Syrien: Metropolit von Aleppo ist besorgt

Syrien steht vor einem Umsturz. Das Regime der Baath-Partei unter der Familie Assad scheint zu wanken, die Aufstände weiten sich aus. Soweit sind die Fakten bekannt.

Syrien

Was bedeuten diese Dinge aber für die Christen in Syrien ? Bisher war wenig über die Sorgen der christlichen Minderheit in Syrien angesichts der angespannten,  innenpolitischen Lage bekannt. Berichte darüber, dass Christen von Aufständischen dazu gezwungen worden wären, an Anti-Assad-Protesten teilzunehmen, oder als „Feinde des Volkes“ angesehen zu werden (was selbstverständlich einer Androhung von Gewalt und Vertreibung nahekommt), war eines der wenigen Dinge, welche ihren Weg in die christlichen Nachrichten fanden.

Aber auch erste Zeichen der Besorgnis von Beobachtern waren bereits seit Monaten erkennbar. (Siehe hierzu unseren Artikel aus dem Mai.) Damals äußerte ein Missionar große Sorgen vor einer Verschärfung der Lage für die Christen, wenn das Regime Assad fällt.

Denn schon der Vater des jetzigen Präsidenten, Hafiz el-Assad, war einerseits zwar ein großer Freund des Mullah-Regimes im Iran, aber andererseits ein brutaler Gegner der sunnitischen Fundamentalisten, die er zeitweise mit äußerster Härte verfolgen ließ. Diese Linie hielt sich unter seinem Sohn, Bashar el-Assad und dessen Baath-Partei, in der sogar Aleviten und Christen wichtige Posten einnehmen durften. Diese relative „Toleranz“ ist nun in Gefahr durch die, von Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten inspirierten und finanzierten, sunnitischen Aufstände. Auch das Rachegefühl für die Jahrzehnte der Unterdrückung von politischem Sunni-Islam dürfte eine wichtige Triebfeder der Revolten in Syrien sein.

In dieser Gemengelage drohen die Christen, die ca. 15 % der Einwohnerzahl des Landes stellen, nun entweder zwischen den Interessengruppen zerrieben oder gar vertrieben zu werden. Der Metropolit von Aleppo, Yohanna Ibrahim Gregorios, der sich auf einer Tagung in Wien befand, zeigte sich in jedem Falle sehr besorgt über ein mögliches Aufkommen des sunnitischen Extremismus. Kath.net berichtet dazu:

Die Christen in Syrien betrachten die gegenwärtigen Proteste und Auflehnungen gegen das Regime Baschar al-Assad mit „großer Sorge“.  Zwar seien mehr Demokratie, mehr Rechtsstaatlichkeit und freie Wahlen wünschenswert, der Weg dorthin müsse aber nicht notwendigerweise über „blutige Proteste“ führen. Zugleich erinnerte der Metropolit daran, dass das Regime gerade für die Religionsgemeinschaften auch ein „hohes Maß an Sicherheit und Stabilität“ gebracht habe.

Eine Feststellung, die erstaunlich oft aus den Ländern der „Arabellion“ zu hören war. Zwar war man nicht frei und hatte massive Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten unter Autoritären Figuren wie Mubarrak, Ben-Ali etc. hinzunehmen, aber die Sicherheit für ethnische und religiöse Minderheiten war oftmals größer als nach den erfolgreichen Umstürzen. Auch das sollten wir hier in Europa wissen, registrieren und entsprechend darauf reagieren.

 Was kein Christ in Syrien wolle, seien Zustände wie im Irak. Auch das Beispiel Ägypten sei bisher nicht überzeugend, weil nicht feststehe, ob es dort wirklich zu einer Demokratie komme. Sorgen bereiteten den Christen vor allem eine drohende „Welle der Islamisierung“ in einem post-revolutionären Syrien. Diese sei für die Christen bereits jetzt zu spüren.

Leider wurde der Metropolit hier nicht präziser, vielleicht auch aus Rücksicht auf seine Schäfchen.

Gegen diesen „neuen, vor allem von außen nach Syrien importieren Fundamentalismus“ setze das Christentum auf einen „Dialog des alltäglichen Lebens und der Praxis“.

Gregorios plädiert hier also für Pragmatismus im alltäglichen Zusammenleben. Hoffen wir, dass sich wie in der Vergangenheit genügend syrische  Muslime finden, die diesen Ansatz teilen wollen.

BITTE SCHLIESSEN SIE AUCH DIE SYRISCHEN KIRCHEN IN IHRE FÜRBITTE FÜR FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT EIN. WENN SICH DIE ENTWICKLUNGEN ANDERER LÄNDER IN DIESEM SCHLÜSSELLAND FÜR DIE FRIEDLICHE ENTWICKLUNG DER REGION FORTSETZEN, DANN KÖNNTE ES FÜR DIE URALTEN CHRISTLICHEN GEMEINSCHAFTEN IN ZUKUNFT ENG WERDEN.

(Quelle: „kath.net“ vom 10. November 2011)

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