Elfenbeinküste: Angriffe auf Kirchen mehren sich !

„Nachtigall, ick hör dir trapsen.“, sagt der Berliner, wenn er eine böse Ahnung von Unheil hat. Aus der Elfenbeinküste kommt ein Trapsen, das ein echter Berliner wie ich nicht überhören kann.

Elfenbeinküste

Aber gehen wir erst einmal ein bischen zurück in der Zeit. Die Elfenbeinküste hat eine schwierige Zeit hinter sich. In dem religiös noch relativ breit aufgestellten Land ist der Islam mit ca. 38 % aller Einwohner mittlerweile die größte Religionsgruppe, da durch eine Mischung aus Zuwanderung aus den islamisch geprägten Nachbarländern und Missionierung unter den Anhängern traditioneller, afrikanischer Religionen mittlerweile ein Übergewicht vor allem in den nördlichen Landesteilen erzielt wurde (was wiederum fatal an das nicht gar so weit entfernte Nigeria erinnert, ein Schelm, wer Böses dabei denkt).

Dies vorausgeschickt, muss angemerkt werden, dass die Elfenbeinküste praktisch seit dem Ende der Militärdiktatur im Jahre 2000 ein zweigeteiltes Land ist. Protagonisten dieser Auseinandersetzung, die bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen ging, waren die Herren Laurent Gbagbo und Alassane Ouattara. Laurent Gbabgo, ein Christ, stand für die traditionellen ivorischen Eliten, für den Süden, für eine gewisse Stabilität, aber auch Unbeweglichkeit in politischen Grundsatzfragen. Alassane Ouattara, ein Muslim aus Burkina Faso, steht für den permanenten Angriff auf traditionelle Eliten und eine „neue Ordnung“, in der vor allem die muslimischen Zuwanderer mehr Rechte bekommen sollen.

Damit will ich den Exkurs in die Zeitgeschichte auch schon fast wieder beenden, liebe Leser, Sie können bald wieder aufwachen ! 🙂 Die innenpolitischen Auseinandersetzungen in der Elfenbeinküste eskalierten jedenfalls nach den Wahlen im Jahre 2010 in einem Bürgerkrieg, da der angeblich abgewählte Präsident Gbagbo nicht still und stumm verschwinden und sich geschlagen geben wollte.

Dazu muss angemerkt werden, dass zwar die UN Ouattara als Sieger der Wahl anerkannte, aber massive Wahlfälschungen, vor allem im muslimischen Norden des Landes, bei dieser Bewertung unberücksichtigt blieben. Es wurde den eklatantesten Fällen (Stimmabgabe von mehr Wählern als Einwohner, Ergebnisse von 99,9 % etc.) nicht einmal nachgegangen. Wie auch immer, Frankreich griff mit Wohlwollen der internationalen Gemeinschaft in den Bürgerkrieg ein, bombte mit Hubschraubern Herrn Ouattara ins Amt (erinnert uns das an die Art und Weise, wie die Scharia jetzt in Libyen installiert wurde ?) und Laurent Gbagbo wurde medienwirksam im Unterhemd verhaftet, falls Sie sich noch an die TV-Bilder erinnern mögen.

Sehr langer Vorrede, kurzer Sinn: jetzt berichtet der Leiter der Pressestelle der Erzdiözese Abidjan, Pfarrer Augustin Obrou, über die zunehmende Gewalt gegen Kirchen. Hier höre ich eine Nachtigall. Wer noch ? Ja, es ist Pfarrer Obrou, auch wenn er Ross und Reiter noch nicht beim Namen nennen mag:

Allein in Abidjan wurden in zweieinhalb Monten rund 40 Kirchen und kirchlichen Einrichtungen von kriminellen Banden überfallen. Dies ist beeindruckend. Es stimmt zwar, dass nach dem Ende des Bürgerkriegs noch allgemeine Unsicherheit herrscht, doch die Tatsache, dass so viele kirchliche Kultstätten und Einrichtungen in so kurzer Zeit überfallen wurden lässt vermuten, dass es auch andere Motive gibt, die über den einfachen Diebstahl hinausgehen. Wir wissen nicht ob es politische oder religiöse Gründe sind, aber wir haben den Verdacht, dass sich hinter diesen Episoden auch andere Gründe verbergen.

Auch er hört die Nachtigall. Hören wir sie auch ? Und Pfarrer Obrou sagt weiterhin:

Die Überfälle haben Ende August begonnen und finden auch gegenwärtig in den verschiednen Teilen Abidjans statt. Auch in anderen Teilen des Landes wurden Einrichtungen der katholischen Kirche überfallen. Im September drangen Diebe sogar in die bischöfliche Residenz in San Pedro ein.
Wir haben uns mit dem Präsidenten Ouattara und mit dem Verteidigungs- und Innenminister getroffen und auf diese Situation hingewiesen. Es wurden Polizeibeamtet und Gendarmen vor einigen Pfarreien stationiert, doch es kommt weiterhin zu Überfällen.

Der letzte Satz erinnert mich an einen Bericht, den ich aus Nigeria bekam und den ich Ihnen HIER noch einmal ans Herz lege. Es geht um die Verstrickung von Sicherheitskräften und muslimischen Extremisten.

Nun, liebe Leser, machen Sie sich Ihr eigenes Bild. Aber beachten Sie dabei alle Fakten und Hintergründe. Solange…

BITTE BETEN SIE FÜR FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT IN DER ELFENBEINKÜSTE SOWIE FÜR DIE EINHALTUNG DER MENSCHENRECHTE. DIE KONFLIKTE DER LETZTEN JAHRZEHNTE HABEN TIEFE NARBEN HINTERLASSEN, DIE HEILEN MÜSSEN, DAMIT DAS LAND EINE GUTE ZUKUNFT HABEN KANN.

(Quelle: „fidesdienst“ vom 09. November 2011)

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Ein Gedanke zu “Elfenbeinküste: Angriffe auf Kirchen mehren sich !

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