USA: die Hälfte aller Pastoren wollen nicht über die Christenverfolgung reden !

Aus den Vereinigen Staaten von Amerika kommt eine erschreckende, wenn auch nicht überraschende Nachricht: knapp 50 % aller Pastoren wollen laut einer Umfrage, in ihrer Gemeinde nicht über Christenverfolgung sprechen !

Offen gesagt: nach den Erfahrungen, die ich in meiner Heimatstadt gemacht habe, überrascht dieses Ergebnis nicht. In meiner Stadt würde die Zahl wohl eher noch deutlich höher sein, wenn ich die Erfahrungen der letzten Monate richtig deute. Aber erst einmal zurück zur Umfrage in den USA:

Die christliche Hilfsorganisation „open doors“ hat in den USA eine Umfrage beim Unternehmen „Bama Research Associates“ in Auftrag gegeben. Darin wurden sowohl Kirchgänger als auch Pastoren zum Thema der Christenverfolgung befragt. Den Gemeindeleitern wurde die einfache Frage gestellt, ob sie bereits über die Leiden der Christen in anderen Ländern gepredigt hätten, oder dies beabsichtigten. Dazu wurden ihnen mehrer Antwortmöglichkeiten eröffnet. Das Ergebnis ist, so der Präsident von „open doors“ USA, Carl Moeller, besorgniserregend.
48 % aller antwortenden Gemeindeleiter gaben an, keinerlei Absicht zu haben, das Thema der Christenverfolgung jemals in eine Predigt einzubauen oder in ihrer Gemeinde anzusprechen.  Einige wenige gaben an, sich dies „irgendwann“ einmal vorstellen zu können. „Irgendwann“ ist natürlich der St. Nimmerleins-Tag. Somit haben ca. 52 % der US-Gemeindeleiter kein Interesse am Leid ihrer Geschwister, so bitter es ist, dies eingestehen zu müssen. Die Zahlen in deutschen Gemeinden wären wohl noch enttäuschender, aber auch das kann keine Entschuldigung für die US-Pastoren sein. Denn der zweite Teil der Umfrage zeigt ein deutliches Missverhältnis zwischen Pastoren und Gemeinden.

Die Umfrage ergab, dass 74 % aller regelmässigen Kirchenbesucher in den USA gerne etwas über Christenverfolgung erfahren würden. Auch dies deckt sich mit meinen Beobachtungen. Wenn man mit Christen spricht, können sie oftmals kaum glauben, was man ihnen über die Situation von Christen in Indien, Nordkorea oder Pakistan berichten muss. Aussagen wie „Wir haben ja gar nichts davon gewusst“ hört man öfter, als es einem lieb ist. Die Verantwortung gebe ich an dieser Stelle den Medien, die das Thema nur ungern und nur selten (etwa nach verheerenden Bombenanschlägen in Nigeria oder Ägypten) aufgreifen und den Pastoren, denen die Solidarität im Leib Christi nichts gilt, sondern nur „ihr Gemeindewachstum“, die Finanzmisere o. ä. wichtig ist. Carl Moeller sagt zu den Ergebnissen:

Die Menschen (in den Gemeinden, Anm. d. Übers.) sind wirklich hungrig, sie wollen etwas wissen, sie wollen beten. Sie wollen etwas tun, über die Situation sprechen zu Gunsten der verfolgten Christen, wo immer es ihnen möglich ist.

Warum ist das so ?  Warum erfahren Christen die Wahrheit oft nicht ?

Der Nahost-Beobachter der Christlichen Monitorgruppe „International Christian Concern“ (ICC), Aidan Clay, sagt, dies Problem komme „von den Kanzeln“.

Die verfolgte Kirche erinnert uns daran, dass die Entscheidung, Christus zu folgen, eine absolute ist. Sie erinnert uns daran, dass Christus uns Verfolgung vorausgesagt hat („Joh. 15, 20“ Anm. d. Übers.)  und dass das christliche Leben nicht dafür gedacht ist, um allzuleicht zu sein.

Clay merkt ausserdem an, dass aus den genannten Gründen, die Realität über die verfolgten Kirchen „unpopulär“ sei.

Das ist eine harte Lehre zu ertragen, für viele amerikanische Gemeinden, die sich um „Selbst-Verbesserung“ und „Wohlfühl-Predigten“ drehen. Möglicherweise haben Pastoren Angst davor, dass das Thema der Christenverfolgung selbstzufriedene Christen oder Menschen, die nicht so recht wissen, was sie eigentlich glauben, aus den Kirchen treibt.

so Aidan Clay. Aber das stimme nicht. Clay beobachtet stattdessen etwas anderes.

Ich habe festgestellt, dass, wenn ich mit Christen im Westen spreche, das Gegenteil wahr ist. Wenn sie die Geschichten der verfolgten Kirchen hören, werden Christen im Westen lebendig, wollen beten und sie suchen Wege, um zu helfen und Bewusstsein zu schaffen. (Anm. d. Übers. : Der Mann hat Recht. Es war bei mir ganz genau so.)

Carl Moeller von „open doors“ bestätigt die Aussagen von Aidan Clay und sagt außerdem:

Die Verfolgung lehrt uns, was die globale Kirche, die leidende Kirche an Erfahrungen macht, die wir vergessen haben. Ich denke, da gibt es ein Missverhältnis.
Es gibt eine große Inspiration, die davon ausgeht, was die verfolgten Kirchen durchmachen.

Bitte gestatten Sie mir dazu noch ein paar persönliche Worte: 

Vorweg eine wichtige Mahnung des Apostels Paulus.

Kümmert euch um alle, die wegen ihres Glaubens gefangen sind. Sorgt für sie wie für euch selbst. Steht den Christen bei, die verhört und misshandelt werden. Leidet mit ihnen, denn es kann euch jederzeit genauso ergehen.“

(Hebräer 13, 3 Hoffnung für Alle)

Dieses Wort wird auch in deutschen Gemeinden eher wenig gepredigt. Die Mahnung des Apostels zur innerchristlichen Solidarität wird nur gar zu gern ignoriert, die theologischen Differenzen zwischen Denominationen und Konfessionen vorgeschoben, um sich gegeneinander abzugrenzen und jede Initiative zur „Bewusstseinsbildung“ über die Gefahren für die Christen weltweit erst einmal abzulehnen. In diesem Zusammenhang ist es auch kein Wunder, dass in vielen Weltregionen unser Glaube wächst, nur in Europa und Nordamerika nicht.

Mir selbst wurde z. Bsp. immer wieder die Frage gestellt: „Aus welcher Kirche kommen Sie denn ?“, wenn ich mit Pastoren oder sonstigen Funktionsträgern über die Teilnahme an Gebeten für verfolgte Christen sprechen wollte.  Da versuchten meine Ansprechpartner erstmal abzuklopfen, aus welcher kirchlichen oder spirituellen Tradition mein eigenes Glaubensleben entstammt, um dann Gründe zu finden, das Anliegen als solches abzulehnen. Aber auch ich glaube, wie Carl Moeller und Aidan Clay in den USA, dass die Geschichten der Christen, die unter schlimmsten Umständen an ihrem Bekenntnis zu Christus festhalten, für uns zur Inspiration werden können.

Menschen wie Asia Bibi, Youcef Nadarkhani, Omar Gude Perez, Gao Zhisheng und viele (zu viele) andere können uns zeigen, wie billig wir unseren Glauben bekommen und wie dankbar wir dafür sein müssen !  Muten wir den Gemeinden, den Pastoren und Bischöfen die Wahrheit zu, dass Verfolgung Teil des Christenlebens ist, wie es uns Jesus in Johannes 15, Vers 20 gesagt hat:

Deshalb werden sie euch verfolgen, wie sie mich verfolgt haben.” (Joh. 15, 20)

Blenden wir das aus, dann belügen wir uns selbst und werden unserem Christsein nicht vollkommen gerecht !

IN DIESEM SINNE BITTE ICH SIE VON GANZEM HERZEN: BITTE BETEN SIE REGELMÄSSIG FÜR DIE VERFOLGTEN CHRISTEN. REDEN SIE ÜBER DEREN SCHICKSAL MIT ANDEREN GLÄUBIGEN AUCH WENN SIE DEN RUF BEKOMMEN „EINE NERVENSÄGE“ ZU SEIN. BITTE UNTERSTÜTZEN SIE AUCH ALLE INITIATIVEN, DIE VERFOLGTEN CHRISTEN ZU GUTE KOMMEN UND INFORMIEREN SIE SICH (Z. BSP. IN DIESEM BLOG). WENN SIE MÖGEN UND KÖNNEN: BITTE HELFEN SIE AUCH UNS, DEM BGVK, DIE BOTSCHAFT WEITERZUGEBEN.

(Quelle: „world net daily“ vom 05. November 2011)

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5 Gedanken zu “USA: die Hälfte aller Pastoren wollen nicht über die Christenverfolgung reden !

  1. Warum sollten denn die Zahlen in Deutschland noch schlimmer sein, als in den USA? (Ihr Wortlaut: Die Zahlen in deutschen Gemeinden wären wohl noch enttäuschender). Machen Sie doch mal eine Umfrage. Ich erlebe das ganz anders.

    • Gut, ich gebe es zu: ich bin „Berlin-geschädigt“, denn hier in der Hauptstadt renne ich mit dem Kopf gegen Wände, wenn ich das Thema auch nur andiskutieren will. Einzig die Kopten und andere „ethnische“ Gemeinden kennen das Problem, machen aber auch ganz schnell dicht, wenn es mal nicht um „ihre“ Kirche geht. Bisher ist noch wenig Gemeinde-übergreifende Solidarität erkennbar. Aber als Christ gibt man die Hoffnung ja nie auf. 🙂

      Vielleicht schoss ich also ein wenig übers Ziel, wenn ich schrieb, dass es im ganzen Land genauso sei. Ich bin immer an positiven Beispielen interessiert und würde mich sehr freuen, wenn Sie mir von Ihren guten Erfahrungen und Initiativen berichten würden. Davon mache ich gerne Berichte, die inspirierend wirken können. Ausserdem bin ich gerne mit solchen Geschwistern im Kontakt. bis dann – Martin

  2. Sehr guter Beitrag. Danke! Gebet für verfolgte Christen hat viel mit Erweckung zu tun, die wir in Deutschland so dringend brauchen. Gebet für unsere leidenden Geschwister öffnet unser Herz für das tiele Wirken des Heiligen Geistes und macht uns brennend.
    Hartmut

    • Ein wahres Wort, lieber Hartmut ! Wer sich mit den Leiden der Christen an anderen Orten der Welt befasst, zieht die „Blende“ ganz weit auf und fängt irgendwann an, Dinge völlig anders zu sehen. Wenn man zuvor oftmals mit den kleinen (oder auch großen, das will ich zugeben) Problemen der eigenen Gemeinde oder des privaten Glaubenslebens befasst war, dann relativieren sich jetzt plötzlich so viele Dinge und werden teils sogar unwichtig. Das war zumindest bei mir der Fall.

  3. Pingback: Sind die USA noch ein christlich geprägtes Land? « kopten ohne grenzen

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