Ägypten: wieder Ärger um Schutzzaun eines Klosters

Seit dem Beginn der Anti-Mubarrak-Aufstände in Ägypten ist es zu diversen Angriffen Krimineller und sogar von Armee-Einheiten auf koptische Klöster gekommen.

Ägypten

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Um auch nur das absolute Minimum an Schutz zu gewährleisten, haben viele Klöster sich bemüht, Schutzzäune um ihre Ländereien zu errichten. Manche hatten gar bereits seit Jahren mit Übergriffen zu ringen und hatten bereits seit Jahren solche minimalen Abwehrmassnahmen getroffen. Nun kommt es immer wieder zu Attacken von Militär und sogar marodierenden Kriminellen auf Klöster. Wobei die Militärs immer wieder geltend machen, die angeblich „illegal“ errichteten Zäune und Mauern abbauen zu wollen, falls die Mönche dies nicht selbst täten. Wir haben bereits vor Monaten über derartige Dinge zu berichten begonnen.

In der vergangenen Woche wurde nun das Kloster der „Jungfrau und St. Johannes“, welches an der Straße von Kairo nach Ismailia gelegen ist, von den Militärbehörden darüber informiert, dass sie am Dienstag, den 25. Oktober 2011, die Schutzwälle um das Kloster entfernen würden. Um dies zu verhindern versammelten sich wieder koptische Aktivisten am erst im Jahre 2002 errichteten Kloster, um gegen dieses Vorgehen zu protestieren, da die Kirchenbehörden davon ausgehen, alle notwendigen Baugenehmigungen dafür zu besitzen.

Warum nun sind Zäune um koptische Klöster für die Militärbehörden ein rotes Tuch ? Was kann an harmlosen Defensiv-Maßnahmen angesichts der um sich greifenden Rechtslosigkeit von Christen im Land so schlimmes dran sein ? Hier begibt man sich in den Bereich der Spekulation, da die Absichten der Militärmachthaber in Ägypten natürlich nicht in der Tageszeitung annonciert werden. Aber wenn man die Aktivitäten vom 09. Oktober 2011 vor dem Masbiro in Kairo zu Grunde legt, kann man nur von einem weiteren Versuch ausgehen, die ägyptischen Kopten zu provozieren und nach dem Prinzip „mal schauen wie weit wir gehen können“ die Urchristen im Land am Nil in ihren Rechten zu beschränken.

Woran liegt das ? Sind in den Streitkräften bereits so viele Muslimbrüder und Salafisten in Schlüsselpositionen tätig oder hat das Militär eine weitere Eskalation der Sicherheitslage im Land im Auge, um sich selbst als Macht- und Stabilitätsfaktor im Spiel zu halten, wie es uns diverse Medien hierzuland nahelegen ? An dieser Stelle muss die Spekulation enden und jeder mache sich dazu seine eigenen Gedanken.

Jedenfalls wurden die anrückenden Militärfahrzeuge von Kopten, die in feierlichem Weiss gekleidet waren und Hymnen sangen, begrüsst. Am Ende wurden die Fahrzeuge wieder zurückgezogen und nach einiger Zeit erschienen nun Militärbeobachter mit Kameras und machten Aufnahmen sowohl vom Schutzwall, als auch von den Demonstranten. Erfahrungsgemäß ist jetzt davon auszugehen, dass der befehlshabende Kommandant, Brigadier Schukry, nun demnächst ohne Vorwarnung zum Angriff auf das „gefährliche Bauwerk“ blasen wird, um weiteren Protesten auszuweichen. Ca. 20 Kopten beschlossen daraufhin, auf dem Gelände zu übernachten, um sofort über neue Übergriffe der lokalen Militärs berichten zu können.

Bereits am 04. April 2011 hatten die Militärs zum ersten Male den Zaun eingerissen, dies aber bereits am Folgetag als vermeintlichen „Irrtum“ dargestellt, da sie davon ausgingen, es befinde sich eine „Farm“ dahinter. Im Anschluss daran waren alle Dokumente zur legalen Errichtung neuer Schutzwälle ausgestellt worden, die jetzt aber offensichtlich ignoriert werden.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE SICHERHEIT DER KLÖSTER IN ÄGYPTEN. WENN SCHON SCHUTZMAUERN UND -ZÄUNE DEN ZORN DER BEHÖRDEN AUF SICH ZIEHEN, WAS WIRD DANN WOHL FOLGEN ?  DAS VERBOT ALLER KREUZFÖRMIGEN SYMBOLE IN DER ÖFFENTLICHKEIT ? WIR DÜRFEN GESPANNT SEIN.

(Quelle: „aina.org“ vom 29. Oktober 2011)

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2 Gedanken zu “Ägypten: wieder Ärger um Schutzzaun eines Klosters

  1. Es wird höchste Zeit, dass dieses Land eine vernünftige Regierung bekommt und sich eindeutig verhält! Es ist unerträglich zu erleben, wie die Koptischen Ägypter in Angst und Schrecken leben müssen. Viel zu lange wurden in den letzten jahren die Übergriffe auf Kopten geheim gehalten. In Europa hatten die menschen keine Ahnung von den Greueln, die in Mittel- und Unterägypten an den Kopten verübt worden sind. Wir waren durch unsere Freunde vor Ort informiert und haben über diese vorkommnisse in Deutschland berichtet. Die Öffentlichkeit muss informiert werden, es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass wir als Christen unmöglich dort im Urlaub Entspannung finden können, wo unsere Glaubensbrüder gegängelt, gequält und sogar getötet werden!

    Ich liebe Ägypten, es würde mir unendlich schwerfallen, meine Freunde koptischen und muslimischen Glaubens nicht mehr wiederzusehen. Aber Ägypten sollte der Welt erklären müssen, was man in Zukunft dort in Punkto Religionsausübung zu erwarten hat. Dieses Land wird in tieftes Mittelalter versinken und von Armut aufgefressen werden, wenn dort radikale Kräfte die gegenwärtige Situation nutzen um das Land zu isolieren und radikalisieren. Wenn die empfindliche Pflanze Hoffnung nicht gepflegt wird und von entsprechenden Handlungen der Menschen begleitet wird, dann wären alle Toten die für eine Demokratie und ein freies Ägypten auf die Strasse gegangen waren vergebens gestorben und die kostbare Pflanze -Hoffnung auf eine friedvolle gemeinsame Zukunft- verdorrt!
    R. Sieberz

  2. Ja, das ist eine treffende und wohlformulierte Analyse. Ägypten hätte besseres verdient, als ins „finstere Mittelalter“ des religiösen Hasses zurückzufallen. Es ist gut, wenn mehr Menschen erfahren, was dort wirklich so vorgeht. Aber gegen die offensichtlich sehr selektiv und teilweise sogar beinahe desinformierend wirkenden Massenmedien haben die Stimmen der Vernunft ja kaum eine Chance. Für den oberflächlichen Beobachter scheint ja in Tunesien, Libyen und Ägypten alles in Ordnung zu sein. „Gemässigte Islamisten“ werden an die Macht gewählt (kennt man schon von Algerien…) und die Nato-Staaten Frankreich, Großbritannien und USA helfen noch dabei mit. Ich bedauere das sehr. Aber Themen wie „Stuttgart 21“ die Castortransporte, Fukushima o. ä. sind in unseren Medien und noch vielmehr in unseren Kirchen wichtiger, als ermordete Kopten, Armenier, Maroniten oder Syrisch-Orthodoxe. Ein Trauerspiel.

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