Deutschland: Gedenkstätte erinnert an versuchten Armenier-Genozid

Ein noch immer besonders dunkles Kapitel der türkischen Geschichte ist der während des Ersten Weltkrieges durchgeführte Massenmord an den armenischen Christen des Osmanischen Reiches. Die Türkei leugnet bis heute die Fakten und droht jedem, der sie offen ans Tageslicht bringt, mit Klagen wegen „Volksverhetzung“.

Johannes Lepsius

Jetzt erinnert eine Forschungsstätte in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam an die Ereignisse, die mit dem versuchten Genozid an der christlichen Minderheit zusammenhängen. Am 02. Mai 2011 wurde im Lepsius-Haus in Anwesenheit von Vertretern der Stadt und der Kirchen dieser Ort eröffnet. Pfarrer Johannes Lepsius (1858-1926) hatte als evangelischer Theologe die Massaker der Türken an der christlichen Minderheit vor knapp 100 Jahren dokumentiert. Bei Deportationen und Massenmorden waren 1915/16 nach unabhängigen Schätzungen weit mehr als eine Million Armenier im Osmanischen Reich ums Leben gekommen. Zumeist bei sog. „Todesmärschen“, die einzig und allein dem Zweck diente, die daran Beteiligten zu Tode zu hetzen. 1916 verschickte Lepsius seinen „Bericht zur Lage des armenischen Volkes in der Türkei“ von seinem Wohnhaus am Potsdamer Pfingstberg aus, in dem jetzt das Dokumentationszentrum eröffnet wurde.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte bei der Eröffnung:

„Ich bin der Überzeugung: Solange Verbrechen – wie die an den Armeniern – als solche nicht beim Namen genannt werden dürfen, solange sie verschwiegen oder bagatellisiert werden, so lange blendet eine Nation einen Teil ihrer eigenen Geschichte aus und wird der Opfer, ihrer Würde und ihrer Identität nicht gerecht.“

Dazu passt auch die Nachricht, dass ein mit den Armeniern in Verbindung gebrachtes Denkmal im Osten der Türkei auf Befehl des Ministerpräsidenten Erdogan seit Ende April 2011 abgerissen wird. Hierin sind sich Nationalisten und Islamisten in der Türkei einig: den Mord an der armenischen Bevölkerung hat es „nie gegeben“.

Gegen die Gedenkstätte hatte es lange und wütende Proteste aus der Türkei gegeben. Das türkische Strafgesetzbuch verlangt, die Erwähnung der Massaker als „Volksverhetzung“ zu ahnden. Bereits seit 2001 hatte es in Potsdam Pläne zur Errichtung der Gedenkstätte im Lepsius-Haus gegeben. Diese waren jedoch aufgeschoben worden, nachdem es massive Proteste der Türkei gegeben hatte. So erhielt der damalige Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) – seit 2002 Ministerpräsident des Bundeslandes Brandenburg – eine Flut erregter, türkischer Protestbriefe, die das Projekt verhindern wollten. Die türkische Botschaft drohte, wie so oft, indirekt mit Unruhen durch Türken in Berlin und versuchte sich damit ein weiteres Mal massiv in Deutschlands innere Angelegenheiten einzumischen. Der Vorstand des Lepsius-Haus-Fördervereins wurde zu einem Gespräch beim türkischen Botschafter geladen. Der behauptete, das Lepsius-Haus trage zur Destabilisierung der Türkei bei. In den vergangenen Jahren wurden die Räume der Villa unter anderem aus Mitteln des Bundes für insgesamt 560.000 Euro restauriert. Die Außensanierung endete 2005. Das Anwesen ist Eigentum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR EINEN WANDEL IN DEN ENGEN HERZEN DER MACHTHABER IN DER TÜRKEI. WER SICH SEINER VERGANGENHEIT NICHT STELLT, IST NÄMLICH KEIN WÜRDIGER PARTNER FÜR DIE ZUKUNFT.

(Quelle: „idea.de“ vom 04. Mai 2011)

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Ein Gedanke zu “Deutschland: Gedenkstätte erinnert an versuchten Armenier-Genozid

  1. Man stelle sich vor: Deutschland würde den Holocaust bis heute abstreiten, aber gleichzeitig erwarten, ein vollgeachtetes Mitglied der Völkergemeinschaft zu sein. Mit Recht gäbe es im In- und Ausland eine rege Diskussion über mangelnde Vergangenheitsbewältigung und das gänzliche Fehlen von Unrechtsbewusstsein. Wenn man als Staat dann auch noch das Erwähnen des Holocaust mit „Volksverhetzungs“-Klagen zu unterdrücken versuchte, wäre Deutschland ganz sicher ein internationaler „Paria“. Mit Recht. Wir haben uns hierzulande unserer „dunklen“ Vergangenheit gestellt, ihre Ursachen (oft sogar etwas selbstmitleidig und mit verzweifelter Büssermentalität) ergründet und bewältigt. Holocaust-Leugnung gilt hierzulande als strafbar. Ganz anders nun die Türkei. Sie stellt Erwähnung des versuchten Genozids an den Armeniern unter Strafe, erinnert sich nicht an die Taten und feiert bis heute die verantwortlichen Täter mit Strassen- , Schul- und Platzbenennungen ! Unfassbar, aber wahr !
    Kann ein solches Land ein würdiger Partner Europas sein ? Nein, aber die Türkei kommt damit durch, weil sie als militärischer NATO-Partner gebraucht und deshalb weder von Europa noch den USA wegen dieser Infamien unter Druck gesetzt wird. Auch hierzulande ist es vielen lieber, wenn wir „Frieden“ mit der Türkei haben, schon weil mit den Millionen Türken und türkisch-stämmigen Deutschen eine Enklave Ankaras exisitiert, die durchaus zu lautstarkem Protest und mehr bereit ist, falls man diesen „Frieden“ gefährdet. Deutschland ist für die Türkei erpressbar und sie weiss das nur zu gut.
    Schon allein deshalb ist das Lepsius-Haus, das gegen Widerstände, vor allem vom Bosporus, durchgesetzt wurde, ein Gottesgeschenk. Danken wir dem Schöpfer dafür, dass der permanente Kotau vor Ankara und Herrn Erdogan damit durchbrochen wurde.

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