Pakistan: christlicher Lehrer muss untertauchen, Gericht legt ihm Auswanderung nahe

Die „Blasphemiegesetze“ Pakistans habe ich im letzten Artikel (HIER) schon angeschnitten. Welche Auswirkungen sie sonst noch im Alltag des Landes haben, zeigt jetzt ein Fall aus der Provinz Punjab, den der katholische „fidesdienst“ dokumentiert.

Pakistan

Der vierzigjährige Lehrer Jarved Masih (Name aus Sicherheitsgründen geändert), welcher an einer weiterführenden Schule der Provinz Punjab lehrte, musste öfters einen seiner muslimischen Schüler rügen. Dieser fühlte sich von ihm ungerecht behandelt (die bekannte „Opfer-Mentalität alle Muslime schlägt hier durch) und beriet sich daraufhin mit muslimischen Kollegen Jarved Masihs. Nachdem diese „Kriegsrat“ gehalten hatten, kamen sie auf die Idee, einige Koranseiten zu verbrennen und dies dem Christen Jarved in die Schuhe zu schieben. Nach islamischem Recht (das bald schon in Tunesien, Libyen und Ägypten gelten wird und bereits jetzt im Iran Anwendung findet) braucht man nämlich keinen faktischen Beweis einer Tat, sondern nur eine ausreichende Anzahl muslimischer Zeugen, damit irgendein Ereignis vor Gericht auch als Tatsache angesehen wird.

In diesem Sinne konnte Jarved Masih bis heute seine Unschuld vor Gericht nicht nachweisen, denn die Tatsache, dass er sofort von den „Koranverbrennern“ angezeigt worden war und vor Gericht kam, versteht sich in Pakistan von selbst. Aber statt Jarved Masihs Unschuld zu erkennen und dessen fehlgeleitete Kollegen und Schüler zu belangen, riet man ihm von Seiten des Gerichtes stattdessen, das Land zu verlassen. Jarved Masih sah sich inzwischen dazu gezwungen, sowohl seine Stelle aufzugeben und seinen Heimatort zu verlassen. Derzeit ist der dreifache Familienvater mitsamt seiner Ehefrau und den Kindern untergetaucht. Ein Prozessbeobachter, der ebenfalls zum eigenen Schutz anonym bleiben muss sagte:

„Das Gericht hat ihn weder freigesprochen, noch eine Anordnung erlassen, die die Extremisten von weiteren Einschüchterungsversuchen abhält, sondern es wurde ihm nahe gelegt, das Land zu verlassen. Wenn eine Institution, die in Pakistan für Gerechtigkeit sorgen sollte, so etwas tut, ist das paradox. Es ist der Beweis für die Ohnmacht des Systems, dem es nicht gelingt die Rechte religiöser Minderheiten zu schützen. Es ist der Beweis für die Unterordnung der Gerichte unter islamische Extremisten. Es ist ein Beweis dafür, dass der Staat für die Verfolgung unschuldiger Christen Verantwortung trägt, für die Gerechtigkeit weiterhin ein Wunschbild bleibt.“

Es zeichnet sich immer mehr das Bild einer intoleranten, christophoben Öffentlichkeit in Pakistan ab, die auch Justiz, Medien und Politik immer mehr beeinflusst. Aus den Madrassen (Koranschulen) dringt ein Geist des Hasses in die pakistanische Öffentlichkeit, der sich in immer neuen Exzessen gegen die wenigen Christen des Landes manifestiert.

BITTE BETEN SIE FÜR JARVED MASIH UND SEINE FAMILIE ! DAMIT SIE EINEN ORT IN IHRER HEIMAT FINDEN MÖGEN, WO SIE NICHT UM IHRES GLAUBENS WILLEN VERFOLGT WERDEN.

(Quelle: „fidesdienst“ vom 15. September 2011)

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