Ägypten: koptisches Dorf von Muslimen blockiert

Um den Abriss eines erst kürzlich legal rekonstruierten Kirchengebäudes zu erzwingen, haben Muslime sämtliche Zugänge zum Dorf Elmarinab in der Assuan-Provinz Ägyptens abgeriegelt.

Ägypten

Ägypten

Bereits im Vorfeld hatte es mehrfach Beschwerden muslimischer Dorfbewohner über die St. Georgs-Kirche gegeben. Nachdem ein „Versöhungstreffen“ unter der Leitung des Militärs am Freitag, den 02. September 2011 zunächst zu einer Befriedung der Situation geführt hatte, geriet die Situation jedoch schon bald wieder außer Kontrolle. In besagtem „Versöhnungstreffen“ hatten die Christen massive Zugeständnisse an die Muslime gemacht. Der Einsatz von Kirchenglocken, Kreuzen oder Lautsprechern wurde von ihnen freiwillig eingeschränkt. Wie der örtliche Priester, Pater Makarios Boulos, sagte: „Um des lieben Friedens willen.“

Derartige „Versöhungstreffen“ sind in Ägypten spätestens seit der Entmachtung Mubarraks weit verbreitet. Üblicherweise dienen sie aber dazu, den Christen ihre Rechte vorzuenthalten und sie auch noch dazu zu zwingen, zu dieser Entwicklung gute Miene zu machen.

Mit dem Ergebnis des Treffens waren jedoch die Muslime anscheinend unzufrieden und so versammelten sie sich bereits am Dienstag, den 06. September 2011, wieder vor der Kirche. Sie forderten den Abriss der vier Kuppeln des Gebäudes. Offensichtlich ganz im Sinne des Prinzips: „Gib ihnen den kleinen Finger und sie wollen die ganze Hand.“ Pater Makarios Boulos sagte zu den Forderungen, wenn sie erfüllt würden, bestehe die ernsthafte Gefahr, dass die Kirche einstürzt.

Nachdem also diesen Forderungen nicht entsprochen werden kann, ohne die Existenz des Gotteshauses aufs Spiel zu setzen, holten die örtlichen Muslimführer (keine offiziellen Amtsträger, soviel ist bekannt) Gleichgesinnte Salafisten aus nahegelegenen Orten und blockierte den Zugang zum Dorf für alle Christen. Wasser holen, Lebensmittel einkaufen oder was immer zu den täglichen Tätigkeiten des Alltages gehört, wurde allen Nichtmuslimen untersagt. Am Donnerstag, den 08. September 2011 wurde selbst dem Militärgouverneur von Assuan die Lage zu heikel, weil er Berichte erhielt, dass die christlichen Bewohner von  Elmarinab verhungerten. Er sandte daraufhin zwei Fahrzeuge in den Ort, um den Bewohnern zu ermöglichen, die Blockade zu durchbrechen und Brot zu kaufen.

Sie wurden bedroht und ihnen gesagt, dies sei das letzte Mal. Es war herzerweichend die Älteren zu sehen, die mit den kleinen Kindern verzweifelt nach Brot anstanden.

berichtet ein Augenzeuge. Nun fordern die Muslime, dass alle Kennzeichen, die das Gebäude als Kirche ausweisen, demontiert werden sollten. Zukünftig solle das Haus ein „Willkommens-Zentrum“ genannt werden. Für den Bischof von Assuan, Anba Hedra, war nun die Grenze der Zugeständnisse erreicht und er verweigerte diese Forderung. Alle bisherigen Zugeständnisse habe die Kirche nur wegen ihrer Liebe zu Ägypten, das gerade in einer schwierigen Phase sei, gemacht und eben um des Friedens willen. Anba Hedra warnte alle Kräfte, die Spaltung in die Gesellschaft Ägyptens brächten davor, den Frieden aufzukündigen. Außerdem forderte er von der Militärführung, Truppen nach Elmarinab zu senden und die Christen vor muslimischer Gewalt zu beschützen.

Heute, am 09. September 2011, sandte der Militärgouverneur Assuans zwei Panzer in den Ort und traf sich persönlich mit beiden Seiten des Konflikts. Die Muslime versammelten sich und riefen ihr übliches „Allahu Akbar“ während sie in Sprech-Chören den Abriss der Kirche forderten. Die Kopten wurden in den Gesprächen u. a. durch Pater Boulos vertreten. Er verwies darauf, dass die Immobilie schon seit über 100 Jahren für eine Kirche genutzt worden war und sie bereits seit 12 Jahren unter Polizeischutz stehe. Für die baufällige Kirche ist bereits im Jahre 2010 die staatliche Erlaubnis zur Rekonstruktion eingeholt worden und die Arbeiten haben in diesem Jahr dann begonnen.

Laut Pater Boulos haben die örtlichen Muslime während all der Zeit keine negativen Gefühle bezüglich der Rekonstruktion erkennen lassen. Erst, als das Gebäude kurz vor dem Ende der Arbeiten stand, habe es erste Probleme gegeben. Die Kopten warnen weiterhin vor religiösen Konflikten, die durch aggressives Vorgehen der Salafisten ausgelöst werden könnten. Mittlerweile befinden sich immer koptische Jugendliche im Gebäude, um Vandalismus zu verhindern.

Eine ägyptische Menschenrechtsgruppe hat die ganze Angelegenheit bereits dem Gerechtigkeits-Komitee beim Ministerpräsidenten Ägyptens gemeldet. Sie spricht den Salafisten eine entscheidende Rolle bei der Eskalation der Situation zu. Ausgang offen.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE CHRISTEN IN ELMARINAB. FÜR DIE EINHALTUNG UND DURCHSETZUNG IHRER RECHTE IN SCHWERSTER BEDRÄNGNIS.

(Quelle: „aina.org“ vom 09. September 2011)

update vom 01. Oktober 2011:
Am gestrigen Freitag, den 30. September 2011, gleich nach dem Freitagsgebet, haben die Muslime von Elmarinab die Kirchenbaustelle der St. Georgs-Kirche gestürmt, das Gebäude verwüstet und danach in Brand gesteckt. Das Feuer brannte zwei Stunden lang und die Plünderungen und Gewalttaten dauerten bis 07.00 Uhr morgens des heutigen Samstags.
Berichte  aus dem Land am Nil sagen, dass in der örtlichen Moschee durch einen Mann namens „Scheich Sabry“ die anwesenden Muslime dazu aufgefordert habe, „die Angelegenheit in die eigenen Hände“ zu nehmen.

Advertisements

2 Gedanken zu “Ägypten: koptisches Dorf von Muslimen blockiert

  1. Diese Nachrichten erschüttern mich und machen mich sehr traurig! Mein mann und ich reisen seit 1988 über 40 Mal nach Assuan und in die Gebiete Minia und Unterägypten, wir haben viele gute Kontakte und wissen um die Probleme der Koptischen Christen dort. Assuan schien einigermaßen ausgenommen von den generellen Problemen wie sie sich in Unterägypten seit Jahren darstellen. Nun dies, es ist unendlich traurig! Wir sind um diese Zeit immer für einige Wochen in Assuan, wollen aber aufgrund der besonderen Umstände lieber mit unserer Reise bis nach den Wahlen warten. Können wir, ohne unsere Koptischen Freunde zu gefährden, Kontakt über Telefon und Internet aufnehmen??? Wir sind bei den telefonaten seit jahren sehr vorsichtig, weil die routinemässig überprüft werden. Wie beurteilen Sie die Situation? Es macht uns Angst, und wir haben sowohl muslimische Freunde als auch koptische freunde seit vielen Jahren gewachsene familiäre Bande. Ägypten möchte endlich frei sein und sich zu einer Demokratie entwickeln dürfen, aber dies wird ein langwirieger Prozess werden 2-3 Generationen dauern. Die Position Israels macht uns Sorgen, da spielen noch ganz andere Faktoren mit hinein. Den Juden gehören weltweit die Banken, damit die macht und wir als Deutsche dürfen da gar nicht laut werden, sonst werden wir an die Vergangenheit gemahnt. Auf der anderen Seite die Muslim Bruderschaft, die Schergen Mubaraks warten auch in den Startluken um wieder Einfluss zu gewinnen. Gott helfe unseren Ägyptischen Freunden und ihren Familien, es wird noch sehr viel Blut vergeudet werden. Was können wir tun?
    Herzliche Grüße
    Rita

    • Vielen Dank für Ihre persönlichen Eindrücke und Ihre Einschätzungen, die ich sehr aufschlussreich finde. Auf Ihre Frage, wie Sie mit Ihren Freunden und Bekannten vor Ort umgehen sollten, denke ich persönlich, dass Sie bis auf weiteres ihr „Kontaktverhalten“ nicht zu ändern brauchen. Da Sie ja bereits wissen, dass Ihre koptischen Freunde routinemässig überprüft werden und sich dementsprechend vorsichtig verhalten, sollten Sie keine Änderungen in der Form oder der Anzahl ihrer Kontaktaufnahmen vornehmen. Gerade jetzt brauchen Christen in Ägypten auch das Bewusstsein, dass sie nicht alleine in der Welt dastehen und Menschen von überallher auf ihr Land und die Situation der konkreten Diskriminierung und Verfolgung schauen. Was die Inhalte Ihrer Gespräche angeht, so wissen Sie vermutlich gut, wie offen Sie mit Ihren Freunden und Bekannten in Ägypten über die aktuelle Lage sprechen können, ohne diese aufzubringen oder ganz im Gegenteil zu gefährden.
      Ihre Einschätzung, dass Ägypten 2-3 Generationen brauchen wird, um in der Freiheit für alle seine Bewohner anzukommen, teile ich auch. Kurzfristig, also mit den anstehenden Wahlen wird wohl eher eine Verschlechterung einsetzen, da Salafisten und Muslimbrüder auf die schlecht gebildeten, muslimischen Massen setzen, die seit Jahren durch die Massenmedien dazu gebracht werden „Ungläubige“ als nicht gleichwertig anzusehen.
      Ob „den Juden“ die Banken gehören, dies einzuschätzen fehlt mir offen gesagt die Sachkenntnis über das internationale Finanzwesen. Auch die Stellung Israels in Nahost sieht von meinem „Schreibtisch“ aus eher fragil aus, denn wirklich gefährlich für seine Nachbarn. Ein Land, dass von seinen Nachbarn lautstark immer wieder in Frage gestellt wird und dennoch sehr, sehr klein ist, hat ganz andere Existenzvoraussetzungen als jahrhundertelang gewachsene Staaten hier in Europa.
      Was können wir tun ? Da möchte ich zweierlei antworten: ERSTENS können wir immer beten. Alle gläubigen Menschen haben immer die Möglichkeit, um ein Eingreifen des Vaters im Himmel zu bitten. Das klingt vielleicht etwas „banal“ oder „naiv“, aber immerhin kann ich eines sagen: ich habe noch nie davon gehört, dass das reine Gebet wirklich jemandem geschadet hätte. Eher im Gegenteil hat Gebet oftmals geholfen, Türen aus Zwickmühlen zu öffnen, die man vorher gar nicht gesehen hat. ZWEITENS könnten Sie Ihre Kontakte in Ägypten auch selbst danach fragen, was Sie von Ihnen hier in Deutschland erwarten, falls das aus Sicherheitsgründen und trotz des Schutzes der Privatsphäre möglich sein sollte. Ich denke immer, dass die Situation von „Mittendrin“ immer anders aussieht, als aus der Distanz. Ansonsten kann man sich auch immer bei den seriösen Hilfsorganisationen (beispielweise: „open doors“, „Kirche in Not“, „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ e. V. und „Helfende Hände für die Armen – Schwester Hatune“) erkundigen, was man außer dem Gebet und der Aufklärung über die Lage der weltweiten Christenheit im eigenen Bekanntenkreis noch tun kann.
      Ich hoffe, diese Antwort hilft Ihnen etwas weiter und bedanke mich noch einmal für Ihre Einschätzung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s