Ägypten: christlicher Schüler zu Tode geprügelt – jetzt spricht der Vater

Bislang haben wir den Fall des 17-jährigen, ägyptischen Schülers Ayman Nabil Labib auf unserem Blog nicht publik gemacht. Öfters behalten wir uns vor, erst einmal die Entwicklung der Faktenlage abzuwarten, um Sie, liebe Leser, möglichst detailreich informieren zu können.

Ägypten

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Nachdem sich nun „der Staub gelegt“ zu haben scheint und etwas mehr bekannt ist, wollen wir den Fall hier kurz aufrollen. Ayman Nabil Labib war ein koptischer Ägypter und ging im Ort Mallawi, Provinz Minya, zur Schule.  Am 16. Oktober 2011 wurde er seiner Schule von Mitschülern und mindestens einem Lehrer zu Tode geprügelt. Die Medien hatten, wie in solchen Fällen üblich, berichtet, Auslöser des Streits sei eine Unstimmigkeit über den Sitzplatz des Schülers gewesen, die ausgeartet sei. „Keinesfalls“ habe es sich um eine religiös motivierte Tötung gehandelt. Der koptische Aktivist Mark Ebeid sagte dazu:

Wir wollten die offizielle Version glauben, weil die Alternative dazu eine Katastrophe wäre. Es würde bedeuten, dass die Christenverfolgung in den Schulen angekommen ist.

Nun sprechen die Eltern von Ayman über den Vorfall und zeichnen erwartungsgemäß ein ganz anderes Bild. Sie werfen den Medien eine verzerrte Darstellung der Ereignisse und der Schule ihr Schweigen über die Geschehnisse vor.  Ihr Sohn habe offen sein auf dem Handrücken tättowiertes Kreuz gezeigt. Viele Kopten markieren sich selbst auf diese Art und Weise. Als der Lehrer ihn dazu aufforderte, das Symbol zu verdecken, habe Ayman sich geweigert, dieser Anweisung nachzukommen. Stattdessen habe er auch noch sein unter dem T-Shirt verborgenes Kruzifix hervorgeholt, was den „Pädagogen“ wohl bis an den Rand eines Herzinfarktes schockiert habe.

Daraufhin begannen die Mitschüler und wohl auch der Lehrer damit, im Klassenzimmer auf Ayman Labib loszuprügeln. Bereits diese von Augenzeugen bestätigte Version widerspricht der „offiziellen“ Version, nachdem der 17-jährige auf dem Schulhof erschlagen worden sei. Bereits angeschlagen habe er sich noch bis in einen im Erdgeschoss gelegenen Waschraum geflüchtet, wo die Misshandlungen aber weitergingen. Als ein Fluraufseher den jungen Mann schließlich zu seinem Zimmer brachte, war er bereits so schwer verletzt, dass er, als eine Stunde später ein Krankenwagen eintraf, bereits tot war.

Im Anschluss wurden zwei Mitschüler,   Mostapha Essam und Walid Mostafa Sayed, verhaftet und befragt. Aymans Vater sagte nun aus, dass jedermann im Ort wusste, was wirklich passiert war, aber sowohl die Schule, als auch die Eltern der Mitschüler aus Angst oder Desinteresse nicht bereit waren, zur Aufklärung der Fakten beizutragen. Zumal die Familien der Inhaftierten wohl auch entsprechende Drohungen ausgestoßen haben sollen. Sein Vater wird auch folgendermaßen zitiert:

 Ich bestehe darauf, dass auch der Arabischlehrer, der Schuldirektor und die Aufseher ebenfalls angeklagt werden müssen, nicht nur die zwei Schüler. Der Arabischlehrer, der die Schüler dazu aufhetzte, meinen Sohne zu attackieren, der Direktor, weil er es vorzog, lieber ein Tässchen Tee zu trinken, statt einzugreifen, als er von der Prügelei erfuhr und die Aufseher, weil sie ihre Pflichten vernachlässigt haben.

Die Zeugenaussagen und sonstigen Beweismittel werden wohlweislich von der Staatsanwaltschaft unter Verschluss gehalten, damit die These, dass der Auslöser der tödlichen Schläge nur „normale Spannungen“ zwischen Schülern gewesen sei, aufrechterhalten werden kann. Immerhin hat der Gouverneur von Minya bereits den koptischen Bischof von Mallawi besucht, um zu kondolieren. Außerdem sind sowohl der Direktor, die Aufsichten und zwei Sozialarbeiter der Schule mittlerweile entlassen worden; sie sind seitdem jedoch untergetaucht, um einer juristischen Aufarbeitung ihrer Verantwortung für diesen Todesfall zu entgehen.

Medienvertreter sehen darin den Beginn einer systematischen Fanatisierung des ägyptischen Schulsystems im Sinne einer „fanatischen, wahhabitischen Ideologie“, wie es z. Bsp. die Journalistin   Farida El-Shobashy formuliert.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE FAMILIE DES GETÖTETEN. BITTEN SIE DARUM, DASS DIESE TROST UND FRIEDEN IN IHREM GLAUBEN FINDEN MÖGEN. BETEN SIE AUCH FÜR DIE UMKEHR DER HASSPREDIGER UND GEWALTTÄTER, DIE ANDERSGLÄUBIGEN KEINE RUHE LASSEN.

(Quelle: „aina.org“ vom 30. Oktober 2011)

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2 Gedanken zu “Ägypten: christlicher Schüler zu Tode geprügelt – jetzt spricht der Vater

  1. Malaui ist ein Ort wie im tiefsten Mittelalter, ich war noch vor 3 Jahren dort und habe 1 Woche unter Freunden zusammen mit meinem Mann zusammen verbracht. Das Gebiet ist weitab von modernem Leben nach westlicher Prägung und im Distrikt Minia und Assyut hat sich seit einem Vieteljahrhundert nichts geändert. Es ist und war auch in der jüngeren Vergangenheit für Kopten gefährlich, sogar ein berühmter und geachteter Kinderarzt der Universitätsklinik wurde vor einigen Jahren umgebracht. Es ist erschütternd und so unsäglich traurig, das in diesem Jahrtausend die Christenverfolgung erneut auflebt. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Eltern des jungen Mannes und seinen Angehörigen.
    Es muss eine größere Öffentlichkeit für diese Verbrechen geschaffen werden! Solche Taten gehen unter und kaum jemand in Europa nimmt sie wahr. Ich fürchte für unsere Freunde in Ägypten auf beiden Seiten! Zurück in die Barbarei? Bleibt uns wirklich nur noch das Gebet? Ist das die Welt in der unsere Kinder leben werden müssen?

    • Die Angreifer berufen sich mit ihren oftmals lauthals gebrüllten „Allahu Akbar“ – Rufen ja selbst auf ihren Glauben als Tatmotiv solcher Misshandlungen. Deshalb können solche Dinge auch nur auf geistlicher Ebene diskutiert und Abhilfe geschaffen werden. Echte Christen müssen BETEN, BETEN und NOCHMAL BETEN, sollten sich auch in christlichen Hilfswerken und Monitorgruppen engagieren und diese Fälle selbst publizieren und bekannt machen. Sie in ihre Gemeinden und Hauskreise hereintragen und sich nicht von weltlich-relativistischem Gedankengut ablenken lassen. (Als ich einmal die Christenverfolgung anprangerte, hat mir ein selbsternannter „Linker Christ“ erzählt, wie schlimm er die „Diskriminierung von Schwulen in der katholischen Kirche“ findet. Der hatte wohl noch nie die Bilder aus Ägypten, dem Irak oder Pakistan gesehen…) Die bekannte Ordensfrau, Schwester Hatune, hat mal erzählt, sie hätte Fakten und Materialien einem deutschen TV-Sender als Grundlage für Recherchen und eigene Beiträge zur Verfügung gestellt. Die hätten ihr so etwas geantwortet wie: „das ist uns zu heiß“. Offensichtlich will man es sich nicht mit islamischen Interessengruppen verderben und in die Gefahr der „einseitigen Parteinahme“ geraten.

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