Ägypten: der Fall „El-Marinab“ noch einmal in Ruhe aufgerollt

Liebe Leser, Sie werden sich daran erinnern, dass wir hier im Blog darüber berichtet haben, wie Muslime die Christen im Ort El-Marinab aushungern wollten. (HIER NACHZULESEN) Der Ort liegt ca. 800 km südlich von Kairo in der Assuan-Provinz, nahe Edfu.

Ägypten

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Was war geschehen ? Kirchenbauten und auch das Renovieren von Kirchengebäuden stehen in Ägypten unter Erlaubnisvorbehalt. Für jeden Kirchen-Neubau (wie viele hat es eigentlich in den letzten Jahrzehnten gegeben ?) und sogar für das Ausbessern von Fassaden, Dächern oder Trägern müssen staatliche Genehmigungen eingeholt werden. Diese sind, wie immer in islamischen Ländern, kaum zu bekommen.

Die Kirche in El-Marinab steht nach Angaben aus dem Land am Nil seit 1940 und wurde mehrfach, mit Genehmigung (!) renoviert. Im Mai 2011, nach den Ereignissen der „ägyptischen Revolution“,  erhielt die örtliche Kirche, die sich in bedauerlichem, baulichem Zustand befand, die Erlaubnis zum kompletten Neubau unter dem Namen „St.-Georgs-Kirche“. Eine örtliche Baukommission hatte nämlich festgestellt, dass der bejammernswerte Zustand des Gebäudes nur noch einen kompletten Abriss und Neuaufbau zuließ. Nachdem es jahrzehntelang keinerlei bemerkenswerte Reibung mit den muslimischen Bewohnern der Region gegeben hatte, wurde das Wiederaufbau-Projekt jetzt im „neuen“ Ägypten jedoch von salafistischen Hasspredigern zum Anlass genommen, „ein Exempel zu statuieren“.

Im Verlauf des August und frühen September wurde aus islamischen Kreisen immer wieder Proteste gegen den angeblichen „Kirchen-Neubau“ laut.  Zeitweise wurde den Kopten der Zugang zum Ort verwehrt und sie wurden auch daran gehindert, den Ort zu verlassen. Erst auf Intervention von Sicherheitsbehörden konnte das Aushungern der Kopten unterbrochen werden.
Am 09. September 2011 wurde die Baustelle dann von mehreren Tausend Muslimen umstellt und der Abriss des Rohbaus gefordert, da niemals eine Genehmigung für einen Kirchenbau vorgelegen hätte. Worum es den Rädelsführern jedoch wirklich ging, zeigte sich auf einem unter der Aufsicht der lokalen Sicherheitsbehörden stattfindenden „Versöhnungs-Treffen“. Die Forderungen der Muslime lauteten:

  1. Keine Glocke für den Kirchturm, denn das Glockenläuten würde die religiösen Gefühle der Muslime verletzen,
  2. Keine Lautsprecher, die Predigten nach außen übertragen. Hier zeigt sich die totale Unkenntnis der aufgeputschten Muslime, denn Kirchenpredigten werden nur unter besonderen Umständen als „Multimedia-Ereignis“ gefeiert, was wir aus Deutschland genauso kennen. Der Gebetsruf des islamischen Muezzins und auch Predigten von Islamgelehrten werden gerne über Lautsprecher von den Moscheen ins Umfeld übertragen. Hier haben die Aktivisten endgültig Ross und Reiter verwechselt.
  3. Keine Kreuze auf oder an dem Gebäude. Ebenso wie der in Punkt
  4. geforderte Verzicht auf Kuppeln über dem Gebäude würden diese Symbole ebenfalls für Unfrieden unter den Muslimen von El-Marinab sorgen.

Nachdem die Kopten die Punkte 1 und 2 akzeptiert hatten, aber keinesfalls mit dem Verzicht auf kirchliche Symbolik einverstanden waren, blieb das Treffen ergebnislos. Nun wurden die staatlichen Stellen alarmiert. Der Gouverneur von Assuan, Mustafa al-Sayed, sandte eine Komission ins Dorf, die feststellte, dass die Kuppeln der Kirche drei Meter höher seien, als genehmigt. Daraufhin ordnete er den Abriss der Kuppeln an, was der zuständige, koptische Bischof Hedra auch veranlasste. Da aber letztlich wohl die Ziele der islamischen Scharfmacher doch weiter gesteckt waren, gaben sie sich mit dieser Entwicklung nicht zufrieden.

Nach den Freitagsgebeten vom 30. September 2011, bei denen in einer örtlichen Moschee ein gewisser „Scheich Sabry“ die Muslime dazu aufgerufen hatte, „die Dinge in die eigenen Hände“ zu nehmen, wurde die Baustelle schließlich von ca. 3.000 Muslimen gestürmt und der Rohbau angezündet. Zwei Stunden lang brannte die Ruine, aber damit noch nicht genug. Weil der Mob gerade so schön in Stimmung war,  wurden ein Lager für Elektroteile, ein Supermarkt und vier Häuser gleich noch mit abgebrannt. Natürlich gehörten alle diese Gebäude Kopten und selbstverständlich wurde auch bis zum nächsten Morgen, ca. 07.00 Uhr die Feuerwehr von den Muslimen daran gehindert, den Ort zu betreten. Die Polizei, die natürlich vor Ort war, genoss beim interessierten Beobachten der Ereignisse einen romantischen Abend bei Feuerschein, statt  einzugreifen. (Liebe Leser mit etwas Kenntnis der Geschichte des 20. Jahrhunderts: Woran erinnert  Sie das ?)

Die ägyptischen Massenmedien haben den Vorfall zu ignorieren versucht. Aber auf Nachfrage einer neugierigen TV-Journalistin, die ihre Arbeit doch noch ernst nimmt, ließ Mustafa Al-Sayed, der Gouverneur von Assuan, folgendes statement verlauten, bevor er wutentbrannt den Hörer auf die Gabel donnerte:

Was übertreibt ihr da und verbreitet nur Gerüchte. Das Dorf Mirinab ist ruhig und nichts ist passiert. Die Christen haben einen Fehler begangen und die Moslems sorgten für die Beseitigung dieses Fehlers. Wie können die Christen ein Gebäude aus Lehm und Holz in eine große Kirche mit Kuppeln und Turm verwandeln? Ich gab ihnen vier Wochen Zeit, um die Kuppeln zu beseitigen, aber sie unternahmen nichts“.

Mit Beamten wie diesem braucht man eigentlich gar keine Salafisten mehr, um die Kopten aus dem Land zu treiben. Da wundern auch die Zahlen der emigrierten, ägyptischen Christen, die unlängst bekannt wurden, nicht mehr. (Artikel: siehe HIER) 

ICH BITTE SIE: BETEN SIE FÜR DIE CHRISTEN IN ÄGYPTEN. SEIT DER REVOLUTION HAT SICH IHRE SITUATION DRAMATISCH WEITER VERSCHLECHTERT.

(Quellen: „egypt4christ.com“ vom 01. Oktober 2011 und  „Kopten ohne Grenzen“ vom 02. Oktober 2011)

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4 Gedanken zu “Ägypten: der Fall „El-Marinab“ noch einmal in Ruhe aufgerollt

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