Pakistan – Hintergrund: Warum gibt es soviel religiös motivierte Gewalt im Land ?

Der Dominikanerpater James Channan, Leiter des  „Dominican Peace Center“ in Lahore, sprach unlängst mit dem katholischen „fidesdienst“ über die Gründe für die Zunahme der antichristlichen Gewalttaten und der grundsätzlichen Diskriminierung von Christen in Pakistan.

Pakistan

Anlässlich der Präsentation des Berichtes einer unabhängigen Komission zu diesen Themen mit dem Namen „zählt die Fakten zusammen“, kommentierte Pater Channan, der sich seit Jahrzehnten im Bereich Bildung und „interreligiöser Dialog“ engagiert, die darin aufgezählten Sachverhalte. Er bestätigte die Richtigkeit einiger Schlussfolgerungen, die der Bericht zog, und sagte dann:

 Die Islamisierung der Schulbücher in Pakistan begann unter dem Diktator Zia-ul-Haq. Sie wurde von den nachfolgenden Regierungen fortgesetzt, einschließlich der jetzigen Regierung unter Leitung der Pakistan People’s Party, die nie das Durchsetzungsvermögen zur Einleitung einer Schulreform hatten, da radikalislamische Gruppen und religiöse Parteien entsprechenden Druck ausübten. Die Regierung ist schwach: sie ist nicht in der Lage und hat nicht die Absicht, sich gegen den Einfluss dieser Gruppen zu wehren. Wir hätten Reformen erwartet, doch dies hat nicht stattgefunden, weil das Land in den vergangenen Jahren zunehmend unter dem Einfluss der Taliban stand, was große Schäden für religiöse Minderheiten und die Demokratie als solche mit sich brachte.

Eine klare Aussage zur Situation im pakistanischen Bildungssystem, die fatal an die ägyptischen Schulen erinnert, wo ebenfalls der Hass und die Verachtung auf Nichtmuslime zu den anerkannten Bildungsinhalten gehören. Aber nun mehr von Pater Channan über den Bildungsalltag in Pakistan:

 In den Schulbüchern, die in staatlichen Schulen benutzt werden, wird Intoleranz offen gefördert und der Islam als höher stehende Religion dargestellt. Gleichzeitig wird von anderen Religionen ein negatives Bild vermittelt. Wir machen uns große Sorge, was diesen Ansatz anbelangt: diese Ideen, die von der Grundschule bis zur Universität im Rahmen der so genannten „Islamstudien“ vermittelt werden, aber auch in der Sozialwissenschaft üblich sind, führen zu einer Desorientierung und Manipulierung junger Menschen.

Und weiter:

Die katholischen Bischöfe und viele Einrichtungen, die sich im Bildungswesen engagieren, haben immer wieder öffentlich auf diese Probleme hingewiesen und Empfehlungen an zuständige Stellen, wie zum Beispiel das Bildungsministerium, abgegeben. Diese Empfehlungen wurden zwar entgegengenommen, doch wenn es darum geht Revisionen oder Änderungen auf den Weg zu bringen, so finden diese nicht statt. Grund dafür ist die Einflussnahme fundamentalistischer Gruppen.

So sieht die Realität in Pakistan aus, angeblich ein Verbündeter des „Westens“ im Kampf gegen den Terror, in Wahrheit aber selbst eine Quelle des Hasses und der Gewalt. Wer jetzt noch glaubt, dass sich Osama bin Laden „zufällig“ in Abottabad, Pakistan, aufhielt, der denke doch bitte noch einmal in Ruhe darüber nach. Abschließend sei noch einmal der fidesdienst zitiert:

Zum Engagement der christlichen Glaubensgemeinschaft im Bildungswesen (Pakistans !) sagt der Dominkanerpater abschließend: „Es gibt zwar christliche Schulen und Kollegien aber keine christlichen Universitäten, obschon diese dringend notwendig wären. Viele muslimische Politiker wurden an christlichen Schulen ausgebildet: darunter der heutige Premierminister Raza Gilani, der die Schulen der Dominikaner und La Salle-Schulen in Multan besuchte. Es sollte mehr für die Minderheiten getan werden: wir brauchen nicht nur schöne Worte, sondern auch konkrete Taten und dazu gehört eine Reform des staatlichen Bildungssystems“.

Wo solche Rahmenbedingungen herrschen, da ist die Gewalt gegen christliche Frauen, christliche Landbesitzer, Schulen oder Hilfsorganisationen praktisch vorprogrammiert und die Ausschreitungen, über die wir auch hier beim BGVK des Öfteren berichten müssen, sind eine logische Folge dieser Erziehung.

BITTEN SIE IM GEBET DOCH EINMAL UNSEREN HIMMLISCHEN VATER DARUM, DEN MÄCHTIGEN IN PAKISTAN WEISHEIT UND KRAFT FÜR EINE UMKEHR VON IHREM IRRWEG ZU GEBEN. DAMIT ALLE RELIGIONEN DORT ÜBERLEBEN KÖNNEN.

(Quelle: „fidesdienst“ vom 09. November 2011)

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