Charaktere: Richard Wurmbrand – „gefoltert für Christus“

Der verstorbene Pastor Richard Wurmbrand hatte eine interessante, einmalige Lebensgeschichte. Die Schlüsse, die er aus dem, was er durchmachen musste, zog, führten ihn hin zur Arbeit für die unterdrückten Christen im kommunistischen Osteuropa.

Richard Wurmbrand

Richard Wurmbrand wurde am 24. März 1909 in Bukarest als vierter Sohn in eine deutsch-jüdische Familie geboren. Sein Vater starb bereits 9 Jahre später. Als Jugendlicher sei er „ein glühender Kommunist und Atheist“ gewesen, so bekannte er später in seinem Leben offen. Aufenthalte in Moskau, wo er zum Einflussagenten ausgebildet wurde, wechselten mit Gefängnisaufenthalten in Rumänien ab. In den 30er Jahren soll er als zwielichtiger Geschäfts- und Lebemann in Bukarest sein Leben verbracht haben.

Am 26. Oktober 1936 heiratete er Sabina Oster. Das Ehepaar bekam 1938 ihr einziges Kind, den Sohn Michael. Bereits 1937 bekehrte er sich zu Christus nach einer Begegnung mit dem deutschstämmigen Zimmermann (sic !) Christian Wolfkes. Die Familie schloss sich der „Anglikanischen Mission für die Juden“ an, wo Richard Wurmbrand auch zum ersten Male zum Pastor ordiniert wurde (ein zweites Mal geschah das nach dem Zweiten Weltkrieg als Lutheranischer Geistlicher).

Während der sowjetischen Okkupation Rumäniens und in den Zeiten des sich langsam stabilisierenden, kommunistischen Regimes im Land begann Wurmbrand seinen Dienst und gab das Evangelium an spirituell interessierte Rumänen und sogar an Soldaten der Roten Armee weiter. Als sich abzeichnete, dass die rumänischen Kirchen immer stärker staatlich kontrolliert wurden, handelte Wurmbrand oftmals im Geheimen.

Am 29. Februar 1948 wurde Richard Wurmbrand auf dem Weg zu einem Gottesdienst verhaftet. Er blieb acht Jahre in Gefangenschaft, davon drei Jahre in Einzelhaft in unterirdischen Zellen ohne Tageslicht. Im Gefängnis soll er heftigsten „Verhören“ und Folterungen ausgestetzt worden sein.  Um geistig gesund zu bleiben, soll er sich selbst einen Tagesrhythmus gesetzt und im Kopf Predigten entworfen haben, von denen er sich noch nach Jahren an mehrere Hundert erinnern konnte.

1956 wurde er unter der Auflage, keine Predigten mehr zu halten, entlassen. Dennoch arbeitete er weiter für „Untergrund-Kirchen“ und die ungeschmälerte Verbreitung der „Guten Nachricht“. 1959 wurde er wieder inhaftiert und zu 25 Jahren Haft verurteilt. In Folge einer Amnestie wurde Richard Wurmbrand jedoch 1964 aus dem Gefängnis entlassen. Aus Sorge um eine weitere Inhaftierung des unbeugsamen Gottesmannes, kaufte ihn die „Norwegische Mission für die Juden“ für 10.000 US-Dollar schließlich frei. Bekannte aus der Untergrundkirche bestärkten ihn darin, das Land zu verlassen und in der freien Welt die Stimme der verfolgten Kirche zu werden.  Erst nach dem Ende der Ceaucescu-Diktatur im Jahre 1990 konnte Wurmbrand rumänischen Boden wieder betreten.

Seinem Auftrag, über die Christenverfolgungen nicht zu schweigen, blieb Richard Wurmbrand treu. Als Buchautor und inspirierender Gründer mehrerer Hilfswerke, die miteinander vernetzt sind („voice of the martyrs Canada“,  „vom USA“ und „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ z. Bsp.), sowie als Referent auf Konferenzen machte er auf die Lage von Christen „hinter dem Eisernen Vorhang“ aufmerksam. Männer wie er und „Bruder Andrew“ oder David Hathaway gaben niemals die Hoffnung auf, dass auch in den Staaten des Warschauer Paktes eines Tages frei über das Evangelium gesprochen und Kirche aktiv gelebt werden könne. Durch das Schmuggeln von Bibeln und Informationen, durch offene und geheime Gebetsversammlungen durch Gebet und Gespräch redeten sie über den „Ist-“ und den „Sollzustand“ im geistlichen Bereich und hielten so die Perspektive eines freien Glaubens in der Diktatur aufrecht.

Richard Wurmbrand reiste von Norwegen in die USA, wo er 1966 vor einem Unterkomitee des US-Senats über die Situation der unterdrückten Kirchen aussagte. Seine berühmte Geste, in der er sein Hemd auszog und die Narben der Folter aus seiner Haftzeit präsentierte, wird wohl unvergessen bleiben. 1967 wurde das später „Voice of the martyrs“ genannte Hilfswerk gegründet und 1969 dessen deutscher Ableger, die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“, die bis heute ihre Arbeit für Christen in Verfolgung fortsetzt und damit im Geist von Richard Wurmbrand handelt. Wer sich über ihre Arbeit informieren will, kann dies unter

http://www.verfolgte-christen.de

tun.  Im Alter von 92 Jahren starb Richard Wurmbrand am 17. Februar 2001 in Kalifornien, wo er die letzten Lebensjahrzehnte zusammen mit seiner Frau gelebt hatte. Sie war ein halbes Jahr zuvor von ihm gegangen.
Im Jahre 2006 wurde Richard Wurmbrand in einer Umfrage zu den 10 wichtigsten Rumänen aller Zeiten gewählt.

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