Kommentar: Christen in der „Arabellion“

Wir sehen es Tag für Tag und zumindest ich wundere mich nicht und muss nicht, wie es ein deutscher Zeitungsjournalist unlängst formulierte „aus den Blütenträumen der Revolution“ aufwachen. Schlaf kann man sich nicht mehr gönnen. „Es ist Zeit, aufzuwachen vom Schlafe.“ (angelehnt an Römer 13, 11)

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Kommentar

Niemand, der einen klaren Blick und einen nüchternen Verstand besass, hatte tatsächlich erwartet, dass der Maghreb, Ägypten und Nah- sowie Mittelost nun zu blühenden Experimentierfeldern der „Wüstendemokratie“ werden würden, wie es uns ahnungslose Journalisten, Islam-Apologeten verschiedenster Couleur und unsere notorisch auf dem „grünen“ Auge blinden Politiker Glauben machen wollten. Wir alle haben beobachtet, wie die radikalen Kräfte in Marokko, Tunesien und nun auch in Ägypten die stärksten Kräfte in den Parlamenten wurden, wie die Scharia durch eine Koalition aus Britannien, Frankreich und den USA in Libyen herbeigebombt wurde, wie im Libanon die Christen durch den „Geburtendschihad“ marginalisiert wurden und wie nun auch Syrien fatal durch sunnitische Fanatiker destabilisiert wird. Nun, ich habe dazu bereits ausgiebig Stellung genommen und zwar

an dieser Stelle

und

auch hier.

 Ich „wasche also meine Hände in Unschuld“, weil ich mich der heiteren „Wir reden über das was wir uns wünschen und nicht das, was wahr ist“-Gruppe aus den o.g. Journalisten, Politikern etc. nicht angeschlossen habe. Es war praktisch sofort erkennbar, dass die guten, engagierten und mutigen, jungen „Internet“-Leute, die die Aufstände in Tunesien und Ägypten ausgelöst hatten, von den nun Morgenluft witternden islamischen Hasspredigern (in Anzügen, ich weiss, aber ein Killer im teuren Maßanzug ist noch immer ein Killer, auch wenn er freundlich lächelt !) beiseitegeschoben wurden. Exemplarisch sei dafür eine der ersten Versammlungen auf dem Kairoer Tahrir-Platz nach dem Rücktritt Mubarraks genannt, wo ein prominenter Vertreter der „Internet-Revoluzzer“ von den Schlägern des Muslimbruder-Ideologen Yusuf al-Karadawi daran gehindert wurde, auf die Bühne zu gehen und zu der Menge zu sprechen. Dies Bild spricht Bände und bestätigt sich in allen Ländern der „Arabellion“.

Jetzt stellt sich doch die Frage, was die immer weitere Islamisierung Nordafrikas und Nahosts für ihre christlichen Minderheiten bedeuten wird. Wenn man Ägypten und den Irak als Maßstäbe anlegt, dann steht das Christentum in diesem neuen, zusammenwachsenden Salafisten- und Muslimbruder – „Kalifat“ vor der Auslöschung. Bislang galt ja zumeist die Faustregel: „wenn ihr (die Christen) die Klappe haltet und euch schön demonstrativ unter die Scharia und die einzig wahre Religion des Friedens unterwerft, dann lassen wir euch am Leben“. Ein Leben in „bereitwilliger Unterordnung“, so wie es Koran und Hadithen für die „Affen und Schweine“ (Christen und Juden), also die „Leute des Buches“ vorsah. Die Zeiten ändern sich aber und jetzt steht der Schalter in den Köpfen der Salafisten und Muslimbrüder auf  „Christianozid“.

An dieser Stelle sei mir ein kleiner Exkurs gestattet. Warum haben wir uns so viel über die Arabellion vorgemacht ? Vornehmlich wohl deshalb, weil wir unsere, liberalen und „westlichen“ Maßstäbe an die islamische Welt anlegen. Vor allem diejenigen, die alles immer „rosarot und wunderbar“ finden was weit weg von ihren eigenen Haustüren passiert, machen im Gegensatz zu den Klarsichtigen den Fehler, die Welt nicht einmal ansatz- und phasenweise so zu sehen, wie die bärtigen Fanatiker, die so gerne ihre Frauen verhüllen, Universitäten die Geschlechertrennung aufzwingen, Bomben in Kirchen legen und den Touristen das Bierchen verbieten. Sie, liebe Leser, möchten ein Beispiel ?

Kein Problem. Hier kommt es: In deutschen und europäischen Medien wird immer sehr viel vom „Euro-Islam“, der „innerislamischen Reformation“, die jetzt dringend notwendig sei, gefaselt. Der Islam müsse jetzt eine textkritische Analyse von Koran und Hadithen zulassen, um endlich im 21. Jahrhundert anzukommen.
Zunächst einmal sei angemerkt, dass der Islam noch gar nicht im 21. Jahrhundert ist, da er seine eigene Zeitrechnung geschaffen hat, die momentan irgendwo im 14. Jahrhundert steckt. Dass dessen Jahr am Mondkalender orientiert ist und damit immer ein paar Tage dem wirklichen Umlauf der Erde um die Sonne vorauseilt, sei als witziges Detail nur am Rande bemerkt. Jetzt aber zurück zur Ernsthaftigkeit: die Herbeiredner einer kommenden „islamischen Reformation“ leben im Traumland, wo das, was wir uns wünschen, bereits so gut wie Wahrheit ist und die Realität als Grundlage für sinnvolle Einschätzungen keine Rolle mehr spielt. Denn Fakt ist: die islamische Reformation hat längst stattgefunden ! Männer wie der Ägypter Sayyid Qutb und der indisch-pakististanische Abul-Ala-Maududi haben im 20 . Jahrhundert als Vordenker dieser Reformation längst ihre fatale Wirkung entfaltet.

Denn was bedeutet „Re-Formieren“ überhaupt ? Richtig, es bedeutet eine Rückführung, eine Re-Strukturierung an Hand von früheren Idealen und Werten. Luther beispielsweise wollte zurück zu einem reinen Christentum „sola scriptura, solus christus“ (nur die Schrift, nur Christus). Die Kinder und Enkel dieser bereits genannten, islamischen Vordenker sind eben keine von uns im „Westen“ naiver- und unwissenderweise herbeigesehnten „säkularen Muslime“, die ihren Glauben ähnlich wie Christen als Privatsache ansehen und sich deshalb mühelos in die „westlichen“ Gesellschaften integrieren lassen; sondern es sind Leute wie die Muslimbrüder, die Taliban, die Al-Kaida, die Boko-Haram, die Al-Shabaab und die Salafisten. Möchten Sie es noch deutlicher ? Die Terroristen, Xenophoben und Haßprediger, die Fanatiker, Gotteskrieger und Christenmörder sind die Folge der islamischen Reformation. Traurig, aber wahr.

Was folgt daraus für die Christen im religiösen Wunschland der sunnitischen Radikalen, dem „neuen Kalifat“, das sich Raschid Ghannouchi (Tunesien), vielleicht auch der Herr Erdogan und Andere herbeisehnen ? Nun, wenn man von Fakten und nicht vom Wunschdenken ausgeht, dann gibt es bereits jetzt nur zwei Alternativen für die christlichen Minderheiten: zum Islam konvertieren oder auswandern. Die bisher immer irgendwie praktikable Variante des „dritten Weges“, der stillschweigenden Zustimmung zur Einstufung als Bürger zweiter Klasse in islamischen Staaten damit die Gemeinde überleben kann, wird von den Salafisten und ihren Freunden nicht mehr angeboten werden. Herr erbarme dich, Christus erbarme dich !

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