Sudan: Kirchengebäude bei Khartoum wurden mit Abriss bedroht

Am Dienstag, den 11. Oktober 2011, wurden drei Kirchen in Omdurman am Nil, gegenüber der Hauptstadt Khartoum, von Regierungsvertretern besucht. Diese Angehörigen des „Ministeriums für Infrastruktur und öffentliche Bauten“ drohten damit, die Gebäude abreissen zu lassen, falls dort weiterhin Gottesdienste abgehalten würden.

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Es handelt sich dabei um Gebäude der „Church of Christ“ Sudans, der Episkopalen Kirche und der Römisch-katholischen Kirche im Distrikt Madinat al-Fath in Omdurman. Die Regierungsvertreter behaupteten, die Gebäude befänden sich auf Regierungsland und hätten keinerlei staatliche Lizenz zur Nutzung als Kirchen. Vertreter der Gemeinden weisen das zurück. Die Kirchen liegen ihnen zufolge nicht auf staatlichem Gund und benötigten ebenso keine Erlaubnis zur kirchlichen Nutzung.

Der steigende Druck auf die im Nord-Sudan verbliebenen Christen ist im Zusammenhang mit der in diesem Jahr erfolgten Separation der Südprovinzen Sudans zu sehen. Der christlich-animistische Süden hatte sich in einem Referendum für die Loslösung vom Rest des Sudans entschieden und hat mittlerweile seinen eigenen Staat gegründet, der von der UN anerkannt ist. Nun sieht sich die Regierung in Khartoum dazu motiviert, ihren Teil des Landes immer entschlossener zu islamisieren. In diesem Zusammenhang ist das Vorgehen gegen die Kirchengebäude zu verstehen.

Die Regierungsvertreter markierten gar die Gebäude mit großen, roten Markierungen, um sie als „zum Abriss freigegeben“ kenntlich zu machen. In einem nicht ganz unerwarteten Versuch, etwas Verwirrung in den Vorgang zu bringen, hat Jaafar al-Sudani vom „Ministerium für Führung und Religiöse Ausstattung“ (klingt das nicht nach einem weiteren, Orwellschen Alptraum ?) auf Anfrage bekanntgegeben, dass er keine Kenntnis von dem Vorgang habe. Die Männer vom Bauministerium bestehen jedoch auf ihrer Sicht der Dinge.

Betroffene Christen äußerten jedoch ihre tiefe Besorgnis über diese Vorgänge. Dies vor allem, da sie mit Aktivitäten des „Ministeriums für Führung und Religiöse Ausstattung“ in Verbindung gebracht werden, die auf eine Erfassung aller noch verbliebenen Christen im Nord-Sudan hinauslaufen. Denn in den letzten Tagen haben Kirchenvertreter mehrfach detaillierte Anfragen zu Mitgliederzahlen und Aktivitäten ihrer Gemeinde aus dieser Bürokratie bekommen. Der Generalsekretär der „Lutheranischen Kirche Sudans“, Yousif El-Denger Kodi, sagte dazu:

Das hat alles mit Sicherheitserwägungen zu tun, damit mehr Druck auf die Kirchen und einzelne Christen ausgeübt werden kann. Wir als Kirchenleiter sind uns ihrer Pläne sehr wohl bewusst, aber wir beten zu Gott, damit er uns vor deren bösen Plänen errettet.

Seit 1983 gilt im Sudan die Scharia als Grundlage der Gesetzgebung und aller Aspekte des täglichen Lebens. Dies war der Auslöser des Bürgerkrieges, der erst im Jahr 2005 durch ein Friedensabkommen beendet wurde, welches das bereits erwähnte Referendum beinhaltete.

BITTE BETEN SIE MIT DEN VERBLIEBENEN CHRISTEN DES NORD-SUDAN FÜR EINE FRIEDLICHE LÖSUNG ALLER KONFLIKTE.

(Quelle: „compassdirect“ vom 12. Oktober 2011)

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