Indonesien: Kirchen in der Nähe von Jakarta werden bedroht

Indonesien, das Land der „Pancasila“ wird immer mehr zu einem schwierigen Pflaster für religiöse Minderheiten. 

Indonesien

Das Prinzip der „Einheit in Diversität“, die sogar durch die indonesische Verfassung zum Audruck gebrachte „Pancasila“, wird durch radikalislamische Strömungen im Land immer mehr ausgehölt. Wie unlängst bekannt wurde, haben Angehörige der „Front Pembela Islam“ (FPI) auf einer öffentlichen Kundgebung in Bekasi sechs in der Umgebung liegende, christliche Kirchen mit Anschlägen bedroht. Bekasi ist ein Vorort  der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Die glücklicherweise umgehend informierte Polizei liess daraufhin die betroffenen Kirchen in den umliegenden Dörfern präventiv schließen.

Im Anschluss an das islamische Freitagsgebet  am 25. November 2011, kam es zu größeren Zusammenrottungen von indonesischen Muslimen unter dem Banner der FPI. Beobachter sprechen von einer „organisierten Aktion“ gegen angeblich „illegal erbaute“ Kirchen evangelikaler Gemeinden. Bislang war es jedoch zu keinerlei Protesten oder Widerständen in den betroffenen Gemeinden gegen die Ansiedlung von christlichen Gemeinden gekommen. Die FPI-Aufwiegler drohten den Kirchen mit dem warmen Abriss in den Worten, dass entweder der Staat die Gebäude demolieren solle, „oder wir werden das tun.“

In Vororten Jakartas wie Bekasi oder dem leider zu unangenehmer Berühmtheit erlangten Bogor kommt es in den letzten Jahren immer wieder zu Konflikten zwischen radikalislamischen Interessengruppen und diversen christlichen Gemeinden. Den Kirchen wird von den Scharfmachern auf der anderen Seite immer wieder „Proselytenmacherei“ (wir nennen das Evangelisation) und illegaler Neubau von Kirchengebäuden vorgeworfen.  Indonesien hat sehr strenge Richtlinien bezüglich der Errichtung nichtislamischer Gebets-Stätten. Wie der Fall der Yasmin-Gemeinde von Bogor aber beweist, ist selbst bei Einhaltung aller Richtlinien der Gesetze, nicht sicher, dass Christen ihr Recht auch durchsetzen können, wenn es lokalen Fanatikern nicht gefällt.

Der Sekretär für „interreligiösen Dialog“ der indonesischen Bischofskonferenz, Pater Benny Susetyo, sagte dazu:

Die Hauptursache, die das friedliche Zusammenleben der Religionsgemeinschaften in Indonesien behindert ist die Präsenz radikalislamischer Gruppen, wie die FPI. Die Regierung sollte entschiedener vorgehen, wenn es darum geht, die Aktionen solcher Gruppen zu stoppen und den Rechtsstaat und die grundlegenden Prinzipien der Pankasila zu garantieren. Ich hoffe, dass die internationale Staatengemeinschaft die indonesische Regierung zur Achtung der Religionsfreiheit ermahnt. Das Problem des Radikalismus existiert heute in der islamischen Welt.

Aus dem Ort Manado auf der Insel Sulawesi wird inzwischen bekannt, dass auch dort die Existenz zweier Kirchen gefährdet ist. Vor ungefähr einem halben Jahrhundert hatte ein örtlicher Grundbesitzer zwei seiner Grundstücke an christliche Kirchen abgetreten. Seine Erben pochen nun seit einiger Zeit auf die Rückgabe der Grundstücke und den Abriss der Kirchengebäude. Ein Gericht hat ihnen mittlerweile Recht gegeben und die Gemeinden angewiesen, ihre Gotteshäuser bis zum Ende des Jahres abzureissen. Mitglieder der Gemeinden wollen jetzt einen zivilen Protest gegen diese Massnahmen beginnen.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE GEMEINDEN INDONESIENS. IHR WACHSTUM UND IHR WOHLERGEHEN DÜRFEN UNS NICHT GLEICHGÜLTIG SEIN. BETEN SIE BITTE AUCH FÜR FRIEDEN UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DER PANCASILA IM LAND.

(Quelle: „fidesdienst“ vom 28. November 2011)

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Ein Gedanke zu “Indonesien: Kirchen in der Nähe von Jakarta werden bedroht

  1. Das Ansteigen der Feindseligkeiten gegen alle nicht-islamischen Glaubensgemeinschaften in Indonesien scheint einen Trend darzustellen, der nur schwer aufzuhalten sein wird. Das Jahrzehntelang gut funktionierende Prinzip der „Pankasila“ (Einheit in ethnischer und religiöser Diversität) Indonesiens scheint langsam aber sicher zu Gunsten einer konfliktträchtigen Abgrenzungs-Strategie aufgegeben zu werden. Der Multi-Kulti-Traum ist ausgeträumt in Südostasien. Das sollte uns auch hier in Europa zu denken geben.

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