Charaktere: Schwester Hatune – „manchmal habe ich keine Tränen mehr übrig“

Wir haben Ihnen, liebe Leser, versprochen, auf unserer neuen Rubrik „Charaktere“ Menschen vorzustellen, die als Inspiration für unseren Alltag dienen können und die vor allem im Bereich der Menschenrechte und Hilfsdienste für Verfolgte aktiv waren oder noch sind.

SCHWESTER HATUNE DOGAN ist ein Mensch, den man nicht so schnell vergisst, wenn man ihn einmal persönlich getroffen hat. Ihre unkomplizierte, großherzige und dennoch immer kompromisslos-pragmatische Art, mit bestimmten Sachverhalten umzugehen, die viele andere Menschen lieber ignorieren, hat ihr viele Freunde, aber auch Gegner eingebracht. Die syrisch-orthodoxe Nonne engagiert sich seit Jahren für die Ärmsten der Armen mit ihrer „Schwester Hatune Stiftung“ und dem Verein „Helfende Hände für die Armen“. Die Not vor allem von Frauen, die in Nahost Gewalt erleben, lässt sie immer wieder auf Reisen gehen, um Informationen zu sammeln und Hilfe und Trost zu bringen.

Wer immer im Bereich Christenverfolgung oder christlich motivierter NGOs engagiert ist, wird früher oder später auch auf ihren Namen stoßen. Wer ist Schwester Hatune ?

Sie wurde 1970 in Midyat in der Südost-Türkei in einer christlichen Familie geboren. Sie wächst als fünftes von zehn Kindern in einer einfachen Landarbeiter-Familie auf. Ihre Eltern erleben schon damals die antichristlichen Ressentiments und Diskriminierungen gegen die seit Jahrhunderten in dieser Region ansässige, christliche Bevölkerung der sog. „Assyrer“. Als sie die Anfeindungen und Morddrohungen ihrer Nachbarn nicht mehr ertragen und die Möglichkeit bekommen, nach Europa zu emigrieren, ergreifen Hatunes Eltern die Möglichkeit beim Schopf. Sie ist damals 14 Jahre alt.

Die Familie zieht von Belgien nach Deutschland und wohnt in Paderborn. Mit 16 Jahren tritt Hatune ins syrisch-orthodoxe Kloster Glane bei Losser in Holland ein. In den folgenden Jahren lässt sie sich dort zur Krankenschwester, zur Psychotherapeutin und zur Seelsorgerin ausbilden. Sie studiert Theologie und Geschichte, macht ihr Referendariat zur Gymnasiallehrerin und bereitet ihre Promotion vor. Aus dieser Zeit an der Schule werden viele Geschichten kolportiert. Schwester Hatune erzählt in diversen Interviews Geschichten über ihre Erfahrungen in der Beratungsarbeit mit Eltern und Schülern, die hier aber nicht näher thematisiert werden sollen.   Ihre Ausbildung zu Gemeindereferentin genoss Hatune Dogan an der Fachakademie in Mainz.

Im Jahre 2001 wurde sie deutsche Staatsbürgerin und bekennt heute sogar in Gesprächen: „Seit Jahren träume ich deutsch.“ Sie spricht einige Sprachen fließend, wie ihr heimisches Aramäisch, Türkisch, Arabisch, Deutsch und Englisch.  Ab 1992 arbeitete sie an der Erstellung eines deutsch-aramäischen Wörterbuchs mit, dass im Jahre 1997 veröffentlicht werden konnte. Aramäisch ist bekanntlich die Sprache des alten Persiens und war zur Zeit Jesu noch Verkehrssprache in vielen Ländern des Nahen Ostens. Jesus selbst soll Aramäisch gesprochen und gepredigt haben.

Als sie 1992 zum ersten Mal nach Indien eingeladen wird, lässt ihr die Not und Armut vieler Menschen dort keine Ruhe mehr. Sie fängt an, dort mehrere Monate pro Jahr zu verbringen und Hilfsgüter-Transporte und die Verteilung von Sach- und Geldspenden zu organisieren. Dabei ist das Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ maßgebend für ihre Arbeit. Im Jahre 2005 gründete sie in Indien die „Sister Hatune Foundation“.  Von Spendengeldern baut sie Häuser und Schulen, organisiert eine medizinische Grundversorgung und vermittelt Jugendliche in Jobs. Schon seit 1999 lebt sie etwa das halbe Jahr in Indien. Ihr persönliches Lebensmotto entnimmt sie dabei dem Matthäus-Evangelium:

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Mt 25, 40)

2006 gründet Schwester Hatune in Paderborn den Verein „Helfende Hände für die Armen“. Im Jahr 2007 kommen ihr Berichte über die Vertreibungen von irakischen Christen zu Ohren. Vor allem christliche Frauen gelten in dem teilweise von Anarchie und Gesetzlosigkeit regierten Land als „Freiwild“ für Gewalttäter aller Art. Den Vertriebenen und Gequälten, irakischen Christen beizustehen, aber auch über ihr Schicksal zu informieren, ist seitdem eines der Anliegen von Schwester Hatune. Sie bereist den Nahen Osten und hört dort viele, schlimme Geschichten, die auch ihrem starken Geist und aktiven, fröhlichen Temperament bis heute zusetzen. Sie verkündet:

Wer über Ungerechtigkeit schweigt, beteiligt sich daran !

Das Desinteresse vieler Medien und Politiker am Schicksal nahöstlicher Christen ist für sie ebenfalls eine Enttäuschung. Sie sagte in einem Video dazu wörtlich:

Unsere Politiker müssen sich mehr trauen !

Zu Beginn des Jahres 2010 veröffentlichte Schwester Hatune ihr, gemeinsam mit der Journalistin  Cornelia Tomerius geschriebenes Buch „Es geht ums Überleben“, in dem sie, teils in sehr drastischen Bildern, von ihren Erfahrungen im Hilfsdienst berichtet. Diese Bilder und Erlebnisse verfolgen die Ordensschwester teilweise bis heute. Nach dem bekannten Sprichwort „wenn du zu lange in den Abgrund schaust, schaut der Abgrund auch in dich“ leidet auch Schwester Hatune an den schrecklichen Fakten, von denen sie erfährt. Sie tröstet vor allem junge Frauen, denen unaussprechliche Dinge angetan wurden und muss sich dennoch in Deutschland oftmals Fragen anhören wie „stimmt denn das alles auch ? Können Sie das beweisen ?“

In dieser Zeit hört man öfter Aussagen von ihr wie:

Manchmal habe ich einfach keine Tränen mehr. Mit den Frauen habe ich sehr viel geweint, irgendwann hat dein Körper keine Tränen mehr übrig. Da wird dir ganz kalt und du wirst zur Maschine, die tut, was getan werden muss.

Am 26. August 2010 erhielt Schwester Hatune den Verdienstorden des Bundesverdienstkreuzes zugesprochen. Ihre Arbeit für die Hilflosen und Armen hatte sich offensichtlich weit genug herumgesprochen. Im Mai 2011 reiste Schwester Hatune Dogan wieder in mehrere Länder des Nahen Ostens in die „Arabellion“, um sich unter teils fast verschwörerisch anmutenden Umständen mit Opfern der Verfolgung und Gewalt treffen zu können. Seitdem ist sie immer wieder Gast auf verschiedenen Veranstaltungen, wo über Themen wie „Umbruch in Nahost“ oder „Christenverfolgung“ referiert wird. Zuletzt war sie Gastreferent auf der vom 23. – 26. Oktober 2011 abgelaufenen Konferenz „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd.

Link zu „Helfende Hände für die Armen“:

http://www.hatune.de/

Wenn Sie wirklich Gutes tun oder zumindest unterstützen wollen, dann können Sie ihrer Hilfsorganisation Spenden zukommen lassen. Genaueres auf der o. g. Website.

BETEN SIE BITTE AUCH FÜR SCHWESTER HATUNE, DAMIT IHR EBENSO INSPIRIERTER WIE INSPIRIERENDER DIENST WEITERGEHEN KANN. BITTEN SIE UNSEREN VATER IM HIMMEL UM KRAFT FÜR DIESE KLEINE, KRAFTVOLLE UND GROSSHERZIGE ORDENSFRAU !

(Quellen: „hatune.de“,  „wikipedia“ u. a.)

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2 Gedanken zu “Charaktere: Schwester Hatune – „manchmal habe ich keine Tränen mehr übrig“

  1. Ihre Taten und ihre vermeitliche Hilfe sind ehrenwerte Absichten und sollten Vorbild für alle Menschen sein. Doch für mich ist es nicht möglich all ihr Helfen zeitlich zu erfassen. Auch die erhaltenen Spenden, und diese sind nicht unerheblich, kann ich nicht einordnen. Sicherlich hat sie wahre Absichten doch die Erfahrung hat mich leider eines besseren gelehrt. Ich stelle es, und das soll nur meine Meinung sein, in FRAGE!!

    • Ist ihr gutes Recht als Bürger eines freien Landes. Ich persönlich sehe mich auch nicht primär als Spendeneintreiber für diverse caritative und menschenrechtlich engagierte Organisationen. Aber wenn ich selbst etwas übrig habe und mich gerufen fühle, jemanden zu unterstützen, dann möglichst eine Organisation, deren Repräsentanten glaubwürdig sind und deren Ziele mit meinem Verständnis des Glaubens in Einklang gebracht werden können.Bei den „helfenden Händen für die Armen“ von Schwester Hatune ist dies in meinen Augen gegeben und diese Organisation ist auch klein genug, um nicht 75 % aller Spenden für die Verwaltung zu verpulvern.
      Aber unabhängig von Geld kann man im Bereich des Engagements für Verfolgte ja immer auch viele andere Dinge tun. Oftmals ist ZEIT der Schlüssel für den individuellen Einsatz. Zeit, um sich zu informieren, Zeit, um die Fakten an andere weiterzugeben und Zeit, um zu beten oder sich in Organisationen einzubinden. Zeit zu investieren ist in unserer Gesellschaft der Reizüberflutung so gut wie Geld oder oft besser.

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