Ägypten: Massenexodus der Kopten seit März 2011

Die ursprünglichen Ägypter, die christlichen Kopten, erleben einen noch nicht dagewesenen Aderlass seit der Entmachtung von Ex-Präsident Hosni Mubarrak. Wie unlängst veröffentlicht wurde haben allein seit März 2011 über 100.000 Kopten das Land am Nil verlassen.

Ägypten

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Aber die Kopten gehen nicht aus freien Stücken und weil es ihnen anderswo besser gefällt, sondern sie gehen, weil sie unter massivem Druck durch salafistische Hardliner und andere, islamische Radikale stehen. Dies verlautbarte die „Egyptian Union of Human Rights Organizations“ (EUHRO) am gestrigen, Dienstag, den 27. September 2011. Ihren Bericht über die Massenemigration haben sie dem ägyptischen Kabinett und dem Militärrat ihres Landes zukommen lassen.

Naguib Gabriel, der EUHRO – Direktor wird dazu folgendermaßen zitiert:

Kopten wandern nicht freiwillig ins Ausland aus. Sie werden durch Drohungen und Einschüchterungen der hardline-Salafisten dazu gezwungen ebenso wie durch den Mangel an Schutz, den sie von der ägyptischen Regierung bekommen.

Nach dem Bericht ist die überwiegende Mehrheit der Kopten in die USA geflohen. Ungefähr 42.000 von ihnen haben sich in verschiedenen Staaten der USA angesiedelt. Weitere 17.000 sind nach Kanada und 14.000 nach Australien emigriert. Die verschiedenen EU-Staaten haben ungefähr 20.000 Kopten aufgenommen. Der EUHRO – Bericht sieht in dieser Flucht auch eine Bedrohung für die ägyptische Wirtschaft, da viele derjenigen, die den Nilstaat verlassen haben, zur qualifizierten Mittelklasse gehört hätten, die gerade jetzt am Neuaufbau Ägyptens hätte beteiligt werden müssen.

Durch diesen „knowledge-drain“, also den Wissens- und Qualifikationsverlust der ägyptischen Wirtschaft durch die Flucht vieler Kopten, sehen die EUHRO-Beobachter als bedenklich an, da hier Lücken gerissen würden, die oft nur schwer und langsam wieder besetzt werden könnten. Lesern des BGVK-Blogs ist die Lage der koptischen Christen in Ägypten sicher nicht unbekannt. Mehr als einmal seit den schrecklichen Bombenanschlägen von Alexandria am 01. Januar 2011 mussten wir hier über schreckliche Verbrechen an koptischen Geistlichen oder Aktivisten berichten (siehe alle Artikel der Rubrik „Nahost/Ägypten“) und haben dabei immer wieder auf den Mangel an staatlichem Interesse zur Aufklärung der Verbrechen hingewiesen.

Naguib Gabriel zu den Umständen:

Salafistische Kleriker werden seit dem Umsturz vom 25. Januar immer mutiger. Sie nennen Kopten öffentlich „Dhimmis“, die eine Kopfsteuer zahlen müssten und niemals „Vollbürger“ Ägyptens sein oder sensible Posten im Staat einnehmen könnten.

(Erklärung: „Salafisten“ sind eine weltweite, radikalislamische „Reformbewegung“, die zu den „Urwerten“ der ersten Muslime zurückkehren will. Dazu sind ihr alle Mittel recht und zu diesen Urwerten gehören eben vor allem die Ungleichwertigkeit von Menschen unterschiedlichen Glaubens und Geschlechts sowie die berüchtigten, barbarischen Körperstrafen. „Dhimmis“ sind im Islam sogenannten „Schutzbefohlene“, die, um nicht permanent verfolgt zu werden, eine Art nur für sie gültiges „Schutzgeld“ (bekannt aus Mafia-Filmen und im Islam auch genauso gehandhabt) zahlen müssen, die sog. „Djisija“ oder Kopfsteuer.)

Erst unlängst, am 12. September 2011, hat ein prominenter Salafist, Yasser Borhami aus Alexandria, die Kopten im ägyptischen Fernsehen unwidersprochen als „Ungläubige, die in Dunkelheit hausen, weil sie vom Islam getrennt sind“ bezeichnet, was viele Kopten als sicheres Zeichen dafür ansehen, dass Muslimen damit jetzt ein „Freibrief“ für die massive Einschüchterung und Vertreibung der Kopten gegeben wird.

Gabriel sieht auch Parallelen zu den Entwicklungen im Irak, Libanon oder Palästina:

Nach dem Anschlag auf die „Herrin der Erlösung“ – Kirche am 31. Oktober 2010 sank der Anteil der Christen an der Bevölkerung Iraks von 8 % auf 2 %. In Palästina sank er auf unter 5 % und im Libanon von einst 75 % auf ca. 32 %.

Dies ist nicht nur der demographischen Entwicklung geschuldet, sondern auch massiven Fluchtbewegungen von verängstigten Christen, die in ihrer Heimat keine Zukunft für sich und ihre Familien erkennen können. Der „Arabische Frühling“ ist so für viele Christen längst ein bitterer Winter im Exil geworden.

BITTE BETEN SIE AUCH WEITERHIN FÜR DIE CHRISTLICHEN GEMEINSCHAFTEN IN NAHOST. SIE SIND DIE ÄLTESTEN KIRCHEN – GEMEINSCHAFTEN DER WELT. DORT HABEN DIE APOSTEL NOCH PERSÖNLICH DIE GEMEINDEN GEGRÜNDET. ALS NÄCHSTE KÖNNTEN DIE SYRISCHEN BRÜDER UND SCHWESTERN IN SCHWERE BEDRÄNGNIS GERATEN. SCHLIESSEN SIE SIE BITTE IN IHRE GEBETE MIT EIN.

(Quelle: „aina.org“ vom 27. September 2011)

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Ein Gedanke zu “Ägypten: Massenexodus der Kopten seit März 2011

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