Zur Situation der Christen in islamischen Ländern

Wir erleben ja medial gerade den „arabischen Frühling“, der, wie unlängst ein Bischof der syrisch-orthodoxen Kirche verlauten liess, für die Christen in der Region wohl mehr zu einem „fatalen Winter“ der Verfolgung und Auslöschung werden wird. Warum haben es die Christen in diesen Ländern so schwer, auch nur zu überleben ?

Kreuz mit Horizont.

das Kreuz

Dazu schreibt die holländische Journalistin Jannie Schipper auf der Webseite von Radio Netherlands Worldwide:

Christen in islamischen Ländern befinden sich oftmals zwischen Schylla und Charybdis. Sie werden als Komplizen des Westens angesehen, während der Westen selbst dazu tendiert, sie zu ignorieren. Westliche Politiker und (Menschenrechts-) Aktivisten streiten darüber, ob man diesen verfolgten Christen eine besondere Aufmerksamkeit widmen solle.

Bitte gestatten Sie mir an dieser Stelle bereits einen Einschub: Wie können, vor allem selbsternannte „christliche“ Politiker nur darüber streiten, ob man Solidarität mit den verfolgten Kirchen Nahosts üben darf ? Christus spricht:

Und so lautet mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.
Joh 15,12 / Hfa

Ich finde, daran ist nicht misszuverstehen. Da geht es nicht nur um die Freunde, die man in seiner Ortsgemeinde hat. Aber zurück zum Artikel von Jannie Schipper. Sie lässt darin eine koptische Exil-Ägypterin zu Wort kommen, die folgendes sagt:

Manche sagen, wenn du kein Muslim bist, dann lebe doch in Amerika, Kanada oder Europa. Aber Ägypten ist das Heimatland der Kopten. Sie wurden hier geboren und leben hier seit Urzeiten.

Ja, das vergessen westliche Politiker oder auch Kirchenfürsten und -innen nur zu gerne. Die Kopten sind das eigentliche, urägyptische Volk und beinahe so etwas wie eine ethnische Minderheit. Wenn sich Menschenrechtsorganisationen für benachteiligte Ethnien in Südostasien (die zu einem guten Teil übrigens ebenfalls Christen sind, siehe die Montagnards von Vietnam oder die Karen in Myanmar) einsetzen oder endlich die volle Gleichberechtigung von Aborigines in Australien fordern, ist das gut und schön. Es hat seine Richtigkeit, aber ein Volk, das sich im „eigenen“ Land wie Fremde, wie Bürger zweiter Klasse fühlen muss und noch dazu unter täglicher, struktureller wie konkreter Gewalt leiden muss, sollte im höchsten Maße Beachtung für seine Anliegen finden.

Die holländische Politikwissenschaftlerin Hala Naum Nehme, die selbst syrische Wurzeln hat, zeigt sich keinesfalls verwundert, dass von den 10 Ländern, die im „Weltverfolgungsindex“ ganz vorne liegen, mindestens 7 islamisch geprägt sind. Sie klagt nun die Politiker ihres Landes an, indem sie ihnen vorwirft, in der Frage der nahöstlichen Christen bewusst wegzuschauen. Als deutscher Kommentator kann man sehr wohl die begründete These aufstellen, dass es in unserem Land auch nicht anders ist.

Die Publikation „Middle East Quarterly“ sagt voraus, dass die Zahl der Christen in Nahost von einstmals 12 Millionen auf maximal 5 Millionen im Jahre 2025 sinken wird. Dies ist geringeren Geburtsraten, aber vor allem der Massen-Auswanderung geschuldet, die seit etwa dem Jahr 2000 eingesetzt hat. Vor allem irakische Christen, die dort als Freiwild den kriminellen und religösen Verbrechern zur Ausplünderung und Vernichtung freigegeben sind, haben bereits in Massen, und zumeist unter haarsträubenden Bedingungen, ihre Heimat verlassen müssen.

Nun stellen viele westliche Politiker ein ums andere Mal die These auf, dass ein allzu deutliches Hinweisen auf die Verbrechen an den Kirchen und Christen in Nahost, diese nur ins Schussfeld der Islamisten rücken würden. Dieser These widerspricht Frau Nehme, indem sie feststellt, dass Christen in Nahost ohnehin gefährdet sind und sich daran auch nichts ändern werde.

Der Westen ist die einzige Zivilisation seit Menschengedenken, die jemals für Menschenrechte eingetreten ist und Menschenrechte sind eine westliche Erfindung. (Also sollte der Westen auch seine Verantwortung übernehmen und die Christen in Nahost verteidigen, so wie…) auch die nichtchristlichen Völker der Kurden und Palestinenser verteidigt werden.

Man sieht also: auch in den Niederlanden wird diese Thematik diskutiert und viele, vor allem eher links orientierte Politiker wollen das Thema relativieren und unter den Teppich kehren. Eine auffallende Parallele zu unserem Land. Ist das die „europäische Annäherung“ ?

BITTE BETEN SIE MIT CHRISTEN AUS NAHOST, SOFERN SIE DEREN KIRCHLICHE GEMEINSCHAFTEN IN IHRER NÄHE HABEN. BITTE BETEN SIE FÜR DIE KIRCHEN DER REGION, DAMIT DIE URALTEN TRADITIONEN DES CHRISTENTUMS DORT NICHT VERLORENGEHEN.

(Quelle: „Radio Netherlands Worldwide“ vom 20. Juni 2011)

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Ein Gedanke zu “Zur Situation der Christen in islamischen Ländern

  1. Wie sich die Bilder gleichen. Holland, die USA, Deutschland oder Frankreich. Dem Ende der Ostkirchen, seien sie mit Rom oder wem auch immer zusammengeschlossen oder nicht, sehen wir Europäer mit einer erschreckenden Gelassenheit entgegen. Das ist für uns „nicht aktuell“, „viel zu weit weg“ und angesichts von Stuttgart 21 und Fukushima auch „kein bischen interessant“.
    Nun möchte ich hier keinesfalls über den biblischen Aspekt dieser Ignoranz etwas vom Stapel lassen. Das kann sich jeder Christ selbst ausrechnen, dass der „Leib Christi“ eben eins ist und was man daraus ableiten kann.
    Nein was mich viel mehr stört ist die Doppelzüngigkeit, mit der Kirchenfürsten und -innen sowie Politiker den offensichtlichen Religiozid in Nahost mit dem „bösen Herrn Bush“ begründen, der ja den Kampf gegen den Terror begonnen habe. Tja, Kampf gegen den Terror bedeutet eben, ob wir es vor lauter Gutmenschlichkeit uns nun eingestehen wollen, oder nicht, implizit auch Kampf gegen den Islam, aus dessen Herzen ja die Gewalt und der Terror entspringen. Die Muslime dieser Region und auch weltweit verstehen dies sehr gut. Deshalb auch gibt es so wenig Unterstützung für westliche Antiterrorbemühungen aus der „Ummah“, der Gemeinschaft aller Muslime weltweit. Ob es die Sicherheitsbehörden in Pakistan oder die kleine Salafistenrunde in ihrer Nachbarschaft, liebe Leser, sind, sie werden den Ungläubigen niemals aktiv dabei helfen, den Terror zu bekämpfen, da selbst der übelste Bombenleger oder Hassprediger eben ein Mitglied ebendieser Ummah ist. Finden wir uns damit ab und handeln wir entsprechend.

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