Ägypten: friedliche Demonstration der Kopten endet im Blutbad

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo kam es in der Nacht vom 09. zum 10. Oktober 2011 zu schweren Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften, Muslimischen Aktivisten und koptischen Demonstranten. Es soll sich nach Beschreibungen der deutschen Massenmedien um die „schlimmsten Krawalle seit dem Sturz des Mubarrak-Regiments“ gehandelt haben. 

Ägypten

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Es sollen dabei ca. 200 Menschen verletzt worden sein, mindestens 24 Tote werden bislang gemeldet. Das einzig erfreulich an der Situation ist dabei, dass die deutschen Massenmedien überhaupt darüber berichten. Wie immer jedoch nennen sie weder „Ross noch Reiter“ und machen indirekt die koptischen Demonstranten für die Krawalle verantwortlich. Rollen wir also die Fakten noch einmal auf:

In der südägyptischen Provinz Assuan war es in den vergangenen Wochen mehrfach zu Ausschreitungen von Muslimen (, die offensichtlich von Salafisten angeheizt worden waren) und Kopten im Ort El-Marinab (nach koptischen Quellen auch „Mirinab“, sorry, ich benutze die Schreibweise von AINA.org) gekommen. Dort war eine baufällige Kirche abgerissen und von der koptischen Gemeinde mit voller Genehmigung der Behörden wieder aufgebaut worden. Während des Wieder-Aufbaus war es zu Protesten von Muslimischen Anwohnern gekommen, die sich durch die Symbolik einer Kirche im Ort „beleidigt“ fühlten. Am 30. September 2011 schließlich wurden nach dem Freitagsgebet der Muslime sowohl der Kirchenrohbau, als auch verschiedene andere, Kopten gehörende, Bauten zerstört. (Unser Artikel dazu HIER.)

Am 04. Oktober 2011 wollten daraufhin erstmals koptische Ägypter in Kairo für ihre längst überfällige Gleichberechtigung als Bürger des Landes am Nil demonstrieren und zogen daraufhin vor das Gebäude des staatlichen TV-Senders, das „Masbiro“. Dort wurde ihr Versuch, eine Sitzblockade der vorüberführenden Straße durchzuführen, von der Polizei gewaltsam beendet. (Unser Artikel dazu HIER.)

Am Sonntag, den 09. Oktober 2011 gingen nun erneut koptische Demonstranten für ihre Rechte auf die Straße. Ihre Route sollte vom Viertel „Shubra“ über das „Masbiro“-Gebäude zum Tahrir-Platz, dem Schauplatz der größten Massendemonstrationen der Aufstände gegen Mubarrak führen. Hier aber beginnen die Berichte der „offiziellen“ und der privaten Medien, auseinanderzudriften. Über die Auslöser der Krawalle, die Zahlen der Opfer und die Folgen liegen Berichte des staatlichen und anderer Medien sowie von Augenzeugen weit auseinander.

Offizielle Quellen reden von nur 3000 Teilnehmern, die „Waffen“  mit sich geführt haben sollen. Laut diesen Angaben sollen drei Soldaten von ihnen getötet und 20 verletzt worden sein. Angesichts der Tatsache, dass bereits am 04. Oktober 2011 die erste, kleinere Kopten-Kundgebung durch Militär und Polizei gewaltsam beendet worden war, spricht nicht sehr viel dafür, dass diese Darstellung auch der Wahrheit entspricht. Leider wird sie aber von deutschen Massenmedien als Grundlage ihrer Berichterstattung benutzt.

Nun die andere Sicht auf die Geschehnisse. Teilnehmer und nichtstaatliche Nachrichtenkanäle sprechen von mehr als 10.000 unbewaffneten (sind Holzkreuze für Muslime „Waffen“ ?) Teilnehmern der Demonstration, die friedlich gegen die Geschehnisse in der Assuan-Provinz und für die Abberufung des Gouverneurs von Assuan, Mustafa Al-Sayed, demonstrierten, der sich in den letzten Tagen mit höhnischen Äußerungen über Kopten und offenen Lügen über die Situation in El-Marinab selbst diskreditiert hatte. Die Demo war auf 17.00 bis 20.00 Uhr angesetzt und weder ein sit-in, noch Blockaden des Straßenverkehrs waren vorgesehen. Auf Höhe des Masbiro wurde der Demonstrationszug angehalten, um auf angebliche „Unterstützer“ aus den muslimischen Stadtvierteln Kairos zu warten. Doch das Militär nutzte die Gelegenheit, um die Demonstranten einzukesseln und mit scharfer Munition zu beschießen. Augenzeugen berichten sogar davon, dass zwei gepanzerte Fahrzeuge der Armee rücksichtslos in die Menge fuhren und dabei mehrere Menschen „plattmachten“. Auch die Zahlen der Getöteten unterscheiden sich von den „offiziellen“ Daten. Kopten sprechen von mindestens 35 Toten (bisher). Die genauen Beschreibungen der Augenzeugen erspare ich Ihnen, liebe Leser, weil nicht jeder ein Freund von „Splatter-Horror“ ist und mit solchen Bildern im Kopf leben möchte. In jedem Falle wurden noch nach Stunden bis zur Unkenntlichkeit entstellte Leichen gefunden.

Während der Vorgänge am Masbiro wurden sowohl von Journalisten, als auch von koptischen Augenzeugen verschiedene, bedenkenswerte Dinge beobachtet. So sollen die Sicherheitskräfte von Zivilisten unterstützt worden sein, die „Ägypten bleibt islamisch“ gerufen  und vereinzelt Molotow-Cocktails auf die Demonstranten geworfen hätten. Zivilisten auf Motorrädern sollen Journalisten bedroht oder am Betreten des Ortes gehindert haben. TV-Büros seien gestürmt und die Journalisten darauf „verpflichtet“ worden, keine koptenfreundliche Berichterstattung zuzulassen.

Zugegeben, die Situation ist noch unübersichtlich, weshalb nicht alle Gerüchte sich auch als wahr erweisen werden. Aber gerade deshalb ist es für den aufmerksamen, interessierten Beobachter angezeigt, sich alle Seiten der Medaille genau anzuschauen. So berichtet der „Spiegel online“:

Augenzeugen zufolge haben die Demonstranten den Soldaten Waffen abnehmen können und diese schließlich gegen das Militär gerichtet. Mehr als tausend Polizisten und Soldaten waren mit gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz, um die Lage in den Griff zu bekommen.

„Schlägertypen griffen uns an, und ein Militärfahrzeug sprang über den Bürgersteig und überfuhr mindestens zehn Menschen. Ich habe sie gesehen“, sagte (Teilnehmer Essam) Chalili. Andere Teilnehmer bestätigten die Aussage. „Ich habe gesehen, wie ein Fahrzeug Demonstranten überfahren hat. Dann haben sie auf uns geschossen“, sagte Wael Rufail. Daraufhin hätten Demonstranten Militärfahrzeuge angezündet, berichtete Chalili.

Der regierende Militärrat Ägyptens hat daraufhin eine fünfstündige Ausgangssperre über mehrere Stadtviertel Kairos verhängt, die erst in den frühen Morgenstunden endete.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR FRIEDEN IN ÄGYPTEN, AUCH UND GERADE WENN DIE LAGE AUSSICHTSLOS SCHEINT. ANGESICHTS DER FAKTEN KANN NUR GOTT SELBST NOCH DURCH SEIN ÜBERNATÜRLICHES EINGREIFEN DIE CHRISTLICHEN ÄGYPTER VOR EINEM NEUEN „EXODUS“ BEWAHREN.

(Quellen: „spiegel.de“, „aina.org“ und „Kopten ohne Grenzen“ vom 10. Oktober 2011)

update vom Abend des 10. Oktober 2011:
Mittlerweile sind verschiedene Versionen in diversen Medien aufgetaucht, die erklären sollen, warum die ursprünglich friedliche Demonstration eskalierte. Im ZDF wurde in der „heute“ – Sendung über Provokateure spekuliert, welche die Kopten provoziert haben sollen.
Ein Augenzeugenbericht aus dem Land spricht von angeblich solidarischen Muslimen, die an der Spitze des Zuges mitmarschiert sein sollen und mit dem Steinewerfen und den Angriffen auf die Sicherheitskräfte begonnen haben sollen.  Wie immer wird es schwer sein, die Wahrheit herauszufinden, es gilt aber in jedem Falle die „cui bono“ – Regel. Also de facto die Frage: Wem nützt die Gewaltspirale, die sich hochzuschaukeln beginnt ? Die Zukunft wird es uns zeigen.

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3 Gedanken zu “Ägypten: friedliche Demonstration der Kopten endet im Blutbad

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