Bangladesh: illegale Hausenteignung bei Christen

Bablu Biswas aus dem Dorf Christianpara im Gopalganj Distrikt, wurde im Juli seines Hauses beraubt, als ihn ein lokaler Politiker der regierenden „Awami-Liga“-Partei aus seinem Haus drängte.

Bangladesh

Bablu Biswas, 35, erzählt die Ereignisse so, dass der Sohn des regionalen AL-Funktionärs (die in Bangladesh regierende „Awami Liga“ ist eine fast ausschließlich von Muslimen gebildete Gruppierung) Raja Miah Batu, namens Sohel Miah, ihn in Begleitung von mehreren anderen Muslimen dazu aufforderte, sein Haus zu verlassen, da er es gekauft hätte. Biswas hat es jedoch niemandem verkauft.

Sie forderten mich am 25. Juni (2011, Anm. des Übersetzers) zum ersten Male dazu auf, mein Haus zu verlassen. Am 17. Juli kamen  sie wieder, drohten mir, ich müsse das Haus verlassen, weil sie mich anderenfalls zwangsräumen lassen würden. Sie machten falsche Angaben für die Zwangsräumung und behaupteten, sie hätten das Haus gekauft. Gewaltsam besetzten sie mein Haus am 23. Juli.

Noch am 17. Juli 2011 hatte Bablu Biswas sein Haus bereits aus Angst vor gewaltsamer Enteignung verlassen und war bei Bekannten untergekommen. Er brachte den Vorgang jedoch bei der Polizei zur Anzeige (wegen „illegaler Hausbesetzung“), was geradezu absurde Folgen haben sollte. Die Polizei, wie immer in Konfliktfällen zwischen Muslimen und Christen, wenn sie in mehrheitlich islamischen Ländern stattfinden, setzte ein „Treffen zur gütlichen Beilegung“ des Streitfalles an, statt gegen den Muslim-Funktionärssohn zu ermitteln.

Solche „Versöhnungs“-Treffen kennen wir aus Ägypten leider schon zur Genüge. Dort werden sie nur „pro forma“ angesetzt, damit sich staatliche Behörden keine Vorwürfe einseitiger Begünstigung machen lassen müssen. Dort im Land am Nil gehen diese Treffen aber mit beinahe 100%iger Quote immer zu Ungunsten der Christen aus.

Das Treffen in der Polizeistation, an dem 12 (sic !) christliche Leiter der Region teilnahmen, verlief keinesfalls versöhnlich. Ein anwesender Geistlicher, Leiter der St. Mothuranath Assembly of God Church, beschreibt das Treffen mit den Mitgliedern der AL-Partei folgendermassen:

Die Einstellung der politischen Anführer war so, dass wir (Christen, Anm. d. Übersetzers) alles akzeptieren sollten, was sie sagten. Wenn wir gegen irgendetwas argumentierten, wurden sie wütend. An einem bestimmten Punkt der Gespräche, begann Miah damit, einen unserer älteren Pastoren zu schubsen. Er schubste ihn mehrfach hart und schlug ihm schließlich vor aller Augen auf die Nase.

Die Faust als muslimische Argumentationshilfe ist ja auch hierzulande nicht völlig unbekannt. Nach dieser Tat der Körperverletzung verließen die Christen in jedem Fall die Gespräche und das Polizeigebäude. Aber noch auf dem Gelände der Polizeistation wurde ein weiterer Ältester, Mitul Bala aus der „Kirche des Nazareners“, von Miah und seinen Begleitern geschlagen, weil er sich über die Aggressivität der Muslime beschwerte.

Christliche Leiter riefen daraufhin zu Demonstrationen gegen die Willkür der AL-Partei und ihrer Mitglieder auf. Der Mitinitiator, Reverend Samuel S. Bala, sagte dazu:

Wenn sie uns in einer Polizeistation (ungehindert, Anm. d. Übersetzers) schlagen können, dann können sie alles mit uns tun. Wo bekommen wir dann Schutz her ?

Nachdem einige Hundert örtliche Christen gegen die Zustände demonstriert hatten, wurde schließlich am 02. August 2011 Sohel Miah verhaftet, jedoch laut Augenzeugenberichten noch am selben Tag wieder freigelassen. Das Haus von Bablu Biswas soll derzeit wieder im Besitz von Bablu sein, der Verantwortliche für all die Unruhe, Sohel Miah, kommt jedoch vermutlich straflos davon. Eine Verquickung von Korruption, Verachtung für Christen und Arroganz der Macht wird sicher dafür sorgen.

Was können wir trotzdem aus dieser Sache lernen ? Wenn die Christen alles unwidersprochen hingenommen hätten, wäre Bablu Biswas heute obdachlos. Selbst in Ländern, wo das Wort „Rechtsstaat“ keinerlei Bedeutung hat, können Proteste für grundlegende Rechte oder doch zumindest für eine Behandlung mit Respekt manchmal etwas bewirken. Wenn wir Christen hierzulande uns dessen mal immer bewusst wären, würden wir viel weniger Dinge „einfach so“ hinnehmen und uns für Dinge (und nicht immer nur „gegen“ etwas wie Stuttgart 21) engagieren und unsere Interessen klarer definieren und wahrzunehmen suchen.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE KIRCHEN BANGLADESHS. VON IHREM MUT ZU GESPRÄCH EBENSO WIE PROTEST KÖNNEN WIR VIEL LERNEN. BITTEN WIR UNSEREN HIMMLISCHEN VATER UM STÄRKE FÜR SIE, DAMIT SIE UNSEREN GLAUBEN DORT KRAFTVOLL UND FREUDIG VERKÜNDEN KÖNNEN.

(Quelle: „compass directnews“ vom 29. August 2011)

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