Iran: kurzes update zum Fall Nadarkhani

Der Fall des inhaftierten Hauskirchenleiters Youcef Nadarkhani beschäftigt die besorgte Christenheit bereits seit vielen Monaten. In den letzten Wochen haben sich die Meldungen über den „Wasserstand“ des unter einem Todesurteil stehenden Christen überschlagen.

Iran

Viele Nachrichten waren vermutlich Verwirrungsaktionen, um die inzwischen „aufgewachte“ Weltöffentlichkeit von den wahren Hintergründen des Falles abzulenken. Nachrichten wie die angeblichen „neuen Anklagepunkte“ gegen Bruder Youcef wegen angeblichen „illegalen Kontakten zu ausländischen Organisationen“, wegen angeblichen „Raubes, Verrat und Vergewaltigung“ oder gar der im iranischen Strafrecht bislang völlig unbekannten „nationalen Apostasie“ erwiesen sich als Nebelwände, hinter denen weiter an Youcefs Hinrichtung gearbeitet wurde.

Nun wurde vor wenigen Tagen verlautbart, dass das Todesurteil angeblich bereits mit der Zurückleitung des Falles an das regionale Gericht in Rasht (Gilan Provinz) kassiert worden wäre und Nadarkhani bislang nicht (mehr) auf den Strang warte. Diese Meldung hielt der BGVK von Anfang an für unglaubwürdig und hat sich erst gar nicht hier im Blog publiziert, um nicht in die Hände der Machthaber Irans zu spielen. In dieser Einschätzung fühle ich mich nun durch Meldungen von „present truth ministries“, die vielleicht am „nähsten“ an dem Fall dran sind, bestätigt.

Youcef Nadarkhani

Es wird dort berichtet, dass Youcef Nadarkhanis Anwalt, Mohammed Ali Dadkhah, nichts von einer Rücknahme des Todesurteils weiss. Die Rücküberweisung des Falles nach Rasht sei kein komplettes, ergebnisoffenes „Wiederaufnahmeverfahren“, sondern nur eine Überprüfung der Urteilsbegründung, die dem Obersten Gericht in Teheran als „nicht in allen Punkten unanfechtbar“ erschien. Nach Beginn der neuen Befragungen am 25. September 2011, in deren Verlauf Nadarkhani mehrfach dazu aufgefordert wurde, sich zur „Religion seiner Vorfahren“, dem Islam, zu bekennen und das Evangelium zu verleugnen, sah sich der Gerichtshof durch die Weigerung des Christen, dies zu tun, nun wohl veranlasst, sich bei den höchsten Stellen des Landes abzusichern, bevor es einen weiteren, möglicherweise endgültigen Spruch fällen wird.

Übereinstimmend wird von mehreren Quellen die Nachricht gemeldet, die Behörden von Rasht hätten den obersten, religiösen Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, um eine Prüfung der Sachlage und eine Scharia-gemäße Expertise gebeten. Wie diese Nachricht einzuschätzen ist, bleibt noch unklar. Ich persönlich gehe davon aus, dass allein die Tatsache, dass offensichtlich das iranische („weltliche“) Strafrecht nicht ausreicht, um den Gottesmann töten zu können, und deshalb die religiösen, schiitischen Autoritäten jetzt fast völlig offen in ein laufendes Strafverfahren eingeschaltet werden, nicht unbedingt Gutes hoffen lässt.

Allein der ursprüngliche Anklagepunkt, die „Apostasie“, ist im Strafrecht Irans bislang unbekannt gewesen. Schon hier haben sich also die religiöse und die juristische Sphäre zu vermengen begonnen. Eine Tatsache, die natürlich nur Menschen ins Auge fällt, die genau wissen, wie „Gewaltenteilung“ und „Säkularisierung“ eines Staatswesens funktionieren. In islamischen Ländern sind solche Trennungen weltlicher und geistlicher Sphären fast vollkommen unbekannt.

Wie und ob Ali Khamenei nun Stellung nehmen wird, kann auch durch politischen Druck und öffentliche Anteilnahme beeinflusst werden, wie Beobachter vermuten. Wenn die an Menschenrechtsfragen immer so interessierten Staaten und NGOs, die Medien und Kirchen jetzt eindeutig Stellung nehmen würden, könnte sich das u. U. positiv für Bruder Youcef auswirken. Petitionen können an verschiedenen Stellen noch online gezeichnet werden.

http://www.openpetition.de/petition/online/todesstrafe-fuer-pastor-im-iran

oder

http://www.gopetition.com/petitions/urgent-halt-the-execution-of-iranian-christian-yosef.html

Der bereits erwähnte Anwalt Nadarkhanis, Mohammed Ali Dadkhah, hat nun sowohl an die Vereinten Nationen als auch an den Papst appelliert, sich für die Freilassung seines Mandanten einzusetzen.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR YOUCEFS FREILASSUNG, FÜR STÄRKUNG SEINER HALTUNG GEGENÜBER DEN VERFOLGERN UND FÜR SEINE FAMILIE (SEINE FRAU FATIMAH UND SEINE SÖHNE DANIEL UND JOEL).

(Quelle: „present truth ministries“ vom 14. Oktober 2011)

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