Irak: der „Vikar von Bagdad“ spricht !

Der als „Vikar von Bagdad“ bekannt gewordene anglikanische Geistliche Andrew White, der seit Jahren als einziger Geistlicher seiner Kirche im Irak tätig war, sprach unlängst in einem Interview mit einer australischen Zeitung über seine Arbeit im Land.

Andrew White

Er kam mit den Britischen Truppen während der Invasion Iraks ins Land. Nun, wo die Truppen der Koalition schrittweise das Land verlassen haben, muss er sich ab und zu unangenehmen Fragen stellen. Er schreibt dazu:

Ständig werde ich gefragt, warum ich im Irak bleibe.  Die Koalitionskräfte sind gegangen, die Gewalt ist so schlimm wie immer, wenn nicht schlimmer, aber ich bin noch immer hier !
Ich habe keine Absicht, zu gehen, denn die Iraker sind jetzt mein Volk. Ich bin ihr Priester. Als die Gewalt (gegen Christen, Anm. d. Übers.) schlimmer wurde, sind viele der übriggebliebenen Christen geflohen. Ich sage ihnen: „Ich verlasse euch nicht, bitte verlasst mich nicht !“

Andrew White ist vor allem durch sein Buch „der Pfarrer von Bagdad“ (Brunnen-Verlag, 2009, ISBN/EAN: 9783765517273) bekannt geworden, in dem er so markante Aussagen traf wie:

Ich lebe damit, dass auf meinen Kopf ein Preis ausgesetzt ist – Die Leute, die ich versuche zu erreichen, sind normalerweise nicht von der netten Sorte. Nette Menschen fangen meistens keine Kriege an.

Vikar Andrew White ist ein Vermittler und Friedensstifter. Er geht dahin, wo sich niemand sonst hintraut und versucht, auch in dem Anschein nach ausweglosen Situationen, menschliche Kontakte herzustellen und zu nutzen. Trotz seiner schweren Erkrankung (Multiple Sklerose) gelingt es ihm, die führenden Personen der vielen verfeindeten Gruppen im Irak miteinander in Verbindung zu bringen. So kämpft er für Versöhnung. Dafür setzt er jeden Tag sein Leben aufs Spiel. Kurz und gut: eine hochinteressante, von Gottes Geist erfüllte Persönlichkeit.

Seit 1998, als er zum ersten Mal im Irak war, ist Andrew White der einzige anglikanische Geistliche im Land gewesen. Jetzt hat er einen einheimischen „Mitstreiter“ in dem erst kürzlich geweihten ehemaligen Mitarbeiter Faiz Bashir. Nun schreibt der Vikar von Bagdad auch über das Massaker vom 31. Oktober 2010 in der benachbarten Syrisch-Katholischen Kirche und die Eskalation der antichristlichen Gewalt:

Achtundfünfzig Menschen wurden an jenem Sonntagnachmittag getötet, aber das war nur der Anfang. Menschen wurden getötet, gefoltert, gekidnapped und verstümmelt in den folgenden Tagen. Meinem eigenen Sicherheitschef, einem irakischen Soldaten, wurden die Beine von einer Bombe abgerissen, die unter seinem Auto platziert wurde, ganz in der Nähe unserer Kirche.
Es hagelte Drohungen von der Al-Kaida-Terroristengruppe. Allen Christen wurde befohlen, dass Land zu verlassen. Die Angst war sehr real und Viele flohen in benachbarte Länder und in den kurdischen Norden.

Die Ursache der Gewalt benennt er auch in hierzulande ungewohnter Klarheit:

Im ganzen Land wurden Menschen nicht mehr nur in Kirchen, sondern in ihren Häusern ermordet, weil jedermann wusste, dass sie Christen waren.

Die Gewalt und das Morden wurde im Namen der Religion begangen. Wenn die Religion in die Irre geht, geht sie gewaltig in die Irre. Es musste etwas getan werden.

Aber Andrew White überließ die Dinge nicht sich selbst und blieb nicht nur bei der Analyse der Situation. Er organisierte Treffen der maßgeblichen religiösen, irakischen Autoritäten. Ende Januar 2011 trafen sich sunnitische, schiitische und christliche Geistliche unter Mithilfe der dänischen Regierung in Kopenhagen. Dort geschah etwas für die islamische Welt extrem ungewöhnliches: es wurde eine gemeinsame sunnitisch-schiitische „Fatwa“ (ein verbindliches Scharia-Rechtsgutachten) veröffentlicht, die sich gegen das wahllose Misshandeln und Töten von Christen im Irak aussprach.

Nun musste diese aber auch allen regionalen und lokalen, geistlichen Autoritäten im Irak zugänglich gemacht werden. Eine Flutwelle von Telefonanrufen und e-mails folgte dieser Fatwa. Vikar White erinnert sich an die Folgen:

An dem Tag, als die Fatwa veröffentlicht wurde, stoppten die Gewalt und das Morden total. Die Regierung und die diplomatischen Missionen konnten kaum glauben, dass der Effekt so unmittelbar einsetzte.

Dann schreibt er einen Satz, der deutschen und europäischen Politikern ins Stammbuch geschrieben werden sollte:

Was wir brauchen ist, das Politiker und Diplomaten sich der Tatsache bewusst werden, dass sehr viel von den terroristischen Aktivitäten in der Welt derzeit, vor allem religiös begründet sind. Und die beste Diplomatie der Welt kann dagegen nichts ausrichten, aber es gibt einige Menschen, die es können.

Vikar White plädiert nachdrücklich dafür, dass die Gewalt- und Terrorproblematiken nur auf der religiösen, geistlichen Ebene gelöste werden können.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR FRIEDEN IM IRAK. FÜR EIN SICHERES UMFELD, IN DAS DIE IRAKISCHEN CHRISTEN EINES TAGES WERDEN ZURÜCKKEHREN KÖNNEN !

(Quelle: „assist news service“ vom 26. Oktober 2011)

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