Iran: Impressionen von einer Verhaftung – Mehdi Forutan

Dass „Apostaten“, also Konvertiten vom Islam, es in der „Islamischen Republik Iran“ schwer haben, ist Lesern dieses Blogs und aufmerksamen Beobachtern der Menschenrechts-Lage in der Region nicht unbekannt. 

Mehdi Forutan

Welche Konsequenzen es haben kann, als Ex-Muslim ein Leben in der Nachfolge Christi zu führen, speziell in Teheran, erzählt uns die Geschichte von Mehdi Forutan.  Am 26. Dezember 2010 wurde er am frühen Morgen von Angehörigen der Geheimpolizei geweckt, die in seine Wohnung in Teheran eingebrochen waren. Bei klirrender Kälte zerrten sie den schlaftrunkenen Christen in ein vor dem Haus geparktes Auto und hielten ihm eine Videokamera vor die Nase. Sie hatten bereits den gesamten Überfall auf das Zuhause von Mehdi Forutan im Video festgehalten und nun sollte der „Delinquent“ selbst zu Wort kommen. Nachdem sich die Beamten als Mitglieder der Drogenfahndung (????) bezeichnet hatten und ihm bereits klar war, dass sie seine Wohnung verwüsteten und diverse, christliche Medien konfiszierten, entwickelte sich folgender Dialog:

„Weisst du, warum warum du festgenommen wirst ?“ fragte der Beamte hinter der Kamera.
„Nein.“
„Ich frage dich ein zweites Mal: Weisst du, warum wir dich mitnehmen ?“
„Nein.“
Der Beamte schaltet daraufhin die Kamera ab.
„Ich kann dir die Fresse blutig schlagen und dich foltern, bis Blut aus allen Körperteilen kommt. Wenn ich die Kamera wieder einschalte, sagst du, warum wir dich festnehmen.“
„OK, ich schätze, ihr nehmt mich mit wegen des Christentums und meines Glaubens an Jesus Christus fest.“

Forutan, 33 Jahre, ist sich keiner Schuld bewusst. Er hat bereits davon gehört, dass christliche Bekannte arretiert und nach einiger Zeit wieder freigelassen wurden und bereitet sich innerlich auf einige Tage im Gefängnis vor.  Aber das Gespräch im Auto geht noch weiter:

„Willst du zum Islam zurückkehren ?“ fragt der Offizier dann.
„Nein.“
„Wir werden dich zu einem schlimmen Ort bringen. Kennst du Evin ?“

Das Evin-Gefängnis in Teheran ist berüchtigt für seine katastrophale Überbelegung, Folterzellen und schlechteste, hygienische Verhältnisse. Politische Gefangene und religiös Verfolgte werden dort gerne, auch „endgültig“ zwischengeparkt. Es ist im gesamten Iran berüchtigt und bekannt.

Mehdi Forutan wurde dorthin gebracht, mit Gefängniskleidung versehen und erkennungsdienstlich erfasst. Dann wird er zu einer Einzelzelle geführt, in der weder Bett noch Stuhl oder Tisch existieren. Nur eine dünne Decke liegt auf dem Boden der 3 mal 2 Meter kleinen Zelle. Und natürlich ein Koran. Die Wache, die ihn hierhergeführt hat sagt zynisch zu ihm: „Machen Sie es sich bequem. Sie werden lange hier sein.“

Das stimmt tatsächlich. Insgesamt 105 Tage wird Mehdi Forutan dort verbringen. Er wird fast täglich befragt, irgendwann nur noch alle drei Tage. Nach seinen Reisen ins Ausland wird gefragt, nach seinem Glauben. Wenn er offen „alles zugäbe“ würde er in ein oder zwei Wochen wieder frei sein, sagten seine Befrager. Sie teilten ihm mit, er würde wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ (das ist Original-DDR-Jargon, liebe Leser !) angeklagt werden. Es befragen ihn immer zwei Beamte, nach dem „Guter Bulle-Böser Bulle“-Prinzip.

Irgendwann lassen sie ihn 10 Tage lang in Ruhe. Forutan, der mittlerweile in die Türkei geflohen ist, sagt heute dazu:

Sie spielen mit deinem Verstand. Es ist eine schlimme Situation, wenn du immer alleine bist und mit niemandem sprechen kannst. Ich begann damit, zu beten. „Herr hole mich bitte aus dieser Situation heraus, ich möchte mit Menschen sprechen.“

Eines Tages hörte er Geräusche auf dem Gang und blinzelte aus dem winzigen Fenster in der Zellentür. Dort wird gerade der ebenfalls inhaftierte Farshid Fathi vorübergeführt und zu seiner nächsten Befragung gebracht. „Mach dir keine Sorgen“, sagt Fathi, „wir kommen bald hier heraus.“ Daraufhin wird der Christ Fathi zu Boden geworfen und von den Wachen getreten. Forutan sagt über Fathi:

Sie behalten Fathi im Gefängnis, um ein Exempel zu statuieren und Christen zu verängstigen. Sie selbst haben aber Angst for Hauskirchen-Gruppen und sagen, man könne ja zur Kirche gehen, wo sie dich dann besser überwachen können.

Da Forutan sich in den Verhören als unergiebige Quelle erweist, kommt nach ca. drei Wochen ein Polizeioffizier mit Stapeln voll Dokumenten in das Verhörzimmer. Diese stammen angeblich von Computern verschiedener Christen. Er sagte zu Mehdi Forutan:

Wenn du weiterhin schweigst, dann können wir dich drei, vier, fünf Jahre lang hier festhalten. Du bekommst keinen Anwalt. Wir können machen, was wir wollen.

Daraufhin beginnt der Christ damit, Erklärungen über sein Leben als Christ zu formulieren. Er lässt dabei keine Lücken auf dem Papier, um es den Behörden zu erschweren, seien Aussagen zu verfälschen. Während eines weiteren Verhöres wird wieder ein Camcorder auf ihn gerichtet:

„Erzähl uns von deinen Verbrechen !“ befiehlt der Verhörspezialist.

Forutan erzählt ihnen dann Dinge, die sie sicher nicht hören wollen. Wie er als Jugendlicher in Drogenabhängigkeit geriet und später Christus kennenlernte, der ihn erretete und ihn von den Drogen bis heute frei gemacht hat. Der Verhör-Beamte wird daraufhin wütend, stellt die Kamera ab und schreit ihn an, er wolle von den Verbrechen hören und nicht evangelisiert werden.

Trotzdem wird er nach 38 aus der Einzelhaft entlassen und in eine Gemeinschaftszelle gesteckt. Dort hört er, dass Farshid Fathi sogar 50 Tage Einzelhaft überstanden hat. In seiner Zelle befinden sich sehr unterschiedliche Menschen. Al-Kaida-Sympathisanten (sunnitische, deshalb im schiitischen Islam suspekt), Mitglieder der „Grünen Bewegung“, die gegen die manipulierten Wahlen von 2009 protestiert hatten, und Bahais.  Er geriet in Lebensgefahr, als die Al-Kaida-Leute erfuhren, dass er ein „Apostat“ ist. Mit den Leuten der „Grünen Bewegung“ jedoch unterhielt er sich über die Bibel und stellte fest, dass sowohl die „Reform-Iraner“, als auch die Christen viel gemeinsam haben.

Nach 105 Tagen im Gefängnis wurde Mehdi Forutan am 09. April 2011 freigelassen. Ohne Kommentar, ohne Vorbereitung. In Abstimmung mit seiner Verlobten beschließen beide letztlich, den Iran zu verlassen. Da die Behörden Mehdis Pass eingezogen haben, muss er den illegalen, beschwerlichen Weg durch die Berge in die Türkei wählen. Mehdi Forutan ist ein stolzer Iraner. Es belastet ihn, dass er nicht in seiner geliebten Heimat leben kann und von seinen Eltern dort getrennt ist.

In der Türkei hat er mittlerweile seine Verlobte geheiratet.  Diese bekam nach zwei Monaten die Möglichkeit, nach Norwegen zu gehen, das ihr Asyl gewährte, ihm jedoch bisher nicht.

BITTE BETEN SIE FÜR BRUDER MEHDI FORUTAN. FÜR SEINE FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG, FÜR SEIN LAND, DEN IRAN, DER BESSERES VERDIENT HAT, ALS DIE DIKTATUR DER PSYCHOTISCHEN MULLAHS UND DER AGGRESSIVEN MILITÄRS.

(Quelle: „compass directnews“ vom 06. September 2011)

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Ein Gedanke zu “Iran: Impressionen von einer Verhaftung – Mehdi Forutan

  1. Kann ich beschreiben, was in meinem Herzen vorgeht, wenn ich diese Geschichte (die nur eine von vielen, viel zu vielen Geschichten ist) lese ? Kaum. Immerhin soviel ist wohl klar: das Böse in der Welt existiert. Es hat Gesichter, Hände, Diener, die sich dazu herablassen, ihren Mitmenschen schlimmste Dinge anzutun.
    Wer fühlt sich nicht an die Stasi-Folterkeller, die NKWD-Folter oder die Gestapo-Verhöre erinnert, wenn er solche Dinge aus dem Iran hört. Jeder, der mit diesen Verbrechern Geschäfte macht, sich auf politische „Konferenzen“ einladen lässt und den Iran als Atommacht, die Israel vernichten will, verharmlost, gehört medial an den Pranger gestellt. Diesen Leuten hier in Deutschland sollten die Geschichten von Mehdi Forutan, Farshid Fathi oder Youcef Nadarkhani vorgestellt werden. Aber vermutlich würden die nichtmal dann ein Gewissen entwickeln. Traurig.

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