China: Ex-Häftling spricht über Haftzeit

Der chinesische Menschenrechtsanwalt Jiang Tianyong, der im Februar inhaftiert und zwei Monate später wieder entlassen wurde, spricht jetzt über die Zeit im Gewahrsam der staatlichen Sicherheitsorgane.

Am 19. Februar 2011 wurde Jiang Tianyong von der Polizei festgenommen. Es steht zu vermuten, dass sein Engagement für Mitglieder der Meditationsbewegung „Falun Gong“ sowie für AIDS-Infizierte, die in China oftmals sozial ausgegrenzt werden, und für verfolgte Christen ihn ins Visier staatlicher Behörden brachten. Jiang Tianyong ist Christ und wird bereits seit Jahren von den Sicherheitsorganen seines Landes bedrängt und in seiner Glaubens- und Berufsausübung behindert. Die Besorgnis Chinas, dass der „arabische Frühling“ auch in ihrem Land unabsehbare Veränderungen bringen könnte, hat wohl in diesem Jahr zu überreizten Reaktionen geführt.

Jiang Tianyong ist Mitglied eines Netzwerkes von Strafverteidigern und Anwälten  namens „Chinese Petitioner Rights Defense Association“ (CPRDA), das sich die Verbesserung der Menschenrechtslage und die Durchsetzung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit in China auf die Fahnen geschrieben hat.

Gemeinsam mit dem Pekinger Anwalt wurden auch verschiedene andere, politische und soziale Aktivisten abrupt verhaftet (bestimmte Blogs schreiben davon, dass Aktivisten „verschollen“ waren). Jiang Tianyong, 41,  spricht nun, um die Folgen der Geschehnisse in der Haft verarbeiten zu können. Unmittelbar nach seiner Verbringung an einen unbekannten Ort, wurde er zwei Tage am Stück verprügelt. Im Anschluss daran zwangen ihn die Polizisten, bis zu 15 h am Tag in einem verdunkelten Raum starr auf einem Stuhl zu sitzen und diverse Fragen von Mitarbeitern der Inlandsnachrichtendienste zu beantworten. Wann immer er eine Frage nicht beantworten konnte oder „falsche“ Antworten gab, wurde er mit weiteren Drohungen und Einschüchterungen überschüttet.

Jiang Tianyongs Folterknechte teilten ihm immer wieder ganz offen mit:

Hier können wir die Dinge nach dem Gesetz abwickeln. Wir können die Dinge auch nicht nach dem Gesetz abwickeln. Wir haben die Erlaubnis, zu machen was wir wollen.

Als Jiang nach schier endlosen Schlägen und Tritten wieder klar war, fragte er einen seiner Peiniger:

Ich bin ein menschliches Wesen und Sie sind ein menschliches Wesen. Warum tuen Sie etwas so unmenschliches mit mir ?

Der wütende Folterknecht schlug ihn sofort wieder zu Boden und sagte: SIE SIND KEIN MENSCHLICHES WESEN !

Nach 60 Tagen wurde Jiang Tianyong entlassen, nachdem er mehrere Versicherungen unterschrieben hatte, die sein zukünftiges Verhalten betrafen. Die Behörden waren so offensichtlich zu dem Schluss gekommen, der Anwalt hätte „seine Lektion gelernt“. Trotzdem warnten sie ihn davor, dass, sollte er diese Zusagen brechen, „jederzeit wieder verschwinden“ könne und dann möglicherweise sogar seine Frau inhaftiert werden würde.

Seine Frau, Jin Bianling, hatte während dieses letzten „Verschwindens“ ihres Mannes an Christen in aller Welt appelliert, für die Freilassung ihres Mannes zu beten und seinen Fall bekanntzumachen. Nach der Entlassung kümmerte sie sich rührend um ihren Mann, der aus den Folterzellen eine Tuberkulose und „tiefe, psychologische Narben“ mitgebracht, die ihn zunächst verstummen ließen. Erst am 14. September 2011 brach er sein Schweigen gegenüber der „South China Morning Post“.

BITTE BETEN SIE FÜR DAS WOHLERGEHEN VON JIANG TIANYONG ! BITTEN SIE EBENSO FÜR ALLE CHRISTEN IN CHINA, DIE EINFACH NUR IHREN GLAUBEN OHNE GÄNGELUNG UND STAATLICHE BEVORMUNDUNG LEBEN WOLLEN.

(Quelle: „asia news“ vom 15. September 2011)

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Ein Gedanke zu “China: Ex-Häftling spricht über Haftzeit

  1. Wen diese Szenen aus diesem Jahre nicht fatal an die Folterkeller der Gestapo erinnern, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Warum eigentlich sind die notorischen „Menschenrechtsverteidiger“ in Deutschland immer nur zur Stelle, wenn das „böse Guantanamo“ angeklagt werden muss ?

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