des aramäischen Volkes als Verräter sei „ein Skandal und schlichtweg falsch“.

 Die Wahrheit ist, dass die aramäische Bevölkerung in ihrer Heimat Tur Abdin seit Jahrhunderten verfolgt wird. Der Niedergang des aramäischen Volkes, der Kultur und der Sprache vollzieht sich bis heute still und leise.

MdB Erika Steinbach

MdB Erika Steinbach

Das vom türkischen Bildungsministerium 2009 veröffentlichte Schulbuch heize die negative Stimmung gegen die verbliebenen Aramäer weiter an, so Steinbach. Die türkische Regierung sei nun in der Pflicht, die falsche Darstellung in den Schulbüchern unverzüglich zu korrigieren, die Existenzgrundlage des Klosters Mor Gabriel nicht weiter zu beschneiden sowie die Aramäer endlich als nicht-muslimische Minderheit anzuerkennen. Steinbach betonte, von einst 200.000 Aramäern in den 60er Jahren lebten heute nur noch 2.000 in ihrer angestammten Heimat.

Der BGVK empfiehlt in diesem Zusammenhang nochmals die Lektüre des Buches „es geht ums Überleben“ von Schwester Hatune Dogan. In den persönlichen Schilderungen ihrer Familiengeschichte im Tur Abdin wird die grausame Realität der Christenverfolgungen derart plastisch dargestellt, dass man sich manchmal wünscht, das Buch beiseitelegen zu können. Aber dennoch fesselt die komplett „politisch unkorrekte“, subjektive Schreibweise der syrisch-orthodoxen Nonne den unvoreingenommen Leser und hinterlässt nachhaltige Spuren im Gedächtnis.

BITTE BETEN SIE UM GERECHTIGKEIT FÜR DIE ARAMÄER. BITTEN SIE GOTT UM NEUE TÜREN, DIE SICH FÜR IHRE ANLIEGEN ÖFFNEN UND UM NEUE MÖGLICHKEITEN, IHREN TRADITIONEN INNERHALB UND AUSSERHALB DER TÜRKEI NACHGEHEN ZU KÖNNEN.

(Quelle: „kath.net“ vom 18. Dezember 2011)

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