Ägypten: ein Schuss Realität – Sohag

Wir beobachten die Wahlen und die Lage in Ägypten durch die Augen unserer Medien fasziniert wie das Kaninchen von der Schlange. Währenddessen ist die Situation der nicht-muslimischen Ägypter am Rande des Unerträglichen.

Ägypten

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Nun wird der Fall eines simplen Nachbarschaftskonfliktes bekannt, der, da er zwischen einem Kopten und einem Muslim stattfand, erwartungsgemäss in schweren Ausschreitungen gegen die christliche Minderheit endete. Ein Automatismus, der in den letzten Jahrzehnten im Land am Nil zur schrecklichen, aber hierzulande allzugern ignorierten Realität geworden ist.

Wie gut unterrichtete Kreise berichten, entstand die ganze Situation so: im mehrheitlich von Kopten bewohnten Dorf Elghoraizat, Maragha Distrikt/Sohag-Provinz, lagerte der koptische Bauzulieferer John Hosni einige Materialien vor seinem Haus, was, soweit bekannt, in Ägypten nicht illegal ist. Sein Nachbar, der laut direkten Angaben aus Ägypten wohl der Muslimbrüder-Partei „Gerechtigkeit und Freiheit“ angehört, sah darin einen „illegalen Versuch, das Haus auf öffentlichem Boden zu erweitern“. Anstatt den vermeintlichen Verstoss den Behörden zu melden und die Sache ihren Gang nehmen zu lassen, beschloss der Nachbar mit Namen Mahmud Abdel-Nasir, die Sache in die eigenen Hände zu nehmen und kam mit einem wütenden Mob aus Muslimbrüdern und Salafisten zu John Hosni, um dessen Laden und Haus abzufackeln.

Ab hier wird die Sache dann richtig übel, denn John Hosni „wagte es“, sein Eigentum zu verteidigen und schlug mit einem Holzknüppel auf den außer Rand und Band geratenen Nachbarn ein. Offensichtlich übertrieb es es dabei und so kam Mahmud Abdel-Nasir ins Krankenhaus und verstarb. Daraufhin schworen die Muslime, Abdel-Nasir nicht eher zu beerdigen, bis „Gerechtigkeit“ an John Hosni geübt worden sei. Was das bedeutet, zeigt wohl bereits die Tatsache, dass Hosnis Laden und Haus in Flammen aufgingen. Vermutlich wollten die Muslimbrüder nun das Gleiche auch mit ihm anstellen.

Nun brachen am 28. November 2011 die „unvermeidlichen“ Gewaltorgien gegen die Kopten in Elghoraizat aus, koptische Geschäfte wurden attackiert und geplündert, Kopten auf der Straße verprügelt, zwei von ihnen (die Brüder Kamell Tamer Ibrahim (55) und Kamil Tamer Ibrahim (50) ) starben dabei. Sie waren kein Teil des Streits zwischen Hosni und Abdel-Nasir. Mindestens drei weitere Christen mussten schwerverletzt in eine Klinik gebracht werden. Ein Augenzeuge, der dem Pogrom mit knapper Not entgangen  ist, aber aus verständlichen Gründen nicht namentlich genannt werden will, berichtet folgendes:

Sicherheitskräfte waren überall auf den Straßen. Sie schützten zwar die Kirchengebäude, aber sie taten absolut nichts, um das Töten, Anzünden und Plündern christlichen Eigentums zu verhindern.

Aus derselben Quelle stammt auch die Beobachtung, dass Salafisten ganz offen durch die Straßen von Elghoraizat patroullieren, Schusswaffen im Anschlag, um sich auf die Suche nach christlichen, potentiellen Opfern zu machen, während die Polizei danebensteht und sich in Untätigkeit übt. Es sollen sogar Blockaden vor den Ausfallstraßen errichtet worden sein, die sicherstellen, dass kein Christ den Ort verlässt und so den Massakern und Plünderungen entgehen kann. Das klingt insofern glaubwürdig, als bekannt ist, dass ähnliche Taktiken bereits im Dorf Elmarinab angewandt wurden. Zur Ehrenrettung der Ägypter sei erwähnt, dass einige, mutige Muslime den ein oder anderen Kopten in Lastwagen aus dem Ort „geschmuggelt“ haben, um sie vor dem Irrsinn ihrer Glaubensbrüder zu retten.

Der Aufenthaltsort von John Hosni ist noch unbekannt, obwohl Gerüchte sagen, er habe sich in Sicherheit gebracht. Sein ehemaliger Nachbar Mahmud Abdel-Nasir ist am Dienstag, den 29. November 2011 beerdigt worden. Die beiden erschlagenen Brüder Tamer wurden ebenfalls an diesem Tag bestattet, aus verständlichen Gründen konnte dies nicht in Elghoraizat passieren, sondern nur in Sohag.

Man verstehe mich nicht falsch: ich plädiere KEINESFALLS dafür, Gewalt auszuüben oder gar Menschen zu erschlagen. Tödliche Gewalt ist ganz sicher nicht durch die biblische Lehre des Christus legitimiert. Nur sollten auch Christen in Deutschland langsam aber sicher Überlegungen anstellen, ob, wann und in welcher Form sie dem Wahnsinn und dem Hass, der ihnen von vielen Seiten entgegenschlägt, begegnen und ihm widerstehen wollen. Wir sollten uns dabei an die „Bekennende Kirche“ der NS-Zeit erinnern, die ebenfalls dem absolut Bösen widerstand.  Die Frage stellt sich gelegentlich, ab wann man der Intoleranz nicht mehr mit Toleranz und Sanftmut begegnen kann, ohne den Fortbestand des Glaubens als solchem zu gefährden und sich selbst durch Schweigen an seinen Mitmenschen schuldig zu machen.
Wie dem auch sei: Wenn nun die „Freiheit und Gerechtigkeit“s-Partei demnächst in Ägypten die Macht übernimmt, dann dürfen wir wohl davon ausgehen, dass Kopten besser in anderen, „sicheren“ Ländern aufgehoben sein werden.

BITTE BETEN SIE TROTZ DER ENTMUTIGENDEN SITUATION WEITER FÜR ÄGYPTEN. BITTE BETEN SIE AUCH FÜR DIE KOPTISCHE MINDERHEIT, FÜR EIN ANWACHSEN DER VERNUNFT UND DER TOLERANZ GEGEN DEN SCHEINBAREN TREND ZU MEHR FANATISMUS UND WAHNSINN. IN DER AUGENBLICKLICHEN SITUATION KANN NUR DER HERR SELBST NOCH HELFEN.

(Quellen: „assist news service“ vom 30. November 2011 und „Kopten ohne Grenzen“ vom 29. November 2011)

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