Kommentar: Frühling wird zum Herbst und wir helfen dabei

Schon im Sommer 2011 habe ich AN DIESER STELLE über die Entwicklung in Nahost geschrieben.

Stift zu Kommentaren.

Kommentar

Nun zeigt sich auch für den weniger aufmerksamen Beobachter immer deutlicher, dass sich die Lage von Christen in der Region verschärft und durch die „Revolutionen“, an deren Zustandekommen sie nicht zuletzt selbst mitgewirkt haben, zuspitzt. Nicht nur nahöstliche Geistliche melden sich gelegentlich mit herzzerreißenden Appellen zu Wort sondern auch immer mehr „einfache“ Christen wollen nicht länger schweigen.

Die Tunesier begannen als erste damit, sich gegen Unfreiheit und Unterdrückung aufzulehnen. Nun, am 23. Oktober 2011, wählten sie zum ersten Male frei eine Verfassunggebende Versammlung. Hatte irgendjemand dagegengewettet, dass die „Ennahda“-Partei des Muslimbruders Rachid Ghannouchi die mit Abstand stärkste Kraft in diesem Gremium sein würde ? Nun, wer das getan hätte, so wie viele, mit „Yasmin“-Revolutions-Ideen vernebelte, deutsche „Top“-Journalisten, hätte jede Wette verloren.  Zwar hat sich Ghannouchi während des Wahlkampfes in Erklärungen überschlagen, er sei für „Pluralität“ und wolle keine soziale „Monukultur“, aber was die Versprechnungen von Islamisten wert sind, wissen wir ja, wenn wir so unterschiedliche Länder wie die Türkei und den Iran betrachten. Der Iran gilt heute für seine christliche Minderheit als Terror-Regime, das willkürlich verhaftet und tötet. Die Türkei ist dabei, in allen relevanten Bereichen wie Medien, Justiz und Militär auf AKP-Linie (Erdogan – Partei) gleichgeschaltet zu werden. Dieses „Menetekel“ dürfen wir nicht unterschätzen.

Auch in Ägypten zeichnet sich dieser Weg bereits deutlich ab. Mit Geld aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten werden dort Salafisten und Muslimbrüder, die ohnehin über einen hohen Organisationsgrad und eine große Disziplin verfügen, aufgerüstet, um im „neuen Ägypten“ die entscheidenden Schlüsselstellen besetzen zu können, sobald einmal die nächsten Wahlen vorüber sind. Bis dahin begnügen sie sich damit, die muslimische Mehrheitsbevölkerung weiterhin gegen die koptischen Christen aufzuhetzen und die Sicherheitsbehörden mit ihrem Gedankengut zu unterwandern. Das alles hat die üblichen Konsequenzen für Christen, wie die Ereignisse des 09. Oktober 2011 von Kairo beweisen. Mittlerweile sind seit dem Ende des Mubarrak-Regimes mehr als 100.000 koptische Christen aus dem Land geflohen ! Welche Reaktionen ruft das in unserem Land hervor ? Nun, die schwache Teilnahme von „Nicht-Kopten“ auf deren Protestmarsch am 16. Oktober 2011 in unserer Hauptstadt Berlin spricht in dieser Hinsicht Bände.

In Libyen hat vor wenigen Tagen die Stunde des Militärdiktators Ghaddafi geschlagen und der jetzt regierende „Übergangsrat“ hatte nichts Eiligeres zu tun, als die Scharia allgemeinverbindlich zur Grundlage der libyschen Gesetzgebung zu machen. Das alles mit äußerst tatkräftiger Mithilfe von unseren EU- und Nato-Partnern Großbritannien, Frankreich und den USA. Nato-Staaten haben also de facto die Scharia in Libyen herbeigebombt ! Ob dies der Stabilität der Region und der guten Beziehungen zwischen den Ländern nördlich und südlich des Mittelmeeres zuträglich ist, darf bezweifelt werden. Immerhin hatten die norafrikanischen Diktaturen auch eine gewisse Bremse für die afrikanischen Armuts-Migrationswellen nach Europa dargestellt, die jetzt wohl wegfallen dürfte. Ebenso tatkräftig hatte das bereits erwähnte Frankreich übrigens auch in der Elfenbeinküste ein islamisches Regime herbeigebombt. Mit solchen Alliierten braucht man eigentlich keine Feinde mehr, aber das sei nur ganz nebenbei erwähnt.

Was nun die Entwicklung in Ländern wie Syrien oder dem Libanon angeht, so ist deren geographische Nähe zum Iran einerseits und Israel andererseits ein Garant dafür, dass nur die radikalsten der Radikalen eine Chance haben, dort Mehrheiten zu erlangen. Auf gewaltfreie Art wie im Libanon (wo sie durch den demographischen Druck in Kombination mit Wahlen an die Macht gelangten. = Menetekel 2, liebe „bunte Republik“) oder in Form neuer „Bürger-Revolten“ wie in Syrien. Die Lage der Christen in Syrien ist dabei besonders exponiert, da dort ein alevitisch-säkulares Regime unter Präsident Assad von sunnitischen Fanatikern unter der Flagge von „Friede, Freiheit, Eierkuchen“ (ja, liebe „schwarz-weiß-Holzschnitt“- Massenmedien, dies ist ein Seitenhieb auf euch) attackiert wird, die versuchen, einen Gottesstaat zu etablieren. Es ist mehr als ein Fall bekannt, wo Christen dazu gezwungen wurden, sich diesen Protesten anzuschließen, um nicht in den Ruf von „Staatsfeinden“ zu geraten und konkrete Gewalterfahrungen zu erleben.

So wie es die Christen im Irak bereits seit dem Ende des Diktators Saddam Hussein erleben. So pervers und widerlich dessen Regime auch immer gewesen sein mag, so relativ tolerant gegenüber Nichtmuslimen agierte es.  Oder zumindest stellte es die physische Unversehrtheit der Christen sicher. Nicht nur aufgrund der instabilen Sicherheitslage, sondern vor allem aufgrund der anhaltenden, gezielten Mordanschläge gegen Christen hat sich durch Tötung und Auswanderung die Zahl der irakischen Christen von einstmals 1,2 Millionen auf weniger als 300.000 reduziert. Eine Verbesserung ihrer Situation wäre auch nach der Errichtung einer mehr oder minder anerkannten Zentralregierung kaum zu erwarten.

Was wird für die Christen von Marokko bis zum Iran also am Ende bleiben ? Werden sich die Pläne islamischer Organisationen, die sich bereits seit ihrer Dschidda-Konferenz von 1955 aktiv darum bemühen, den Nahen Osten „christenfrei“ zu machen, erfüllen ?  Bedauerlicherweise sieht derzeit alles danach aus.

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Ein Gedanke zu “Kommentar: Frühling wird zum Herbst und wir helfen dabei

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