Algerien: Bürger schließen sich zusammen für Siagh Krimo

Der Fall des algerischen Christen Siagh Krimo, der wegen „Beschimpfung des Propheten Mohammed“ verurteilt wurde, ist international vielleicht etwas weniger bekannt, aber es hat sich jetzt eine durchaus interessante Wende in der öffentlichen Rezeption in Algerien ergeben. 

Siagh Krimo

Erinnern wir uns: Siagh Krimo hatte im Frühjahr einem Nachbarn eine DVD mit christlichen Inhalten übergeben und sich ganz allgemein über religiöse Themen mit ihm unterhalten. Am 14. April 2011 wurde Krimo daraufhin in Oran inhaftiert und zunächst für drei Tage festgehalten. Am 05. Mai 2011 wurde er schließlich nach Artikel 144 des algerischen Strafrechts wegen „Beschimpfung des Propheten Mohammed“ verurteilt, nachdem sein Nachbar eine entsprechende Behauptung aufgestellt hatte. Die Strafe wurde auf fünf Jahre Haft und 200.000 Dinar (2.700 US-Dollar) Geldstrafe ausgesprochen. Krimo legte umgehend Revision dagegen ein.

Sein Anwalt, Muhammad Ben Belkacem, sagte zu den Umständen des Verfahrens folgendes gegenüber der Zeitung „Liberté“ aus:

Das entscheidende Argument, das zur Verurteilung meines Mandanten geführt hat, wurde durch keinerlei Beweise unterstützt.  Sogar derjenige, der ihn beschuldigt, wurde niemals vor Gericht gesehen, geschweige denn die notwendigen Beweise. Mein Mandant bestreitet dagegen vehement, die besagten Äußerungen getan zu haben.

Nun wurde, bevor das Revisionsverfahren begann, eine Demonstration von Menschenrechtlern aller Religionen vor dem algerischen Justizministerium in Algier abgehalten. Die Menschenrechtsgruppen verlangten eine Aufhebung des Urteils und eine Freilassung Siagh Krimos. Sie sehen nämlich das Urteil als grundlegende Verletzung der verfassungsmäßigen Rechte eines Mitbürgers an. Als die Menge größer wurde und wohl auch lautstärker, ließ sich ein Subalternbeamter sogar dazu herab, mit der Menge zu reden und sie durch gutes Zureden zu beschwichtigen. Auf die Initiative des Justizministeriums ist wohl auch die daraufhin erfolgte Verschiebung des Revisionsverfahrens zurückzuführen.

Eine muslimische Studentin, die nur unter ihrem Vornamen „Selma“ bekannt ist, gab in einem Spontaninverview gegenüber der Zeitung „El-Watan“ folgende Statements ab:

Jeder Algerier hat das Recht, ob Jude oder Christ, so zu leben wie jeder Muslim.  … Ein Christ hat absolut das gleiche Recht, einem Muslim eine Bibel zu geben, wie ein Muslim, einem Christen einen Koran. Früher gab es solche Verfahren (wie das von Siagh Krimo, Anm. d. Verf.) nur in der Kabylei, jetzt sind sie schon in Oran, wo soll das noch enden ?

Algerien

Algerien hat nur eine verschwindend kleine, christliche Minderheit aufzuweisen. Die Hilfsorganisation „open doors“ schätzt diese auf ca. 22.500 Christen im ganzen Land. Üblicherweise sind solche winzigen Minderheiten in islamischen Ländern schwerster Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt (Afghanistan, Marokko, etc.). Im open doors „Weltverfolgungsindex“ steht Algerien auch immerhin auf Platz 22.  In den letzten Monaten hat es jedoch das ein oder andere positive Signal gegeben.

Die bereits erwähnte Demonstration macht immerhin einen möglichen Trend zur wachsenden Akzeptanz der christlichen Minorität sichtbar. Am 18. Juli 2011 erhielt die EPA (Evangelische Kirche Algeriens) die Erlaubnis, sich um die offizielle, staatliche Registrierung zu bewerben. Ein kleines, aber positives Signal, nachdem in der Vergangenheit des öfteren Christen wegen „Vergehen“ wie „Nichtbeachten des Fastenmonats Ramadan“ o. ä. verurteilt wurden. Beobachter machen jedoch die folgende Differenzierung: die algerische Bundesregierung und deren Behörden würden den Menschenrechten durchaus Rechnung tragen, aber lokale und regionale Institutionen handeln oftmals nur aus der persönlichen Überzeugung oder religiösen Ansicht ihrer Mitglieder heraus.

BITTE BETEN SIE FÜR WEITERE POSITIVE SIGNALE AUS ALGERIEN.

(Quelle: „assist news service“ vom 23. November 2011)

update vom 01. Dezember 2011:

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM) und die evangelische Nachrichtenagentur „idea“ haben Siagh Krimo (eigentlich Abdelkarim Siaghi) zum „Gefangenen des Monats Dezember 2011“ gemacht. Sein Schicksal ist also nicht unbeobachtet geblieben !

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Ein Gedanke zu “Algerien: Bürger schließen sich zusammen für Siagh Krimo

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